Selbsttest: Unsere Redakteurin spendet zum ersten Mal Blut

Selbsttest : Unsere Redakteurin spendet zum ersten Mal Blut

Unsere Redakteurin spendet zum ersten Mal Blut

Mein Herz beginnt schneller zu schlagen, meine Hände werden schwitzig, und mein Mund ist mit einem Mal ganz trocken – so reagiert mein Körper beim Anblick einer Nadel. Die Blutabnahme beim Arzt – mein Angstgegner. Dabei weiß ich: Blut ist Mangelware, und mit einer Spende wird man zum Lebensretter.

Schließlich lässt sich der menschliche Lebenssaft noch immer nicht im Supermarkt kaufen, und nur ein halber Liter hilft drei Menschen. Doch mein Gewissen und ich haben uns lange arrangiert – zu der Angst vor der Nadel gesellten sich ungünstige Termine, Stress, Bequemlichkeit und die Ungewissheit, ob ich als Spender überhaupt infrage komme. Mit dieser Einstellung bin ich nicht alleine: Mittlerweile gibt es in Deutschland gut 20 Prozent weniger regelmäßige Spender als noch vor sieben Jahren. Doch ist Blutspenden wirklich so schlimm und zeitintensiv? Dieser Frage wollte ich in einem Selbstversuch einmal nachgehen.

Ankunft in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen. Heute ist der DRK-Blutspendedienst West vor Ort. Und zunächst gibt es eine Überraschung: Es sind recht viele Menschen in der Schlange zur Anmeldung oder haben es sich bereits auf der Liege bequem gemacht. Ihr entspannter Anblick beruhigt mich zunächst, doch dann wandert mein Blick zur Nadel in ihrem Arm und dem Schlauch mit der roten Flüssigkeit – mein Magen verkrampft sich, ich muss hart schlucken. „Zwischen 100 und 120 Menschen kommen alle acht Wochen zum Blutspenden in Geilenkirchen“, verrät Christel König, die Blutspendenbeauftragte des DRK im Kreis Heinsberg. Ein gutes Ergebnis - aber es sind noch lange nicht genug: „Wir müssten eigentlich bei jedem Termin zehn neue Erst-Spender gewinnen.“ Dafür ist das DRK beispielsweise einmal im Jahr im Berufskolleg in Geilenkirchen. „Mit jeder Spende rettet man Leben“, betont Christel König, die selbst schon eine harte Motorradgang zum regelmäßigen Blutspenden bewegen konnte.

Markus Schorn hat viel Erfahrung im Blutannehmen und schaff es im ersten Versuch. Foto: ZVA/Stephan Kreutz

Das Lebenselixier wird beispielsweise für Operationen mit Blutverlust gebraucht,  kommt bei Unfallverletzungen für verlorenes Blut zum Einsatz oder wird für eine Bluttransfusion zur Behandlung von Neugeborenen genutzt. „Nur drei Prozent der Bevölkerung spendet Blut, aber bis zu 80 Prozent sind irgendwann einmal selbst auf eine Blutspende angewiesen“, ergänzt Daniel Beiser, der stellvertretende Pressesprecher vom DRK-Blutspendedienst West. „Da Blutspenden jedoch nur wenige Tage  haltbar sind, ist die regelmäßige Blutspende so wichtig.“ Täglich werden in Deutschland 15.000 Blutspenden benötigt.

Die Gründe für den Rückgang der Spendenbereitschaft seien vielfältig. „Allgemein sind die Spendezahlen recht stabil, wobei es starke saisonale Schwankungen gibt, wie zum Beispiel in den Ferien, zur Grippesaison oder auch an Brückentagen“, sagt Daniel Beiser. Allerdings sinke die Anzahl der Stammspenden: „Dies ist sicher auch in der älter werdenden Gesellschaft begründet. Blutspender fallen irgendwann aus Altersgründen als Spender weg und werden unter Umständen selbst zu Transfusionsempfängern.“ Außerdem gebe es ein starkes Land-Stadt-Gefälle: In den großen Städten spenden prozentual deutlich weniger Menschen ihr Blut, als auf dem Land. Im Kreis Heinsberg haben im vergangenen Jahr 8399 Menschen Blut gespendet, davon waren 510 Erstspender. Im Vorjahr wurden noch 9064  Blutspender und 616 Erstspender in der Statistik verzeichnet.

