Alessandro Rütten bei „The Voice of Germany“

Heinsberger Kandidat : Alessandro Rütten kommt bei „The Voice of Germany“ weiter

Mit den Castingshows ist es immer so eine Sache. Dem einen öffnen sie Türen, dem anderen bringen sie nichts, außer vielleicht den Spott der Zuschauer. Für Alessandro Rütten sind Castingshows ein Türöffner.

Ein Sprungbrett, eine Möglichkeit, „zu zeigen, was man kann“, sagt er. Der Heinsberger ist einer der Kandidaten der aktuellen „The Voice of Germany“-Staffel auf Pro7.

Seit Beginn des Jahrtausends folgt eine Castingshow auf die nächste im deutschen Fernsehen – Popstars, Deutschland sucht den Superstar und eben The Voice of Germany. Das Konzept ist immer ähnlich: Es werden ein oder mehrere Sieger gesucht, Geld, Plattenverträge und ein bisschen Ruhm sind meist der Hauptpreis.

Ungefähr genauso lange, wie das Castingformat in Deutschland geguckt wird, macht Alessandro Rütten schon Musik. Mit vier Jahren bekam er sein erstes Schlagzeug geschenkt, seither spielt er. Gesungen hat er „schon immer“, das sei seine größte Leidenschaft, ein paar Jahre später kam dann die Gitarre dazu. „Mein ganzes Leben hat sich immer nur um die Musik gedreht“, sagt er. Jeden Tag habe er geübt und gespielt – und Songtexte analysiert, besonders gern vom Rapper Eminem. „Solche Stapel von Analysen hab ich noch zu Hause rumliegen“, sagt er und lacht. Mit seinen Händen zeigt er einen knappen halben Meter Höhe an.

Nebenjobs fürs eigene Tonstudio

Irgendwann fing er an, eigene Songtexte zu schreiben, da war er ungefähr 15. „Ich war eigentlich nur noch drinnen und hab geschrieben“, sagt er. Rütten beginnt mit Nebenjobs, um sich ein eigenes Tonstudio im Keller einrichten zu können. Wochenlang habe er dort mit seinen Freunden an Songs gebastelt, um sie dann wieder zu verwerfen. „Ich bin nie zufrieden mit mir selbst“, sagt Rütten. Trotzdem habe ihm dieses Entwerfen, Feilen und wieder Verwerfen eine Menge Erfahrung eingebracht.

Später ist er mit seiner  Band unterwegs, in der Schule, auf den Straßen der Region und sogar auf einem Band-Contest in Köln. Mit der covert er vor allem die Songs der Nu-Metal-Band Linkin Park. Mittlerweile tritt er live mit seinem besten Freund auf, die Musik ist R’n’B-lastiger. Chris Brown, James Arthur und R. Kelly nennt er unter anderem, wenn man ihn nach Lieblingskünstlern fragt.

Wenn man mit Alessandro Rütten spricht, bekommt man den Eindruck, als stecke er den Stress rund um die Fernsehproduktion gut weg. Und als würde er die Talentshows nicht verklären. 2015 war er schon bei der Show „Supertalent“ dabei, verbucht das aber nur unter „nützliche Erfahrungen“. „Das Format hat nicht gepasst“, sagt er. The Voice of Germany hält er dagegen für „die beste Plattform in Deutschland, um zu zeigen, was man drauf hat. Danach muss man aber selbst hart arbeiten, sonst ist es auch schnell wieder vorbei“, sagt er. Und: „Ich will meinen eigenen Weg gehen.“

Eine „große Erfahrung“ sei es für ihn, auf der Castingbühne der Sendung zu stehen, die laut eigenem Konzept die Stimme in den Vordergrund stellt, nicht das Aussehen, nicht die Geschichte, nicht traurige oder tragische Schicksale.

Für seinen ersten Auftritt dort hatte der Heinsberger eine Menge geplant. Doch dann stand er da – das Publikum, die Sessel der Juroren, die Scheinwerfer. „Ich habe nicht mehr darüber nachgedacht, was ich mache“, sagt er. Und noch mehr:  „Ich erinnere mich nicht mehr richtig, was ich gemacht habe, nur daran, wie ich auf die Bühne gekommen bin und wieder heruntergegangen bin.“ Was auch immer er also gemacht haben mag: Alessandro Rütten ist in der nächsten Runde der Show, in der er gegen einen anderen Kandidaten im direkten Duell ansingen muss.

Der 22-Jährige kann sich vieles vorstellen, er hat sogar ein paar konkrete Wünsche: Musik machen, davon leben können, dabei bodenständig bleiben. „Das ist mein großer Traum, dafür werde ich hart arbeiten“, sagt er. Was er sich nicht vorstellen kann, ist, die Musik aufzugeben. „Das könnte ich einfach nicht, egal, wie enttäuscht ich wäre, sollte ich die Musik nicht zum Beruf machen können“, sagt er. „Es gibt für mich keinen schöneren Ort als das Studio und die Bühne.“

Plan B für den Notfall

Außerdem hat er noch einen Plan. Einen Plan B sollte man nämlich immer haben, sagt er, auch wenn im Moment nur die Musik für ihn zählt. Nach dem Abitur war Rütten beim Bund, als Offiziersanwärter und mit der Ambition, Kampfjetpilot zu werden. Das hatte damals nicht geklappt und er brach ab, um Musik zu machen. Trotzdem könne er sich vorstellen, es damit noch einmal zu versuchen, „wenn alle Stricke reißen. Das will ich aber mal nicht hoffen“, sagt er und lacht.

Erst einmal studiert er seinen Bachelor fertig, und zwar Business Administration. Ein Studiengang übrigens, der für ihn perfekt zur Musik passt. „Musik ist nichts anderes als ein Business“, sagt er. Dafür möchte er bald weg aus Heinsberg und in eine größere Stadt ziehen, vielleicht nach Aachen, oder besser noch nach Köln.

Im Moment wird die aktuelle Staffel der Castingshow noch donnerstags und sonntags ausgestrahlt. Zu seinen Plänen unmittelbar nach The Voice of Germany kann Alessandro Rütten also noch nichts Genaues sagen. Nur so viel: „Im Moment ist etwas im Gange, wir arbeiten an eigener Musik.“

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