Erkelenz-Borschemich: Aktionstag des Klimacamps: Aktivisten legen Braunkohleabbau lahm

Erkelenz-Borschemich : Aktionstag des Klimacamps: Aktivisten legen Braunkohleabbau lahm

Beim Aktionstag des Klimacamps zeigten die Klimagegner am Freitag Mut zum zivilen Ungehorsam und besetzten den Braunkohlebagger hinter Borschemich in Richtung Hochneukirch. „RWE geht vorweg — in den Abgrund und ist weg!“

Mit dieser Abwandlung des Konzernslogans und mit reichlich Sambarhythmus unterstützten die Klimaaktivisten des Klimacamps und die der Gruppe „Kohleausstieg ist Handarbeit — Klimabewegung in Aktion“ die Baggerblockierer, die ins Loch gestiegen waren, um den riesigen Braunkohlebagger zumindest für ein paar Stunden aufzuhalten.

Gegen 17 Uhr setzte die Räumung langsam ein. Die Tagebaugegner sehen sich dennoch als Sieger.

Umringt waren die Aktivisten am Bagger von Werkschutz und Polizei. Deren Taktik bestand zuerst einmal in Abwarten. Auch in Hambach störten Aktivisten zeitgleich den dortigen Tagebau massiv und legten ein Förderband zeitweise lahm.

Die offizielle Demonstration blockierte kurz die Hauptzufahrt zum Gelände bei Jackerath.

Ab elf Uhr waren rund 80 Braunkohlegegner auf das Abbaugelände hinter Borschemich (alt) eingedrungen und getrennt zur Tat geschritten. Einige drangen tief in das Gelände vor und blockierten dort die Abraumarbeiten, eine weitere Gruppe blockierte den Bagger gleich am Rand des Geländes neben der A 61. Zeitgleich blockierte die offizielle Demonstration kurz die Hauptzufahrt zum Gelände bei Jackerath. Dabei hatte man sich mit der Polizei darauf geeinigt, dass der Demonstrationszug am Parkplatz vor der Zufahrt „wendet“. Für dieses Wenden hatte man rund eine halbe Stunde veranschlagt, was den Braunkohlegegnern reichte, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und auch einen kleinen Stau zu verursachen.

Darauf angesprochen, was wohl gerade am Bagger passieren könnte, hatte Camp-Mitorganisator Stefan Förster von der BUND-Jugend NRW auch nur Vermutungen parat. „Wir wissen nicht, was da geplant ist“, erklärte er.

Zeitgleich behielten die Polizei und die Besetzer am Bagger weiterhin die Nerven und taten, was man zu solchen Anlässen gemeinhin tut: Präsenz zeigen und ansonsten abwarten. Oben an der Kante gesellten sich zwischenzeitlich eine Sambatruppe und eine Gruppe Clowns zu den Unterstützern und kommentierten das rare Geschehen unten im Loch mit Samba und Parolen. Milan Schwarze von der Gruppe „AusgeCO2hlt“ betonte, dass der Aktionstag so vielseitig aufgestellt sei, dass jeder Aktivist sich einbringen könne. Ziviler Ungehorsam sei nicht jedermanns Sache. „Wer da unten mitmacht, ist sich der Konsequenzen bewusst“, erklärte Schwarze. Mit Festnahmen rechnete er jedoch nicht, denn „normalerweise werden die Leute wieder laufen gelassen, wenn die Personalien aufgenommen sind“. Ziviler Ungehorsam müsse „Teil der demokratischen Kultur“ werden, denn oftmals müssten es spektakuläre Aktionen sein, um das öffentliche Interesse zu wecken. Und das sei am Thema Klimawandel und CO2-Ausstoß wieder recht gering. Dadurch, dass man „ins Loch“ gehe, zerre man die Umweltzerstörung noch einmal an die Öffentlichkeit.

Gegen 14 Uhr befanden sich die Gruppen vor und auf dem Bagger immer noch in der Phase des Abwartens. Am Grubenrand wurde Mittagessen aus dem Klimacamp ausgegeben. Währenddessen betätigten sich die eingeschlossenen Blockierer im Loch als Sambatänzer, um sich die Zeit zu vertreiben. Gegen 17 Uhr setzte die Räumung langsam ein. Die Tagebaugegner sehen sich als Sieger. „Die Aktion war ein Erfolg“, hieß es aus dem Presseteam des Klimacamps. „Der Bagger konnte einen Tag lang aufgehalten werden.“

(hewi)