Heinsberg-Oberbruch: Altes Enka-Gelände: Nach fünf Jahren für neue Firmen bereit

Heinsberg-Oberbruch : Altes Enka-Gelände: Nach fünf Jahren für neue Firmen bereit

Es war ein Mammutprojekt, das einige unerwartete Überraschungen barg. Doch jetzt ist es beendet. Für 10,7 Millionen Euro wurde innerhalb von fünf Jahren das ehemalige Enka-Gelände im Bizzpark Oberbruch komplett saniert. Die Chemiefaserproduktion auf dem vier Hektar großen, über 100 Jahre alten Gelände hatte ihren Tribut gefordert.

Bei der Viskoseherstellung war mit sauren Laugen gearbeitet worden, auch Zink befand sich im Erdreich, das mittlerweile längst systematisch abgetragen und nach Düsseldorf, Brüggen und Geilenkirchen transportiert wurde. 80.000 Kubikmeter aus bis zu vier Metern Tiefe. 120.000 Kubikmeter umbauten Raum wurden zudem abgebrochen und fachgerecht entsorgt.

Alle Energieleitungen und Kanäle wurden verlegt. Eine komplett neue Energietrasse entstand ebenso wie eine 500 Meter lange Zufahrtsstraße, ausgehend von der Industriestraße und in einem Kreisverkehr mündend. Und jetzt wartet die Industriepark Oberbruch Projektgesellschaft, deren Gesellschafter zu 51 Prozent die Stadt Heinsberg und zu 49 Prozent die Veolia Industriepark Deutschland GmbH sind, auf Interessenten für eine Neuansiedlung.

Von den 10,7 Millionen Euro, die das Unterfangen letztlich gekostet habe, mussten die Gesellschafter laut Parkmanager Josef Minkenberg etwa 3,4 Millionen Euro durch Erlöse und Eigenmittel einbringen. „Der größte Anteil von etwa 7,3 Millionen Euro wurde durch Fördermittel gedeckt, die je zur Hälfte aus Mitteln des Landes NRW und des Bundes stammten.“ Das Wirtschaftsministerium NRW und die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ zeichneten hier verantwortlich. Die Maßnahme wurde eigentlich sogar mit 11,3 Millionen Euro kalkuliert.

„Der Förderbescheid ist objektgebunden und daher fließt der überschüssige Betrag wieder in den Fördertopf zurück“, erläuterte Bürgermeister Wolfgang Dieder gegenüber unserer Zeitung. Mal eben die überzähligen 600.000 Euro in eine andere städtische Maßnahme einzusetzen, sei somit leider keine Option.

Nach der abgeschlossenen Kernflächensanierung gehe der Blick jetzt nach vorn, sagte Veolia-Geschäftsführer Dr. Stefan Langer. Die Gesellschafter würden ihre Aquisitionsarbeit für das große Filetstück, das im Herzen des Bizzparks liegt und über eine hervorragende industrielle Infrastruktur verfüge, in den kommenden Wochen und Monaten verstärken. „Es ist ein hochwertiger Standort hier, voll erschlossen. Er ist ausgerichtet auf produzierendes Gewerbe. Die Infrastruktur ist da.“

Die Gesellschafter hätten vor allen Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, der Papierindustrie und Firmen, die eine große Menge Wasser und Energie benötigen, im Blick. „Wir haben gute Voraussetzungen, um Wasser in unterschiedlichen Qualitäten zur Verfügung zu stellen“, sagte Langer. Schon früher hatte Minkenberg hierzu erklärt: „Wir bieten Dampf in verschiedenen Druckstufen und eine Kläranlage, die speziell für die Reinigung hochbelasteter organischer Abwässer geeignet ist.“ Umfangreiche Wasserförderrechte seien überdies gegeben.

Langer setzt dabei auf einen Branchenmix, der den ansässigen Betrieben optimale Standortbedingungen und industrielle Synergien liefere. „Wir wollen den Standort weiterentwickeln zu einem absolut modernen Industriestandort.“ Langer denkt dabei an eine Symbiose, die entstehen sollte. So könnte beispielsweise die überschüssige Wärme aus dem einen Unternehmen für ein anderes genutzt werden. „Energie ist ein großer Standortfaktor.“

Bei der Vermarktung der Kernfläche setzen die Stadt Heinsberg und Veolia auch auf eine enge Kooperation mit der Wirtschaftsförderung des Kreises Heinsberg, aber auch überregionale Stellen wie die Wirtschaftsförderung des Landes, NRW.Invest, die Agit oder die IHK würden eine wichtige Rolle spielen. Zusätzlich würden die vielfältigen Industriekontakte von Veolia genutzt. Das Unternehmen beschäftigt immerhin 163.000 Mitarbeiter auf allen fünf Kontinenten. Allein in Deutschland sind es 12.000 an 300 Standorten.

Schon schneller Erfolg?

Vielleicht führen die Bemühungen ja schon schneller zum Erfolg als gedacht. „Wir hatten schon sehr intensiven Kontakt in die Molkereibranche. Wir rechnen uns da immer noch eine Chance aus“, sagte Minkenberg. Mehr verriet er nicht. Noch in diesem Jahr soll allerdings die Entscheidung des Unternehmens fallen, bestätigte Langer.

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