Mit diesen Zahlen im Hinterkopf reihe ich mich in der Schlange zur Anmeldung ein. „Die Nadel ist zwar dicker als beim Hausarzt, aber die Mitarbeiter sind damit deutlich geübter als die durchschnittliche Arzthelferin“, versucht mir Christel König die Angst zu nehmen. Sie ist selber Unfallopfer und weiß daher aus erster Hand um die Notwendigkeit von Blutspenden.

Nach der Anmeldung bekomme ich zwei Seiten vollgepackt mit Fragen zu Krankheiten, Wohlbefinden, Sexualleben und vergangenen Reisen. Ich setze meine Kreuze, lese mir die Info-Blätter durch. Sorge bereitet mir mein Urlaub vor wenigen Wochen in Ägypten - bin ich damit als Spender raus? Kurz zuvor meinte Christel König nämlich noch zu mir: „Bei Urlaub in gewissen Regionen mit bestimmten verbreiteten Krankheiten darf man bis zu einem halben Jahr nicht spenden -  zur Sicherheit für Spender und Empfänger.“ Aber das wird mir bestimmt gleich der Arzt verraten, also stellte ich mich in die Schlange zur ärztlichen Untersuchung an. Es geht rasch vorwärts, und der freundliche Arzt misst meinen Blutdruck und spricht mit mir noch einmal einige Fragen in dem Anamnesebogen durch. Ägypten ist kein Problem, also geht es für mich weiter.

Ein kurzer Piks und in weniger als zehn Minuten ist der Beutel mit 500 ml voll. Foto: ZVA/Stephan Kreutz

An der nächsten Station kann ich im Geheimen angeben, dass ich zwar spenden, mein Blut aber nicht verwendet werden soll. „Dabei geht es um den Schutz der Spender“, erklärt Christel König. Oftmals würden ganze Vereine spenden und dabei könne Druck auf den Spender entstehen, wodurch vielleicht nicht alle Fragen wahrheitsgemäß beantwortet würden. „Um dann das Gesicht zu wahren und trotzdem Blut spenden zu können, gibt es diese Station“, so die Ehrenamtliche.

Anschließend geht es für mich weiter zum Hämoglobin- und Temperaturtest. An der Station lerne ich schließlich meinen Vampir kennen – Rettungssanitäter Markus Schorn.  Und er legt auch direkt los und pikst mir mit einer schnellen Bewegung ins Ohrläppchen. „Mit dem Tropfen ermitteln wir deinen Eisengehalt im Blut. Ist er zu niedrig, darfst du nicht spenden“, erklärt er.  Aber der Wert liegt deutlich über der Grenze, und auch meine Körpertemperatur ist in Ordnung. Damit habe ich alle Hürden genommen - diese Nachricht kommt mit einer Mischung aus Freude und beginnender Panik bei mir an. Mein Herz beginnt schneller zu schlagen, während wir zur Entnahme-Liege gehen. „Wie vielen Menschen nimmst du auf so einem Termin Blut ab?“, will ich zur Ablenkung wissen. 

„So zwischen 25 und 30“, antwortet mir Markus Schorn. „Und wie viele Versuche brauchst du dafür“, will ich es noch genauer wissen. „Einen“, erwidert er stolz. „Na, das werden wir noch sehen“, denke ich und nehme mit feuchten Händen auf der Liege Platz. Eine Manschette kommt um meinen Oberarm, ich pumpe mit meiner Hand und schnell hat Markus Schorn eine gute Vene entdeckt. Er desinfiziert die Stelle und nähert sich mir mit einer langen Nadel. Das ist zu viel für mein Hasen-Herz, ich schaue weg und halte den Atem an. Ein kurzer Piks – und Markus Schorn lächelt mich an. Er hat Wort gehalten, es fließt nach dem ersten Versuch. Als ich mich traue, auf meinen Arm zu schauen, ist der Beutel schon halb voll. Das geht deutlich schneller als erwartet, und die Liege ist echt bequem. In unter zehn Minuten hab ich meinen Beutel voll, das Gerät piept. Zwar fühle ich mich kurz etwas schlapp, aber während ich in mein Belohnungsbrötchen beiße und meine Cola schlürfe, übermannt mich ein tolles Gefühl: Ich habe es geschafft. Angstgegner besiegt. Ich bin nun ein Lebensretter! Und das so einfach. Ich komme wieder!

Der nächste Termin zum Blutspenden ist übrigens am 6. August von 16 bis 20 Uhr im Bürgerhaus Bauchem. Frauen dürften viermal im Jahr spenden, Männer sechsmal. Mehr Informationen unter www.drk-blutspende.de.

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