Erkelenz: Anna Kurth hat das nächste Hilfsprojekt bereits im Blick

Erkelenz: Anna Kurth hat das nächste Hilfsprojekt bereits im Blick

Wenn sich Anna Kurth aus Granterath etwas in den Kopf setzt, dann macht sie das auch. So auch vor zwei Jahren, als sie aus Nicaragua zurück nach Europa kam, um ihr Studium im niederländischen Nijmegen zu beginnen.

In Nicaragua hatte sie ein Jahr lang freiwillig beim Aufbau einer Schule mitgeholfen. Das Projekt ließ sie nicht mehr los, und so startete sie gleich nach der Rückkehr mit der Vorbereitung des nächsten Projektes. Diesmal war ihr Ziel, das Geld zusammenzusammeln, um einer Familie in den Slums ein Zuhause zu geben.

Trocken und regengeschützt

„Die Menschen leben teilweise in baufälligen Hütten, die aus Plastikabfällen gebaut wurden“, berichtet sie. Dementsprechend war die neue Hütte, auch wenn sie nur aus Holz besteht, ein Riesenschritt in Richtung Lebensqualität. Eine Heizung braucht man in Nicaragua nicht, da es keinen Winter gibt, erklärt die Studentin aus Granterath. Holzpfähle wurden geschnitten und zusammengesetzt, Zement von Hand gemischt und verarbeitet.

Das Ergebnis ist ein trockener und regengeschützter Raum mit einem Toilettenhäuschen nebenan und einem Vordach für Dusche und Freiluftküche. „Die Ansprüche sind nicht hoch“, betone Anna Kurth. „Trotzdem geht für eine Familie in den Slums mit einer solchen Hütte ein Traum in Erfüllung.“

Hütte, Betten und Matratzen

Eine Woche und die helfenden Hände einiger Handwerker und Freiwilliger brauchte sie, um den Traum von „Josés Haus“ wahr werden zu lassen. Zuvor hatte sie in Deutschland Geld gesammelt und für ihr Projekt getrommelt, in Erkelenz Waffeln verkauft und im persönlichen Gespräch für ihre Idee geworben. Dabei war sie oft zwar auf offene Ohren aber verschlossene Geldbörsen gestoßen, was sie durchaus verstehen kann.

Denn das Vertrauen in große Organisationen, die Spenden sammeln und nur einen Bruchteil davon weiterleiten in die Projekte, ist erschüttert. „Dabei konnte ich sehen und persönlich nachverfolgen, wohin jeder einzelne Euro gegangen ist“, weiß sie. Immerhin reichte es am Ende nicht nur für die Hütte, sondern auch für Betten und Matratzen.

Nun muss sich Anna Kurth wieder auf ihr Bachelorstudium der Anthropologie widmen. Trotzdem hat sie schon ein weiteres Hilfsprojekt in der Pipeline: „Das Pulser-Projekt unterstützt ehemalige Waisenkinder aus Nicaragua“, weiß sie zu berichten. „Pulsera“ ist das spanische Wort für Armband.

Prägende Erfahrungen

Die Armbänder wurden von den Heimkindern angefertigt und werden nun weltweit vermarktet. In den USA kommen die Schmuckbänder sehr gut an. „Ich würde mich dann um den Absatz in Deutschland kümmern, zum Beispiel an Schulen“, erklärt sie.

Das Jahr, das sie in dem lateinamerikanischen Land verbracht hat, hat Anna Kurth geprägt. Dabei war es Zufall, dass sie dort auskam, nachdem sie sich für ein Auslandsjahr im Rahmen des freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) gemeldet hatte. Nun lassen das Land und seine Menschen sie nicht mehr los.