Geilenkirchen: Wird aus Realschule eine Sekundarschule?

Geilenkirchen: Wird aus Realschule eine Sekundarschule?

Die Zahlen sind alarmierend: Hatten sich zum Schuljahr 2007/2008 noch 100 Schüler an der Geilenkirchener Realschule angemeldet, so waren es für das Schuljahr 2012 nur noch 45.

Die Schülerzahl ist im gleichen Zeitraum von 592 auf 464 Schüler gesunken.

Ähnlich ist die Situation an der Hauptschule Gangelt, in der auch Geilenkirchener Schüler unterrichtet werden. Während sich in Spitzenzeiten 60 Geilenkirchener Mädchen und Jungen für die Hauptschule Gangelt entschieden, lagen für das Schuljahr 2011/2012 nur noch 16 Neuanmeldungen vor. Für den Besuch der Hauptschule Selfkant haben sich lediglich zwei Schüler entschieden.

Aufgrund dieser Entwicklung hat die Stadt Geilenkirchen nun die Kooperationsverträge mit den Gemeinden Gangelt und Selfkant gekündigt. Derweil hat die Geilenkirchener SPD-Fraktion die Einrichtung einer Sekundarschule in Geilenkirchen beantragt. Mit dem Antrag beschäftigt sich der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch, 19. Oktober, 18 Uhr.

„Wir sind über die schlimmen Anmeldezahlen gestolpert, die sich über Jahre hinweg kontinuierlich nach unten entwickelt haben”, erklärt stellvertretender Bürgermeister Uwe Eggert (SPD). „Die Realschule und die Hauptschule verlieren an Akzeptanz. Wir haben eine starke Gesamtschule, an der es einen gymnasialen Zweig gibt. Manche Schüler sehen hier eine Chance, doch noch das Abitur zu schaffen”, nennt der SPD-Stadtverordnete neben dem demografischen Wandel weitere Gründe für die sinkenden Anmeldezahlen.

„Von 65 Hauptschulabsolventen haben noch nicht einmal zehn einen Ausbildungsplatz bekommen. Das ist natürlich frustrierend und ein Grund, warum diese Schule an Akzeptanz verliert”, sagt Eggert. Rund 150 Kinder würden derzeit Tag für Tag nach Gangelt gefahren. „Das ist natürlich auch ein Kostenfaktor”, so Eggert weiter. Geilenkirchens Beigeordneter Herbert Brunen beziffert diese Kosten mit 225.000 Euro im Jahr.

„Eine Beschulung in Geilenkirchen wäre natürlich erheblich günstiger, da die Räume vorhanden sind und die Fahrtkosten wegfallen”, erklärt Brunen, der bereits Gespräche mit Realschulleiter Peter Pauli und mit der Bezirksregierung geführt hat.

Nachdem der nordrhein-westfälische Landtag mit den Stimmen von SPD, CDU und Grünen einen Schulkompromiss erzielt hat und die Sekundarschule als zusätzliche Schulform im Gesetz verankert werden soll, sehen Eggert und seine Parteifreunde eine Chance für Geilenkirchen. „Jetzt haben wir die Möglichkeit, die Sekundarschule einzurichten. Zwei Schulformen unter einem Dach der Realschule mit einem ganz neuen Konzept wären jetzt möglich”, sagt er. Aus Sicht der SPD bietet die Sekundarschule erhebliche Vorteile: „Es wird länger zusammen gelernt. Erst nach der sechsten Klasse entscheidet sich, ob der Schüler in den Hauptschul- oder Realschulbereich geht. In beiden Schulformen wird auch auf den Besuch des Gymnasiums vorbereitet”, erläutert Eggert.

Eine Sekundarschule, so der der stellvertretende Bürgermeister, müsse mit einem gymnasialen Zweig kooperieren: „Sinnvoll wäre eine Kooperation mit der Gesamtschule, da sie eine städtische Schule ist. Die Gesamtschule Geilenkirchen hat einen hervorragenden Ruf und ist laut einer Qualitätsbewertung eine der führenden Gesamtschulen im Land”, lobt Eggert, der über die derzeitige Situation nicht sehr glücklich ist: „Ein Hauptschüler aus Teveren verliert etwa zwei Stunden am Tag nur durch den Transport nach Gangelt. Das ist nicht zu akzeptieren. Jedes Geilenkirchener Kind sollte einen Platz an einer Geilenkirchener Schule haben, wenn wir die Akzeptanz als Schulstadt behalten wollen.”

Nachdem auf Landesebene SPD, CDU und Grüne diese Schulform befürworten, kann sich Eggert nicht vorstellen, dass es im Geilenkirchener Stadtrat aus diesen Parteien Gegenstimmen gibt. „Solch eine Schule bringt die Lösung vieler Probleme. Sie birgt viele Chancen für unsere Kinder. Gegen diese Schulform kann man sich nicht stellen, das wäre hirnrissig.”

Im Regelfall so, so Eggert, soll die Sekundarschule eine Ganztagsschule sein. Ob sie auch in Geilenkirchen als Ganztagsschule geführt werden oder Unterricht nur bis Mittag erteilt werden soll, müsste in den entsprechenden Gremien entschieden werden. „Orientiert an unseren europäischen Nachbarn würde ich eine Ganztagsschule favorisieren.”

Zwischenzeitlich hat die Geilenkirchener SPD auch schon Gespräche mit Realschulleiter Peter Pauli und Vertretern der Realschul- Lehrerschaft geführt: „Sie wollen natürlich die Schule so erhalten wie sie ist. Aber alle Faktoren sprechen dagegen. Ich sehe keine Möglichkeit, die Realschule in dieser Form zu erhalten.” Dazu meint Realschulleiter Peter Pauli: „Wir stehen für unsere Realschule. Wir wissen, was wir leisten.”

Aber er sagt auch: „Wir sind aber nicht blauäugig. Es wird schwierig sein, diese Schule so zu halten.” Auch er spricht sich dafür aus, dass alle Geilenkirchener Kinder in Geilenkirchen beschult werden. „Da muss man eine Lösung finden. Ob es eine Realschule mit angegliedertem Hauptschulzweig oder eine Sekundarschule werden soll, müssen wir die Eltern fragen.” Für Ralf Emmermann, stellvertretender Leiter der Hauptschule Gangelt, sind die Konsequenzen noch „nicht absehbar”. Fest für ihn steht aber: „Wir nehmen weiterhin Schüler, auch aus Geilenkirchen, auf. Die Schullandschaft wird sich auch bei uns ändern. Aber das ist alles noch in der Schwebe.”

In diesem Jahr nur noch 45 Anmeldungen

Folgende Anmeldezahlen für die Realschule Geilenkirchen liegen der Stadt Geilenkirchen vor:

Schuljahr 2007/2008: 100 Neuanmeldungen, Gesamtzahl der Schüler 592; 2008/2009: 97 Anmeldungen/562 Schüler; 2009/2010: 83 Anmeldungen, 536 Schüler; 2010/2011: 75 Anmeldungen, 501 Schüler; 2011/2012: 45 Anmeldungen, 464 Schüler.

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