Amazon in Mönchengladbach-Rheindalen: Verkehrskollaps auf der B57?

Amazon-Ansiedlung : Verkehrskollaps auf der B57 im Kreis Heinsberg befürchtet

Sie ist eine der Hauptverkehrsadern durch den Kreis Heinsberg. Und künftig könnte die Bundesstraße 57 noch stärker als ohnehin schon beansprucht werden. Deshalb befürchten Anwohner in den Orten entlang der Straße eine stärkere Belastung, die bis hin zu einem Verkehrskollaps führen könnte.

Hintergrund dieser Befürchtungen ist vor allem die Ansiedlung des Online-Riesen Amazon in Mönchengladbach-Rheindahlen direkt an der B57. Amazon baut dort ein gigantisches Logistikzentrum, das wohl großen Einfluss auf die Verkehrsströme im Umkreis haben wird. Und auch der Online-Badhändler Reuter plant die Errichtung eines großen Logistikzentrums in Rheindahlen.

Gut 18.200 Fahrzeuge am Tag

Nach Angaben des Landesbetriebes Straßen.NRW rollen nach Verkehrszahlen aus dem Jahr 2015 gut 18.200 Fahrzeuge am Tag über die B57. Der Landesbetrieb geht davon aus, dass sich die Belastungen für den Kreis Heinsberg, die durch die Amazon-Ansiedlung entstehen, in Grenzen halten werden. „Laut dem Verkehrsgutachten der Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach wird der Verkehr Richtung Süden nur gering steigen“, teilte Christine Revers von Straßen.NRW auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Es wird erwartet, dass sich der Verkehr in unterschiedliche Richtungen verteilt und sich vor allem Richtung Autobahn A61 orientiert.“

Im Kreis Heinsberg ist das Gewerbegebiet Hückelhoven-Baal einer der größten Logistikstandorte. Hermes, DPD und der Versandhändler QVC sorgen dort für regen Lkw- und Lieferwagenverkehr, der in Richtung B57 und Doveren abfließt. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

In Rede stehen bis zu 350 zusätzliche Lkw pro Tag, die über Wegberger Stadtgebiet rollen könnten. An dem Amazon-Standort sollen auch 1000 Vollzeitstellen entstehen, die in Spitzenzeiten von bis zu 3000 Beschäftigten besetzt werden könnten. Auch das belastet die Verkehrssituation zusätzlich.

In Granterath betrachtet man diese Entwicklungen sehr kritisch, sagt Karl Mones. Er ist im Vereinsleben verwurzelt und in der lokalen Politik aktiv. Mones weiß also, wo in Granterath der Schuh drückt. Rund um die Uhr fahren schon jetzt Lkw und Lieferwagen durch den Ort – viele kommen wohl von Hermes und DPD aus Baal. Zwar sei nicht offiziell bekannt, ob es eine Kooperation der Logistiker in Baal mit Amazon gebe. Mones glaubt aber trotzdem, dass der Verkehr zwischen Baal und Rheindahlen – und damit auch in Granterath – steigen wird. Er geht davon aus, dass der Verkehr um ein Drittel zunimmt. Was man da tun kann? Lärmschutz durch Wände, Hecken und Sträucher oder Schallschutzfenster? CDU-Mitglied Mones möchte das Problem nun jedenfalls auf politischem Wege ins Verkehrsministerium tragen.

Um die Orte Baal und Doveren (Foto: Kreuzung in Baal) zu entlasten, fordert man in Hückelhoven den Bau der B57n vom Gewerbegebiet zur B57 bzw. zur A46. Den Bau dieser Straße würde die Stadt Hückelhoven zur Not auch selbst finanzieren. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

In Wegberg wird man derweil aktiv, um zusätzlichem Verkehr und jetzt schon vorhandenen Problemen Rechnung zu tragen. Frank Thies, Technischer Beigeordneter der Stadt, sagte, dass die Ampelschaltung an der Kreuzung von B57 und L127 bei Heyer optimiert werde. Kameras und eine bedarfsabhängige Schaltung sollen für weniger Rückstaus sorgen. Vermutlich soll die Kreuzung aber auch noch umgebaut werden. Das habe die Stadt Wegberg mit Straßen.NRW so abgestimmt. Thies sagt auch, dass Amazon ein agiles Unternehmen sei, dass sich schnell an die vorhandenen Rahmenbedingungen anpasse. Zum Beispiel auch wenn es um die Verkehrswege im Umfeld des Logistikzentrums gehe. Bei einer öffentlichen Behörde dauere es ungleich länger, eine Baumaßnahme wie etwa an der Kreuzung bei Heyer zu planen. Das klingt nach einem ungleichen Wettlauf.

Auch für die Anwohner der B57 in Rath-Anhoven wolle man Belastungen reduzieren, sagt Thies. Da seien die Möglichkeiten aber begrenzt. Eine Bundesstraße sei eben dafür da, überregionale Verkehre aufzunehmen, sagt Thies und gibt damit im Prinzip den Standpunkt von Straßen.NRW wieder: „Die B57 ist als anbaufreie Bundesstraße für den überregionalen Verkehr ausgelegt und für diesen bemessen worden“, so der Landesbetrieb. Will heißen: Die B57 kann noch mehr Verkehr vertragen.

Von außen sieht das Amazon-Logistikzentrum mit einer Grundfläche von gut 55.000 Quadratmetern so gut wie fertig aus, im Inneren läuft allerdings noch der Ausbau der Technik mit bis zu 200 Robotern und 17 Kilometern Fördertechnik. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

An der Kreuzung von B57 und L117 mitten in Baal kann man morgens genau sehen, was große Verkehrsbelastung bedeutet. Lkw und Lieferwagen aus dem nahen Gewerbegebiet reihen sich dort aneinander. Um die Baaler zu entlasten, fordert man in Hückelhoven schon länger eine B57n, die vom Gewerbegebiet zur B57 und damit zur Autobahn führen könnte. Dass man diese Straße in Hückelhoven sehnsüchtig erwartet, zeigt eine Aussage von Bürgermeister Bernd Jansen (CDU): Wenn die B57n nicht kommt, dann baue die Stadt Hückelhoven eben selbst einen Zubringer, um die Fahrzeuge um Baal herumzuführen.

Das wiederum würde den Granterathern auch nicht weiterhelfen. Denn die Trassenführung der Straße vom Gewerbegebiet zur B57 ist zwar noch nicht genau festgelegt, sie könnte aber vor Granterath wieder auf die Bundesstraße stoßen. „Dagegen werden wir uns wehren“, sagte der Granterather Karl Mones.

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