Geilenkirchen: Ungewöhnliche Erfahrungen bei „Tagen der religiösen Orientierung“

Geilenkirchen: Ungewöhnliche Erfahrungen bei „Tagen der religiösen Orientierung“

Die meisten Schülerinnen und Schüler verbinden die „Tage der religiösen Orientierung“, die sie während ihrer Schullaufbahn verbringen, mit langweiligen Meditationen, Gesprächen über die Bibel oder Aufenthalten im Kloster. Dass Glaube jedoch auch aus einer anderen Richtung angegangen werden kann, konnten 18 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 des St.-Ursula-Gymnasium nun selbst erleben.

Während ihre Mitschüler diese Tage unter anderem in den Einrichtungen von Maria Hilf in Gangelt, Vogelsang in der Eifel und weiteren Angeboten verbrachten, machten sie ein dreitätiges Praktikum in den Häusern des Franziskusheims. Dabei lernten sie, wie man den Dienst am Mitmenschen, namentlich die Diakonía, als einen der Grundvollzüge des christlichen Lebens praktizieren kann.

In guter Erinnerung bleiben die Praktikumstage nicht nur für die 18 Schülerinnen und Schüler, sondern auch für (l.v.o.) ihre Betreuerinnen Claudia Sonnenschein und Ina Simone Bertram-Thiel, sowie Mario Ohnesorg, den Hausleiter von Burg Trips. Foto: Andrea Schever

Fachlich vorbereitet

Bevor die Praktikanten jedoch in den direkten Kontakt mit den Bewohnern der Heime kamen, wurden sie von Claudia Sonnenschein, Ina Simone Bertram-Thiel und Hannah Esser, drei Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes, vor allem fachlich auf die anstehenden Aufgaben und die damit verbundene Verantwortung vorbereitet.

So nahm jeder der Jugendlichen auch einmal selbst in einem Rollstuhl Platz und ließ sich schieben. Mit einer Augenbinde versehen wurde ihnen dann die Abhängigkeit der Bewohner von den Schiebern der Rollstühle noch deutlicher bewusst. Manche baten ihre Trainingspartner darum, langsamer zu fahren und sprachen sogar offen Angst aus, wenn sie auf unbekanntem Untergrund fuhren und nicht wussten, was passieren wird. So sensibilisiert, berücksichtigten die jungen Praktikanten dann auch die Hinweise, wie dem Bewohner anzusagen, dass sie zusammen losfahren oder dass sich der Untergrund gleich ändert.

Es stand nicht nur Rollstuhlfahren und Spazierengehen auf dem Praktikumsprogramm. Auch beim Kraft-Balance-Training, beim Gedächtnistraining und der Quizrunde mit den Bewohnern durften die Jugendlichen mithelfen. Auf diese Art und beim Gespräch mit Pfarrer Lenzen und Bruder Helmut, Bewohner des Hauses, über deren Weg zum Glauben, hatten die Gymnasiasten einen unmittelbaren Kontakt zu den Bewohnern. Für den einen oder anderen wurde es sogar so interessant, dass sie später den Gedanken äußerten, sich womöglich beruflich in diese Richtung entwickeln zu wollen.

Der 16-jährige Julius Lütgemeier aus Breberen wurde von dem Praktikum auf Burg Trips positiv überrascht. „Es war besser, als ich es erwartete hatte und wird mir für mein späteres Leben sicherlich nützlich sein. Mir hat es besonders gut gefallen, mit den Bewohnern in den Park zu gehen und von Bruder Helmut etwas über seinen Weg zum Glauben zu erfahren.“ Eine Bewohnerin möchte er auch in Zukunft weiter besuchen. Melanie Savelsberg (18) aus Geilenkirchen sagte, sie habe in den drei Tagen im Franziskusheim viel über den Beruf und das Unternehmen gelernt. So zum Beispiel, dass es „mehr als nur Pflege und Spielen mit den Bewohnern“ ist.

Offen aufgenommen

In der Reflexionsrunde zum Ende des dreitägigen Praktikums bedankten sich die 18 Jugendlichen bei ihren Betreuerinnen und der Hausleitung für die gesammelten Erfahrungen und Einblicke. Besonders erfreut habe sie zudem, dass sie vom gesamten Kreis der Mitarbeiter offen aufgenommen worden waren.

Dass sich in so wenigen Tagen dennoch ein bleibender Eindruck einzustellen vermag, war auch daran zu erkennen, dass sich die Jugendlichen persönlich von den Bewohnern auf den verschiedenen Stationen verabschiedeten und — bis hin zu Tränen — teils sehr betrübt waren. Von einer solch emotionalen Reaktion gerührt war auch Mario Ohnesorg, Hausleiter von Burg Trips. Er bewertete jedoch sehr hoch, dass dieses Praktikum als Erstes dieser Art eine „runde Geschichte“ war. Er würde sich freuen, so Mario Ohnesorg, wenn diese Zusammenarbeit fortgesetzt werden könnte.

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