Wassenberg: 100 Jahre Lehrerleben an der Betty-Reis-Gesamtschule

Wassenberg : 100 Jahre Lehrerleben an der Betty-Reis-Gesamtschule

Auf 100 Jahre Lehrerleben an der Betty-Reis-Gesamtschule können sie zurückblicken — oder jeder von ihnen auf ein Vierteljahrhundert, ein bemerkenswertes Jubiläum.

Die vier Pädagogen, das sind die Schulleiterin Dr. Karin Hilgers, die Lehrerin für Englisch und Mathematik Barbara Lodder, der Klassenlehrer und Koordinator für Öffentlichkeitsarbeit Thomas Kranz und der Fachleiter und Lehrer für Latein und Katholische Religion Lothar Ricken, blicken auf ein ereignisreiches Berufsleben zurück. Sie lassen noch einmal Highlights und Veränderungen in diesen Jahren Revue passieren.

Schultüte zum Einstieg

Gemeinsam ist ihnen, dass sie 1993 an die Betty-Reis-Gesamtschule versetzt wurden, drei Jahre nach Gründung der Schule. Schulleiterin Dr. Karin Hilgers hat daran erfreuliche Erinnerungen: „Wir wurden vom Kollegium mit einer Schultüte auf dem Schulhof empfangen.“ Zuvor hatte die aus Aphoven stammende Pädagogin ihr Referendariat an einer Gesamtschule in Oberhausen gemacht, bevor sie danach sechs Jahre in der gleichen Schulform in Frankfurt tätig war.

„Ich wollte in der alten Heimat und an der Gesamtschule in Wassenberg unterrichten“, betonte sie ihre Entscheidung für ihre Schule. Mit elf Unterrichtsstunden pro Woche unterrichtet sie auch heute noch gerne — auch als Schulleiterin mit den damit verbundenen vielfältigen Aufgaben.

Für Thomas Kranz, der seine berufliche Laufbahn am Heilig-Geist-Gymnasium in Würselen-Broichweiden begann und dann zur Gesamtschule nach Wassenberg wechselte, war das System des Klassenlehrerteams, zwei Lehrer in einer Klasse, ein wesentliches Entscheidungs-Moment für diese Schulform. Aus Überzeugung führt er nun zum fünften Mal eine Klasse vom fünften bis zum zehnten Schuljahr.

Das ist schon eher Berufung als Beruf und dafür, Klassenlehrer bleiben zu können, war denn auch eine Funktionsstelle in der Schulleitung ein Verzicht wert. Eine ähnliche Berufswegentscheidung traf auch Lothar Ricken, der ebenfalls von einer Privatschule, dem Pius-Gymnasium in Aachen, an die Gesamtschule wechselte. Seine Mitarbeit am Aufbau der Oberstufe war Gegenstand der Erfüllung in seinem Beruf als Gesamtschullehrer.

Aus Überzeugung für das Gesamtschulsystem ist auch Barbara Lodder nicht nur vom Gymnasium an die Gesamtschule gewechselt, sondern hat auch ihren Ehemann für die Betty-Reis-Gesamtschule gewinnen können, der später zum Kollegium dazukam.

Über Veränderungen im Laufe der 25 Jahre reden sie auch. Nicht immer waren diese beliebt und manche hinterfragen sie nach ihrem Sinn. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie vermissen, vor den tiefgreifenden Auswirkungen als betroffene Fachleute an der Basis gefragt worden zu sein. „Die Inklusionsaufgabe war und ist die größte Veränderung“, betont die Schulleiterin. Insbesondere die in Teilen fehlende personelle Ausstattung — es fehlen Sonderpädagogen — sei eine starke Belastung.

Positiv: Zentrales Abitur

Als besonders positive Veränderung stellt Lothar Ricken das zentrale Abitur heraus. Das habe die Diskussion um die Qualität des Abiturs endgültig zum Abschluss gebracht, betont er im Rückblick.

Highlights sind besonders bleibende Erinnerungen. Für Karin Hilgers waren die Zertifizierung als Europaschule und das Konzept „Schule ohne Rassismus“ erwähnenswerte. Für Barbara Lodder wie auch für Thomas Kranz sind die Kennenlernphasen mit den neuen Schülerinnen und Schüler in der fünften Klasse immer wieder Highlights.

Thomas Kranz erzähle immer auf der Kennenlernfahrt am Abend die gleiche Geschichte und freue sich jedes Mal auf die Reaktionen seiner neuen Schützlinge. Für Lothar Ricken war die Verabschiedung des ersten Abiturjahrganges 1999 ein besonderes Highlight. Für alle Jubilare ist die Betty-Reis-Gesamtschule zur beruflichen Heimat geworden, mit der sie sich verwurzelt fühlen.