„Gorch Fock”-Kadettin Böken: Zehntausende unterschreiben Online-Petition

„Gorch Fock”-Kadettin Böken : Zehntausende unterschreiben Online-Petition

Uwe Böken, Vater der vom Segelschulschiff Gorch Fock über Bord gegangenen Kadettin Jenny Böken, hat eine Online-Petition gestartet, um zu erreichen, dass die Ermittlungen zum Tode seiner Tochter neu aufgenommen werden.

„Die Staatsanwaltschaft Kiel hat nach ihren ‚Ermittlungen‘‚ einen Unfall als wahrscheinlichste Ursache angenommen. Es gibt aber mehr und mehr Zweifel an allem, was seinerzeit ‚ermittelt‘ worden ist“, schreibt Uwe Böken. Bis Freitag Abend hatten schon über 55.000 Personen unterschrieben. Damit wurde schonmal das erste Ziel von 50.000 Unterschriften überwunden.

Die Geilenkirchener Sanitätsoffiziersanwärterin Jenny Böken war in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 als Wachdienst der Gorch Fock eingeteilt, als sie von Bord des Schiffs der Deutschen Marine ging. Ihre Leiche wurde neun Tage später 65 Seemeilen nordwestlich von Helgoland gefunden. Jenny Böken wurde 18 Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft ging anschließend von einem Unfall aus und stellte ihre Ermittlungen ein — ungeachtet der Tatsache, dass in Bökens Lunge bei der Obduktion kein Wasser gefunden wurde, was gegen ein Ertrinken als Todesursache spricht.

Aus diesem und vielen weiteren Gründen glauben Bökens Eltern nicht an ein Unglück. „Bis heute fragen wir uns, was in der besagten Nacht eigentlich passiert ist“, schreibt Uwe Böken in seiner Petition, die sich an Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) und an Dr. Sabine Sütterlin-Waack (CDU), Justizministerin von Schleswig-Holstein, richtet. „Der Fall kann unseres Erachtens nur durch die Neuaufnahme von wirklichen Ermittlungen durch eine Staatsanwaltschaft erfolgen, die nicht in Kiel oder besser noch nicht in Schleswig-Holstein angesiedelt ist.“

Erst zu Beginn dieser Woche hatten Uwe Böken und sein Rechtsanwalt Rainer Dietz eine neue Entwicklung in dem Fall öffentlich gemacht. Demnach liegt ihnen die eidesstattliche Erklärung eines Zeugen vor, dem zufolge Jenny Böken vergewaltigt und erdrosselt und über Bord geworfen worden sein soll. Wer der Zeuge ist, ist nicht bekannt. Seine Aussage wurde exakt zehn Jahre nach dem vermeintlichen Unglück öffentlich gemacht, was bedeutet, dass die meisten denkbaren Straftaten nunmehr verjährt sind — ausgenommen Mord oder Totschlag.

Die Petition ist online zu finden auf www.change.org/jenny.

(jpm)
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