Fremde Kultur: Viele bewegte Jahre in Japan

Fremde Kultur : Viele bewegte Jahre in Japan

„Mama, wo liegt Japan?“ Das war die Frage eines zehn Jahre alten Jungen. Das Buch „Blut über Japan“ hatte tiefe Spuren in seinem Inneren hinterlassen. Er las darin über die Christenverfolgung und 26 Märtyrer in Japan. Seine Mutter antwortete ihm damals: „Weiß ich auch nicht.“

Wenn sie damals geahnt hätte, welche Anziehungskraft dieses ihr so unbekannte Japan auf ihren Sohn gehabt hatte. Mit Freude erlebte sie im Jahre 1967 seine Priesterweihe. Aber ihre Hoffnung, dass ihr Sohn in Deutschland als Pastor wirke, musste sie unter vielen Tränen aufgeben. Sie sah ihn fortan nur noch etwa alle drei Jahre bei seinem Heimaturlaub.

Am 3. September wäre sie sicherlich stolz auf ihn gewesen. Denn an diesem Tag erzählte er, der Steyler Missionar Pater Arnold Plum, im Hause Basten, von seinem Leben und Wirken in Japan. Zu diesem Anlass hatten Josef Hahn der St.-Antonius-Schützenbruderschaft sowie der Teverener Ortsvorsteher Hans Josef Paulus den Bürgermeister Georg Schmitz gewonnen, die Türe des Hauses zu öffnen. Etwa 70 Zuhörer kamen zum Vortrag.

Japan, das auch das „Land der aufgehenden Sonne“ genannt wird, ist seit über 51 Jahren die Heimat des Alt-Tevereners. Er ist nicht nur der englischen und portugiesischen Sprache mächtig, sondern auch der Sprache und Schriftzeichen der Japaner. Die Begeisterung des Paters für das Land, wo er „der weiße Japaner“ genannt wird, wurde deutlich, als er den Zuhörern das Wesen und den Aufbau der Schriftzeichen, die ihren Ursprung im Chinesischen haben, näherbrachte.

Klar wurde dabei auch, dass besonders die Schrift ein Ausdruck der japanischen Kultur ist. Diese unterscheidet sich enorm von der westlichen Kultur. „Vor 50 Jahren lagen noch Welten dazwischen“, weiß Plum. „Doch die Japaner lernen schnell.“ So gehe die Politik voran und orientiere sich in vielem auch an Deutschland, wie zum Beispiel am Umweltbewusstsein. Auch Gleichberechtigung herrscht auf dem Papier, durchgesetzt habe sie sich aber noch nicht, sagt der Pater, obwohl der Bildungsstand der Japaner sehr hoch sei.

„Sie arbeiten sehr viel, so dass die Männer ihre Frauen kaum zu Gesicht bekommen, erst recht, wenn sie mit ihren Kollegen nach getaner Arbeit noch etwas trinken“, sagt Plum. Der Vorteil: „Die Scheidungsrate ist nicht so hoch wie bei uns.“

Trost in der Kirche

Die Japaner seien sehr freundlich, aber auch zurückhaltend und reserviert. Als religiös könne man sie auch bezeichnen: Die meisten Japaner sind sowohl Anhänger der japanischen Urreligion Shinto als auch des Buddhismus, erklärt Plum. „Aber wenn ein Angehöriger gestorben ist, dann kommen sie doch in die Kirche und lassen sich trösten.“

Die Steyler Missionare sind froh, wenn die Japaner überhaupt die Kirche besuchen. So haben sie die Gelegenheit, sie anzusprechen und Segen zu spenden. Die Kirche empfange dadurch auch finanzielle Unterstützung, denn bei Festen seien die Japaner sehr großzügig. „In Japan leben die Pastöre ärmer als in armen Ländern“, so der Pater.

So haben sich die Zeiten geändert. Zunächst habe Plum nicht gewusst, wo Japan liegt, nun liegen viele bewegte Jahre hinter ihm: eine Kapelle und eine Kirche hat er errichtet, zehn Jahre lang einen Kindergarten geleitet, Gemeinden aufgebaut und einen Weingarten mit angepflanzt — wegen des Messweins.

Ob er nie Heimweh gehabt hätte? Plum berichtete, dass in Japan nur fünf deutsche Steyler Missionare leben, die 125 anderen Mitbrüder kommen aus Vietnam, Indien und Indonesien. Heimweh hätte er trotzdem nie gehabt, sagt er. Die Zeit zusammen mit den Steyler Mitbrüdern vermisse er allerdings manchmal.