Verkehr soll kreativ gelöst werden : Wirtschaftswege statt Landesstraße

Verkehr soll kreativ gelöst werden : Wirtschaftswege statt Landesstraße

Unschön, aber unumgänglich: Der dritte Abschnitt der Bauarbeiten in Scherpenseel hat kreative Lösungen für den Verkehr erfordert

Ab Montag, 29. Oktober, steht wieder für einige Wochen eine Ampelanlage am Kreuzungsbereich Heerlener Straße/Vom-Stein-Straße, unweit der Aral-Tankstelle. Dieses Verkehrshindernis kennt man schon aus der Vergangenheit. Doch die Kanalarbeiten auf der Heerlener Straße machen noch mehr möglich: Scherpenseels Ortskern wird zur verkehrsfreien Zone für Lastkraftwagen. Dies hofft jedenfalls Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU). Er kündigt strenge Kontrollen und saftige Geldbußen an, sollten Lkw-Fahrer sich nicht an das Fahrverbot halten.

Droht Verkehrschaos?

Der von den Niederlanden in Richtung Scherpenseel fließende Lkw-Verkehr soll frühzeitig und weiträumig umgeleitet werden. Gleiches gilt aus der Gegenrichtung. Wobei die Durchfahrtsverbotsschilder mit Hinweis auf die Umleitungen von den Brummi-Fahrern teilweise bereits ignoriert wurden.

Der direkte Weg durch Scherpenseel sollte dennoch unmöglich sein, denn nach Baubeginn hinter dem Kreuzungsbereich ist eine Durchfahrt in die Niederlande und aus den Niederlanden für Lastkraftwagen kaum noch möglich. Auch die enger geführten Umleitungen für den Autoverkehr können sie nicht nutzen. Die Frage ist, ob Lkw-Fahrer die Schilder ernst genug nehmen. Denn einmal in die Sackgasse gefahren, könnten sie in Scherpenseel ein Verkehrschaos auslösen, so die Befürchtungen im Ort.

Der aus Richtung Niederlande kommende Pkw-Verkehr soll über die Kreuzgracht zum Höfweg umgeleitet werden und auf Höhe der Kirche auf der Vom-Stein-Straße auskommen. Es handelt sich um eine Einbahnstraßenlösung. Für den Höfweg gilt für die Dauer der Umleitung außerdem ein Halteverbot. Dass mit dem Höfweg ein Wirtschaftsweg genutzt wird, ist keine neue Lösung, sie wurde auch schon bei den bisherigen Bauabschnitten so praktiziert.

Wer von der Aral-Tankstelle aus in Richtung Niederlande muss, wird über einen Wirtschaftsweg geführt: über den Scheleberg und „In der Heide“. So kommen Autofahrer im Bereich des Hühnermarkts wieder auf der Heerlener Straße aus. Diese Lösung ist jedoch nur bis ungefähr Ende dieses Jahres praktikabel. Dann werden die Bauarbeiten auch den Hühnermarkt erreichen und die dortige Zufahrt blockieren. Dann führt die Umleitung über den Scheleberg weiter bis zum Viehweg, der Autofahrer dann erst in Sichtweite zur Grenze wieder auf die Heerlener Straße führt.

Die Wirtschaftswege sind auch genau der Grund, dass Lkw die Umleitungen für den Autoverkehr nicht mitnutzen dürfen. Sie könnten die teilweise engen Passagen nicht passieren, ferner wäre ein Zusammentreffen für den Untergrund wahrscheinlich ebenso unerfreulich wie für den Zustand der Lastwagen. Doch nicht nur der Schwerverkehr könnte für chaotische Zustände in und um Scherpenseel sorgen, denn wie zu beobachten war, halten sich viele Autofahrer nicht an Verbotsschilder, fahren teilweise aus beiden Richtungen in die genannten Wirtschaftswege ein und umgehen die Sperrungen auf der Heerlener Straße.

Der Gesamtzustand ist für die Scherpenseeler natürlich höchst unerfreulich. Dass sich Proteste bislang in Grenzen halten, liegt auch am hehren Zweck der Bauarbeiten. Die Kanäle in Scherpenseel werden verbreitert und sollen die Überschwemmungsgefahr bei Starkregen im Ort deutlich verringern. Die Stadt lässt sich die Baumaßnahmen Millionen kosten.

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