Top Qualität in Gangelt: Wasser aus dem Hahn wird immer beliebter

Top Qualität in Gangelt : Wasser aus dem Hahn wird immer beliebter

Leitungswasser wird in Deutschland immer beliebter. In den betroffenen Gebieten des Verbandswasserwerks Gangelt hat das auch einen guten Grund: Die Werte des Wassers unterschreiten deutlich die geforderten Grenzwerte, auch beim Nitrat.

Es ist fast überall zu haben, kostet kaum etwas, und die Qualität stimmt auch. Leitungswasser ist aus Sicht von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) dem Wasser aus der Einweg-Flasche vorzuziehen – auch mit Blick auf den Klimaschutz. Das Wasser aus dem Hahn in Deutschland sei einwandfrei: „Wer Leitungswasser trinkt, spart Geld, Energie und unnötige Verpackungen.“ Trinkwasserbrunnen seien eine „gesunde und umweltfreundliche Alternative zu den vielen Einweg-Wasserflaschen, die die Leute täglich mit sich herum tragen“, so Schulze jüngst in einem Interview mit der der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Hans-Josef Rulands, Geschäftsführer der Verbandswasserwerk Gangelt GmbH, stimmt der Ministerin zu: „Leitungswasser ist unser Lebensmittel Nummer eins und das am besten kontrollierte Lebensmittel. Das kann und soll man bedenkenlos trinken.“ Kaum ein Lebensmittel werde so häufig kontrolliert: „Für unser Trinkwasser gelten strengste Grenzwerte.“

Der Geschäftsführer verweist auf eine regelmäßige Umfrage vom Verband kommunaler Unternehmen. „Zwei Drittel der Befragten trinken mittlerweile täglich Leitungswasser“, weiß Rulands zu berichten. Dabei würden 90 Prozent die Qualität des Leitungswassers als sehr gut beurteilen. „Das Vertrauen in das Leitungswasser in Deutschland ist absolut hoch.“

Der Umwelt zuliebe

Durch das vermehrte Umweltbewusstsein würden immer mehr Menschen Wasser direkt aus dem Hahn trinken. „Die Menschen trinken viel mehr Leitungswasser als früher. Selbst in meinem Umfeld steigen immer mehr Menschen um“, erzählt der Geschäftsführer. „Viele wollen etwas für die Umwelt tun.“ Denn wer kein Flaschenwasser kauft, spare Verpackung und auch Transporte mit dem Lkw.

Seit 1956 versorgt die Verbandswasserwerk Gangelt GmbH rund 70.000 Einwohner in den Gemeinden Gangelt und Selfkant, in Geilenkirchen sowie in Hückelhoven und Linnich direkt mit Trinkwasser. Dafür werden aus sieben Tiefbrunnen in der Teverener Heide rund 3,9 Millionen Kubikmeter Trinkwasser entnommen. Jährlich werden rund 300 Netzproben in der Aufbereitungsanlage in Gangelt-Niederbusch und im gesamten Versorgungsnetz entnommen und durch ein unabhängiges Institut, überpüft, überwacht durch das Gesundheitsamt: „Schulen und Kindergärten werden dabei noch einmal gesondert beprobt, damit da die Sicherheit der höchsten Qualität besteht.“

Die Werte beim Trinkwasser seien bei Überprüfungen immer sehr gut. „Das von uns gelieferte Trinkwasser entspricht nicht nur der Trinkwasserverordnung, sondern unterschreitet die geforderten Grenzwerte meist deutlich“, berichtet Rulands. Gerade Nitrat sei dabei aktuell in aller Mund: „Und auch dort liegen wir auf einem sehr guten Niveau.“ Der gesetzliche Grenzwert sei 50 Milligramm je Liter: „Wir liegen bei 19 Milligramm je Liter. Andere Werke haben da deutlich höhere Werte und tun sich schwerer.“

Allerdings nehme der Nitratwert auch in unserer Region zu. „Das bewegt sich aber so im Zehntel-Bereich jährlich“, so Hans-Josef Rulands. „Wir haben mehr oder weniger eine Stabilität im Nitrat-Bereich. Es gibt Regionen, da ist der Anstieg deutlich höher.“ Dabei komme dem Werk wahrscheinlich auch die landwirtschaftliche ferne Lage in der Teverener Heide zu Gute.

