2,4 Millionen Euro für Festhallenumbau in Oberbruch

Fördergeld fließt nach Oberbruch : 2,4 Millionen Euro für Festhallenumbau

„Stolz!“ Mit nur einem Wort kann Josef Füßer umschreiben, was er empfindet beim Blick auf den Bewilligungsbescheid der Kölner Bezirksregierung über rund 2,4 Millionen Euro.

Damit werden zu 80 Prozent die Sanierung und der Umbau der Festhalle in Oberbruch zu einem „multifunktionalen Quartierszentrum“ gefördert, und das nur in einem ersten von insgesamt drei geplanten Bauabschnitten mit einem Investitionsvolumen von rund 7 Millionen Euro.

Füßer ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Oberbruch 2020, die sich vor gut vier Jahren in Oberbruch gegründet hat mit dem Ziel, die dort vorhandene städtische Festhalle zu erhalten, um die es damals schlecht bestellt war.

Nach der Blütezeit, die sie zu Zeiten der Glanzstoffwerke seit ihrer Fertigstellung im Jahr 1957 erlebt hatte, war es stetig bergab gegangen mit ihr. „Die Bewirtschaftungskosten standen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zur Nutzung“, erinnern sich Bürgermeister Wolfgang Dieder und Erster Beigeordneter Jakob Gerards in einem gemeinsamen Pressegespräch mit Füßer.

Das ist heute ganz anders, dank des ehrenamtlichen Engagements der IG-Mitglieder. In Tausenden von Arbeitsstunden haben sie die Halle und die Nebenräume inzwischen renoviert und vermieten sie per Internet im Rahmen eines selbst entwickelten Konzepts, das sehr gut ankommt. Aus dem zunächst nur für ein Jahr abgeschlossenen Mietvertrag mit der Stadt wurde schon im April 2016 ein Vertrag mit zehnjähriger Laufzeit und Option auf Verlängerung um dann jeweils fünf Jahre.

Über 200.000 Euro, vor allem Spenden, habe die IG inzwischen schon selbst in die Halle investiert, erklärt Füßer. „Unser Ziel ist es, dass sich unsere Kunden in den Räumlichkeiten wohlfühlen und einen Standard genießen können, der allen Ansprüchen genügt.“ Die Beschaffungen reichten von neuer Tischwäsche, Beleuchtung und Bestuhlung über neue Spülmaschinen bis hin zu Theken und Audiosystem. „Handwerkliche Reparaturen und Installationen wurden allesamt in Eigenleistung erbracht“, fügt er hinzu.

2017 habe es insgesamt 280 Raumbelegungen gegeben, in diesem Jahr seien es bereits 310. Neben der Halle, die derzeit für 540 Personen ausgelegt ist, stehen in dem Komplex fünf weitere Räume für Gesellschaften mit 20 bis 80 Personen zur Verfügung. Das Geheimnis des Erfolges sieht Füßer darin begründet, dass alle Gäste einfach nur den Raum buchen können und keinerlei Abnahmezwang in Bezug auf Speisen oder Getränke haben. Inzwischen kämen Mieter auch von weit über die Region hinaus. So sei zum Beispiel die Kreisverwaltung Mettmann bei ihrem Betriebsausflug schon in der Festhalle zu Gast gewesen.

Freuen sich besonders über die Fördersumme: Bürgermeister Wolfgang Dieder, IG-Vorsitzender Josef Füßer und Erster Beigeordneter Jakob Gerards (von links). Foto: Anna Petra Thomas

„2104 war das Ding tot!“, betont Füßer. „Das war ein Abenteuer. Aber wir sind der Stadt als Eigentümer sehr dankbar, dass sie uns die Chance gegeben hat, die Halle zu übernehmen.“ Heute sei er stolz darauf, was Menschen in einer Gemeinschaft bewegen könnten. „Wir haben manchmal bis zu den Knien im Dreck gestanden“, erinnert er sich an besonders anspruchsvolle Arbeiten. „Was da in vier Jahren passiert ist, ist einfach nur bewundernswert! Die Stadt Heinsberg kann sich glücklich schätzen, Bürger zu haben, die sich selbstlos und zielgerichtet eingesetzt haben, um ein Stück Heimat zu erhalten.“ Da pflichtet ihm Dieder mit Blick auf die millionenschwere Förderung bei: „Das ist eine Würdigung dieser gewaltigen, ehrenamtlichen Leistung in Oberbruch“, betont er. In nur einem Jahr habe die IG bewiesen, dass diese Halle jetzt auf Jahrzehnte gesehen wieder eine Zukunft habe.

Im ersten Bauabschnitt, der von April bis Oktober nächsten Jahres durchgeführt wird, soll zunächst die Decke der Halle inklusive ihrer Aufhängung saniert werden. Die Konstruktion an sich in Form eines Tonnengewölbes soll dabei erhalten bleiben, da sie von den musizierenden Vereinen aufgrund ihrer Akustik sehr geschätzt wird. Weitere Arbeiten sind in der dann komplett von innen eingerüsteten Halle an Beleuchtung und Klimaanlage vorgesehen.

Im Untergeschoss soll hinter der jetzt vorhandenen Garderobe eine neue, größere und barrierefreie Toilettenanlage entstehen. In dem dadurch freiwerdenden Bereich sollen später Sozialräume und ein Raum für Erste Hilfe entstehen. In den beiden weiteren Bauabschnitten werde die Halle dann eine neue technische Ausstattung inklusive einer neuen Bühnentechnik erhalten, darüber hinaus neue Künstlergarderoben sowie einen Personen- und einen Lastenaufzug, berichtet Gerards.

Und natürlich werden es sich die Mitglieder der IG nicht nehmen lassen, sich auch in diese Arbeiten ehrenamtlich einzubringen. Der Verein hat inzwischen einen Bauausschuss gebildet, dem Ilias Nikolareas, Hans-Josef Meiers und Frank Ecker angehören. Sie wollen eng mit Johannes Rongen vom Amt für Gebäudewirtschaft zusammenarbeiten, der Sanierung und Umbau von Seiten der Stadt betreut.

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