Erkelenz: Affentheater: Schrullige Figuren und furiose Geschichten

Erkelenz: Affentheater: Schrullige Figuren und furiose Geschichten

Der Tag ging, und Herbert Knebel kam. Wer beim Auftritt des bekannten Ruhrgebietsrentners und seines Affentheaters in Erkelenz dabei war, für den endete der Tag wohl rundum gelungen. Mit dem Programm „Der Letzte macht dat Licht aus“ wurde mehr als zwei Stunden beste Unterhaltung in der Stadthalle geboten.

Das eingespielte Ensemble um Herbert Knebel (bürgerlicher Name Uwe Lyko), Ernst Pichl (Martin Breuer — Bass), Trainer (Detlev Hinze — Schlagzeug) und Ozzy Ostermann (Georg Göbel-Jakobi — Gitarre) beherrscht nicht nur als Realsatiriker die Bühne, es besteht auch aus exzellenten Musikern und ist seit mehr als 20 Jahren in dieser Besetzung unterwegs.

Das aktuelle Programm ist eine Mischung aus gespielten Sketchen, Dialogen und den typischen Monologen und erzählten Anekdoten Herbert Knebels. So chaotisch und spontan ein einzelner Beitrag wirken mag, es ist diese Abwechslung von Gesprochenem, Gespielten und Musikbeiträgen, die keine Minute Langeweile beim Publikum aufkommen lässt. Und immer steht das Lebensgefühl des Ruhrpotts im Mittelpunkt des Geschehens.

Furios beginnt das Programm, und mit rockigen Improvisationen durch die schrulligen Figuren von Ozzy, Trainer und Ernst wird der Auftritt von Herbert Knebel vorbereitet. Und allein die Figur dieses schlagfertigen und trinkfesten Rentners, bekannt aus vielen TV-Auftritten, lässt den ersten Beifall aufkommen. Klar ist auch, dass ein aktueller Bezug zum Auftrittsort mit eingeflochten wird.

So kalauert Herbert Knebel: „Auf‘m Weg nach Erkelenz bin ich bei der Autobahnkapelle Linnich eingekehrt, um mich zu erleichtern“ — und um dann nach einer kurzen Pause anzufügen — „seelisch natürlich“. Und mit dieser eleganten Technik gibt Knebel noch des Öfteren an diesem Abend seinen Kommentaren eine unerwartete Wendung — und hat jedes Mal das lachende Publikum auf seiner Seite.

Und wenn die Band „Der Familie Popolski“ für sich in Anspruch nimmt, alle großen Hits der Musikwelt seien ursprünglich dort komponiert worden, dann muss Herbert Knebel und seinem Affentheater zugestanden werden, dass die ursprünglichen Song-Texte aller großen Hits von Grönemeyer oder Müller-Westernhagen die sind, die Herbert Knebel vorträgt. Quer durch die Musikgenres von Blues, Rock, Folk und Schlager wird das Lebensgefühl der einfachen Menschen interpretiert. „Du kannst nicht immer siebzig sein“ oder „Mit siebzig hat man noch Träume“ wird nach den bekannten Schlagern das Thema des Älterwerdens musikalisch aufs Korn genommen. Humorvoll und dennoch hintergründig. Eine eigenständige Form, das Publikum zum Nachdenken anzuregen.

Den Spiegel vorgehalten

Sich selbst in ihren Alltagsgeschichten auf den Arm zu nehmen, gehört bei den vier rüstigen Frührentnern wie selbstverständlich dazu. Die oftmals derbe Sprache ist einerseits Widerspiegelung des Lebensgefühls, sich von den kleinen und großen Schicksalen des Alltags nicht unterkriegen zu lassen, andererseits auch der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, um sich mit ihren kleinen und großen Schwächen auseinander zu setzen.

Mit der Anekdote bei Starbucks, sich einen Kaffee zu bestellen und am „Denglischen“, dem Sprachgemisch aus englischen Vokabeln und deutschen Wörtern dann zu scheitern, weil der Dialog verkürzt so geht: „Tach, Kaffee“ von Herbert Knebel wird mit den stereotypen Abfragen: „small, large, extra large“ der Bedienung wiederum von Knebel beantwortet: „Wat schmeckt am besten?“ Das endet dann so, dass Knebel bei Tchibo landet und dort Schneeketten kauft...

Ein Höhepunkt jagte den anderen. Wer aber die Schlussfolgerung zog, es könne keine Steigerung mehr kommen, lag voll daneben: Die erste Zugabe war der absolute Höhepunkt — Herbert Knebel als Elvis „The King“ in weißem Hosenanzug und blauer Rentnerkappe, eine Burleske besonderer Güte. Wie kann besser die Begeisterung eines Publikums zum Ausdruck gebracht werden, als dass dieses für den Schlussapplaus aufstand und sich somit virtuell vor der Leistung der Künstler auf der Stadthallenbühne verneigte...