1. Lokales
  2. Heinsberg

Polizeieinsatz in Lützerath: Aktivisten besetzen Bagger

Polizeieinsatz in Lützerath : Aktivisten besetzen Bagger

Aktivisten behindern Arbeiten von RWE und besetzen einen Bagger. Die Polizei kann die Aktion friedlich beenden.

Mehrere Aktivisten haben am frühen Mittwochmorgen zwei Bagger in Lützerath besetzt – allerdings nicht die großen Schaufelradbagger, sondern Baustellenbagger. Mitarbeiter von RWE hatten begonnen, einen Wall vor Lützerath zu bauen. Einen solchen Wall gibt es laut RWE-Pressesprecher Guido Steffen an allen Tagebauen. Er markiert die Grenze des Betriebsgeländes. Da sich der Tagebau bewegt, muss auch diese Grenze alle paar Monate nachgezogen werden.

Am Mittwochmorgen sollte der Wall vor Lützerath entstehen. Braunkohle-Aktivisten wollten das verhindern. Zwei Personen kletterten auf einen Raupenbagger, um den anderen versammelte sich eine Gruppe. 30 bis 35 Aktivisten waren an der Aktion beteiligt. Die Polizei rückte mit mehreren Dutzend Einsatzkräften unter anderem von einer Einsatzhundertschaft an, darunter auch Kommunikationsbeamte. Die beiden Besetzer ließen sich von speziellen Beamten für Höhenrettung ohne Gegenwehr vom Baggerarm wieder auf den Boden hinunterbringen. Die Polizei ließ sie gehen, sie müssen aber mit Strafanzeigen wegen des Verdachts der Nötigung rechnen. Nachdem die Bagger weggebracht wurden, entfernten sich auch Aktivisten und Polizei vom Ort des Geschehens. Laut Polizei verlief der Einsatz ruhig und friedlich.

Indigo Drau, Pressesprecherin der Initiative „Lützerath lebt“, die sich mit um den zweiten Bagger versammelt hatte, wirft der Polizei hingegen ein unnötig brutales Vorgehen vor – auch gegen Aktivistinnen fortgeschrittenen Alters. So habe es Schläge und Tritte mit Knien gegeben, die nicht verhältnismäßig gewesen seien. Der Polizei sind bislang keine Verstöße bekannt. Den Kommunikationsbeamten vor Ort seien diese Beschwerden bislang auch nicht zugetragen worden, heißt es von der Polizeipressestelle. Auch Videos des Einsatzes, die im Internet kursieren, würden darauf keine Hinweise geben.

 Den geplanten Wall konnten RWE-Mitarbeiter wegen der Aktivisten nicht fertigstellen.
Den geplanten Wall konnten RWE-Mitarbeiter wegen der Aktivisten nicht fertigstellen. Foto: MHA/Benjamin Wirtz

RWE hat die Arbeiten für den Tag eingestellt. Die Aktivisten sind daher mit ihrer Aktion zufrieden. „Das haben wir erfolgreich verhindert“, sagt Indigo Drau. „Die Kohle muss im Boden bleiben, damit wir die Klimakrise eindämmen können. Nur so kann das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden“, begründet sie die Aktion.

„Die Arbeiten sind für heute eingestellt. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt hingegen RWE-Pressesprecher Steffen. Sie sollen bald fortgeführt werden.

(bwi)