„Gülle und anderer Dünger beeinflussen die Nitrat-Werte“, erklärt Rulands. „Aber auch andere Umwelteinflüsse wie die Zersetzung von Laub spielen eine Rolle“. Dabei sei allerdings zu beachten, dass der Regentropfen, der heute auf den Boden fällt – oder eben auch nicht fällt – das Grundwasser erst in rund 25 Jahren beeinflusst: „So lange braucht ein Tropfen Wasser, bis er das Grundwasser erreicht hat.“ Das heiße dann aber auch im Umkehrschluss, dass die Dinge, die aktuell im Grundwasser gefunden werden, vor 25 Jahren eingetreten sind. „Den Effekt der Maßnahmen, die für das Grundwasser jetzt getroffen werden, werden wir dadurch auch erst in 25 Jahren spüren“, erklärt Rulands.

Hans-Josef Rulands ist Geschäftsführer der  Verbandswasserwerk Gangelt GmbH. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Der Verband führe bereits seit 26 Jahren eine Kooperation mit der Landwirtschaft in der Region. „Ziel dabei ist die gewässerschonende Landwirtschaft“, so Rulands. „Das heißt auch, die Landwirte bekommen für einen Zwischenfrucht-Anbau eine Entschädigung gezahlt.“

Weiterhin gebe es einen landwirtschaftlichen Berater im Wasserverband, und es würden regelmäßig Bodenproben entnommen. In diesem Bereich wendet der Wasserverband jährlich rund 45.000 Euro auf: „Wir halten das für einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der Qualität unserer Trinkwasservorräte für die nächsten Generationen.“

Rohre sind 31,5 Jahre alt 

Damit das Trinkwasser nach der Aufbereitung auch beim Kunden aus dem Hahn fließen kann, verfügt das Verbandswasserwerk Gangelt über ein Versorgungsnetz von 470 Kilometern. „Im Schnitt ist unser Netz 31,5 Jahre alt“, sagt Rulands. Probleme mit Blei in den alten Röhren gebe es nicht: „Wir erneuern aber auch ständig unser Netz. Für das Jahr 2019 haben wir 720.000 Euro für die Netzerneuerung und -erweiterung eingeplant.“

Auch angesichts des Klimawandels macht sich der Geschäftsführer Gedanken. „Starke Hitze- und Trockenheitsperioden werden in Zukunft weiter zunehmen und sich ausgeprägter darstellen“, ist Rulands überzeugt. „Die Trinkwasserspeicher könnten sich an sehr heißen Tagen dann schneller entleeren, als sie wieder gefüllt werden können.“ Bereits heute sei merkbar, dass in den Abendstunden der Verbrauch schlagartig ansteigt. „Wenn Gärten und Rasenflächen bewässert werden“, erklärt Rulands. Besonders in solchen Zeiten wünsche er sich einen sorgsamen Umgang mit dem Trinkwasser: „Die Verbraucher sollten abwägen, ob der Verbrauch in allen Fällen nötig ist. Ich vertrete die Auffassung: erst Mensch und Tier, dann Rasen und Pool.“

Bisher habe die technische Anlage die Nachfrage immer bedienen können. „Aber man weiß nicht, was in der Zukunft noch kommt. Wie ausgeprägt wird sich das zukünftige Klima auswirken?“, fragt Rulands. Da könne er keine Prognose treffen.

„Aktuell ist die Trinkwasserversorgung bei uns sicher. Aber es gibt Regionen in Deutschland, da hat sich eine Wasserknappheit in der Vergangenheit schon öfters abgezeichnet.“ Dort seien die Verbraucher dann darauf hingewiesen worden, keine Gartenbewässerung und Poolbefüllung mehr vorzunehmen.