Plattform „Topf Secret“ gibt Antwort: Wie sauber ist mein Lieblingsrestaurant?

Plattform „Topf Secret“ gibt Antwort : Wie sauber ist mein Lieblingsrestaurant?

Köche aus dem Kreis Heinsberg sind skeptisch: Auf der neuen Plattform „Topf Secret“ können Verbraucher den Hygienebericht anfordern. Bisher hält sich das Interesse seitens der Verbraucher allerdings in Grenzen.

Das Restaurant Carpaccio und das Cafe Fleur  in Geilenkirchen, das Zwei Ländereck in  Gangelt, aber auch der Ratskeller und das Restaurant Medaillon in Heinsberg  – sie alle haben eines gemeinsam. Auf der neu ins Leben gerufenen Plattform „Topf Secret“ haben Verbraucher bereits Einsicht in die Ergebnisse ihrer letzten Hygienekontrolle gefordert.

Vom verdreckten Schwamm im Spülbecken bis zum Schimmel in der Wurst: Fast jeder vierte Lebensmittelbetrieb in Deutschland wird bei Hygienekontrollen negativ bewertet. Doch die Gäste bekommen davon meist nichts mit. Nur in Ausnahmefällen werden die Ergebnisse veröffentlicht. Die Verbraucherorganisation Foodwatch will das ändern und ist daher am 14. Januar mit der neuen Plattform „Topf Secret“ online gegangen.

Während in anderen Regionen die Ämter mit Anfragen überrannt wurden, hält sich das Interesse im Kreis Heinsberg noch zurück. Innerhalb der ersten Woche seien 17 Anfragen beim Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt über das neue Portal eingegangen. „Überwiegend Restaurants, darüber hinaus wurden aber auch vereinzelt Cafés und Imbisse angefragt“, so Pressesprecher Ulrich Hollwitz auf Anfrage unserer Zeitung. Für das Amt entstehe durch „Topf Secret“ eine Mehrarbeit, schließlich müsse jede Anfrage beantwortet werden. Wie lange es bis zu Antwort dauert, sei dabei abhängig vom Mitwirken der Betriebe. Foodwatch selber beziffert die Wartezeit auf ein bis zwei Monate.

Überrascht von der neuen Plattform zeigt sich Damiano Tucconi,   Koch und Betreiber des italienischen Spezialitäten-Restaurants Carpaccio in Geilenkirchen. „Ich dachte, die Geschichte sei aufgrund des Datenschutzes vom Tisch“, so der 45-Jährige. Da seiner Erfahrung nach im Internet der Hass schnell hohe Wellen schlage, befürchtet er einen öffentlichen Pranger.

Damiano Tucconi ist Koch und Betreiber vom Carpaccio in Geilenkirchen. Er fürchtet, die neue Plattform könnte zu einem öffentlichem Pranger werden. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Allerdings habe Damiano Tucconi in seinem Restaurant, das er vor fünf Jahren von seiner Mutter übernommen hat, nichts zu verbergen. „Wir arbeiten hier mit einer offenen Küche. Jeder kann sich selbst ein Bild machen“, sagt der Familienvater. In den 25 Jahren seit der Eröffnung des Betriebs sei es zu keiner großen Beanstandung durch die Kontrolleure gekommen. Für ihn seien die Kontrollen eher eine Art Zusammenarbeit mit der Behörde. „Wenn sie etwas beanstanden, verbessern wir es“, erklärt er.

Im Schnitt würde einmal im Jahr ein Kontrolleur mit seinem schwarzen Koffer im Eingang stehen. „Unangemeldet natürlich“, verrät der Koch. Die Überprüfung sei daher immer nur eine Momentaufnahme im laufenden Betrieb. Eine kaputte Dichtung im Kühlschrank oder ein nicht korrekt gelagertes Lebensmittel seien dabei klassische und berechtigte Gründe für Kritik. „Es ist aber auch in meinem Interesse, dass die Produkte gut gelagert werden“, sagt Damiano Tucconi. Schließlich wolle er ein gutes Endprodukt herstellen, und seine Gäste sollten mit einem Lächeln das Carpaccio verlassen.  „Kontrollen sind daher gut und richtig“, betont er. Diesen Dialog mit der Behörde will er weiterhin führen. Die Berichte will er aber nicht veröffentlicht sehen. „Verbrauchen können die Ergebnisse nur schwer einordnen, und schließlich können die Mängel auch schon längst wieder behoben sein“, fügt Damiano Tucconi hinzu.

Jacek Bielecki, Inhaber der Brommler Mühle in Gangelt, macht sich keine Sorgen um die Auswirkungen der neuen Plattform. „Natürlich ist es ein wenig unangenehm, aber ich habe da keine Angst“, so Bielecki. Beanstandungen gebe es immer: „Die Kontrolleure müssen auch etwas finden, sonst sind sie bald arbeitslos.“ Er befürwortet sogar die Transparenz. „Es gibt genug schwarze Schafe in der Branche“, weiß der Gangelter.

Seiner Meinung nach würde das  Ampelsystem allerdings mehr Sinn machen. Bei der lange diskutierten Hygiene-Ampel sollte, nach dem Vorbild einer Verkehrsampel, das Ergebnis der Behördenkontrolle am Eingang des Restaurants mit einem Aushang veröffentlicht werden. „Das ist einfacher zu verstehen“, findet Jacek Bielecki.  Problematisch sei allerdings, dass die Betriebe auch dabei keine Möglichkeit hätten, zu den Ergebnissen Stellung zu beziehen.

„Ich weiß nicht, was das soll“, fragt sich hingegen Ute Weishaupt, Köchin im Restaurant Altes Brauhaus in Heinsberg. Sie hält nichts von der neuen Plattform. „Ich bin eine Frau und ich weiß, dass meine Küche sauber ist“, so Weishaupt weiter. Für sie steht das Vertrauen an erster Stelle. „Nur wenn ich Vertrauen in ein Restaurant habe, gehe ich dort Essen“, legt sie ihren Standpunkt dar. Allerdings habe auch sie nichts zu befürchten oder zu verbergen. „Ich wäre eher dafür, dass die Kontrolleure regelmäßiger kommen und nicht nur einmal im Jahr“, sagt Ute Weishaupt.

Wer nun wissen will, wie sein Lieblingsrestaurant in der jüngsten Kontrolle abgeschnitten hat, muss auf der Karte von „Topf Secret“ nach dem entsprechenden Betrieb suchen und diesen markieren. Danach muss nur noch der Name sowie die Anschrift angegeben werden und eine standardisierte Anfrage wird an die entsprechende Behörde übermittelt. Mehr Informationen und der Zugang zum Portal  unter www.foodwatch.org/de.

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