Aktionskreis arbeitet an der Renaturierung der Rur

Naturschutz : Wanderfische sollen sich in der Rur wohlfühlen

Der Erhalt der Auenlandschaft, aktiver Hochwasserschutz, die Renaturierung der Rur – der Aktionskreis Untere Ruraue Auenherz hat sich einiges vorgenommen, um das untere Gebiet der Rur von der niederländischen Grenze bis Hückelhoven wieder aufleben zu lassen.

Als erstes Projekt stand die naturschutzgemäße Aufwertung einer Landparzelle im Auenbereich von Ophoven auf dem Programm. Den Helfern war der Arbeitseifer anzusehen.

Der Arbeitskreis entstand vor drei Jahren. Damals initiierte er eine große Unterschriftenaktion, um die heimatlichen Rurauen von Orsbeck bis zu den Niederlanden unter Naturschutz zu stellen. Über 400 Unterschriften trugen dazu bei, großen Einfluss auf die einmalige Landschaftsplanung zu nehmen und den Kreistag zu überzeugen, welcher am 17. Dezember 2015 den Naturschutz des Gebietes beschloss.

Dies nutzten die Mitglieder als Anschub, sich weiterhin für die naturnahe Entwicklung der Auen einzusetzen. So entstand ein starkes Arbeitskollektiv aus Bürgern, Vereinen, Schulen, Kindergärten, Senioren- und Tourismuseinrichtungen, Gastronomie und weiteren Interessierten der Ortschaften Ophoven, Steinkirchen, Effeld und Umgebung. Der örtlich zuständige Maßnahmenträger ist dabei der Wasserverband Eifel-Rur.

Zunächst beschäftigte sich die Fachgruppe mit Hochwasserschutz und erfuhr von einer abgeschlossenen Planung zum Schutz vor möglichen Überschwemmungen für den Bereich der unteren Rur. Da dieser technische Hochwasserschutz jedoch nur in Kombination mit natürlicher Überschwemmungsobhut realisierbar ist, mussten Maßnahmen zur Landschaftsumgestaltung her, um die Elementarversicherung der Anwohner in die Tat umzusetzen.

Geschafft: Mitglieder des Arbeitskreises Untere Ruraue Auenherz haben Tannen und Fichten gefällt und sind ihrem Ziel der Renaturierung der unteren Rur wieder einen Schritt näher gekommen. Foto: Nick Kaspers

Durch die Festlegung der Landschaftsschutzgebiete des Wassenberger Riedellands und deren Beschilderung, die Erstellung von Flyern und Aufklebern und die Planung der zukünftigen Flächengestaltung mit Wildblumen, Insektenhotels, Nistkästen und einheimischen Brutplätzen erzielte der Arbeitskreis im September dieses Jahres den nächsten Volltreffer: die Nominierung für den Wettbewerb „Umweltpreis“. „Insgesamt haben wir festgestellt, dass unser Vorhaben positiv aufgenommen wurde und man hat uns sehr ermutigt, auf diesem Wege fortzufahren“, meinte damals Vorstandsmitglied Christoph Hermanns.

Dieses Vorhaben wurde nun angegangen. Karl-Heinz Derichs, ebenfalls einer der Hauptinitiatoren des Arbeitskreises, stellte sein Grundstück in den Rurauen zur Verfügung, um ein Gelände zum Schutz von Flora und Fauna herzurichten. Vor etwa 30 Jahren wurde dort ein Tannen- und Fichtenwald für Jäger angelegt, der jedoch mit einem typischen Auenwald nicht viel gemein hat. Dieser soll nun und in Zukunft zu seiner ursprünglichen Form zurückgeführt werden. Dazu wurden in der Aktion viele Tannen und Fichten von etwa 25 engagierten Helfern entfernt.

Im Frühjahr des nächsten Jahres steht die Fortführung des Projektes „Summ, summ, summ? Zum Schutz von Bienen und Insekten – damit das Leben weitergeht“ an. Dazu sollen in dieser Landschaftsparzelle Wildblumenwiesen gesät und Insektenhotels gebaut werden. Außerdem steht die Freilegung eines Alt­armes der Rur mit auf der Agenda. Dies soll in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Wassenberg gelingen, der den Aktionskreis zukünftig übernimmt.

„Der Schutz und Erhalt unserer schönen Heimat und die damit verbundene Wiederherstellung einer intakten Rurauenlandschaft liegen uns besonders am Herzen“, erklärte Christoph Hermanns während der Fichten- und Tannenrodung. „Das neue Naturschutzgebiet ‚untere Ruraue‘ bietet uns hierzu eine tolle Projektfläche“, ergänzte er.

Zu diesen Projekten gehöre in Zukunft auch, die Rur zu einem „dynamischen System“ zu gestalten. Dazu müsse man das Wehr zwischen Karken und Ophoven zurück bauen und eventuell den Flussverlauf ändern. Hermanns blickt jedoch dem Ziel, die Rur für Wanderfische durchgängiger zu machen, sehr optimistisch entgegen.