Übach-Palenberg: Umstrittenes Baugebiet: In Siebenmeilenstiefeln Richtung Mariental

Übach-Palenberg : Umstrittenes Baugebiet: In Siebenmeilenstiefeln Richtung Mariental

Das umstrittene Baugebiet Mariental soll so schnell wie möglich auf die Schiene gesetzt werden. Dies ist das Ergebnis der Sitzung des Übach-Palenberger Bauausschusses am Dienstag. So wird die Verwaltung sich parallel zur Änderung des Regionalplans bereits mit einem möglichen Bebauungsplan beschäftigen.

Gerhard Gudduschat beantragte für die CDU-Fraktion eine Prüfung dieser Möglichkeit, auch der Koalitionspartner FDP-USPD und die UWG-Fraktion stimmten zu. SPD und Grüne waren dagegen. „Wir müssen voran machen“, begründete Gudduschat den Antrag.

Der Hintergrund besteht in den bürokratischen Abläufen, die die Stadt für Mariental zu bewältigen hat. Die Besonderheit besteht darin, dass auf Ebene der Bezirksregierung eine Regionalplanänderung in die Wege geleitet werden muss. Der Bebauungsplan würde hier eigentlich erst im nächsten Schritt folgen. Nun soll die Stadt sozusagen schon am Motor tüfteln, ehe sie Schwarz auf Weiß hat, dass ein neues Auto überhaupt gebaut werden kann. Gudduschat: „Wenn das eine passiert ist, ist das andere schon fertig.“

Dass der CDU-Antrag nicht wie üblich vor der Sitzung bekannt gemacht worden war, hatte den womöglich nicht unbeabsichtigten Effekt, dass er inhaltlich gar nicht erst diskutiert wurde. Es hat angesichts der überaus engen Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und CDU, die beide Seiten gerne betonen, auch als wahrscheinlich zu gelten, dass die Verwaltung zuvor über den Antrag ins Benehmen gesetzt war, wenn nicht sogar der Anstoß dazu in ihren Kreisen entstanden ist. So oder so ist angesichts der Abstimmung nunmehr die Botschaft verbrieft, dass auch die Politik sich mehrheitlich ein schnelles Vorgehen wünscht.

Auf der Tagesordnung hatte eigentlich nur die Vorstellung des Artenschutzgutachten durch Ulrich Haese gestanden. Der Gutachter konzentrierte sich dabei auf die sich eröffnenden Möglichkeiten für eine Bebauung. Demnach könnte ein Baugebiet zwischen Grenzweg, Ausgleichsfläche Waubacher Weg und dem Wäldchen entstehen. Dies war bereits bekannt, seit unsere Zeitung vor rund zwei Wochen einen Vorentwurf mit 34 Grundstücken öffentlich gemacht hatte (Ausgabe vom 7. Juni).

Zweites Baugebiet

Neu ist, dass Stadt und Gutachter davon ausgehen, ein zweites Baugebiet im nordwestlichen Teil des Plangebiets, südlich der Marienstraße und östlich der ehemaligen Kiesgrube, schaffen zu können. Hier existiert jedoch nach allem, was bekannt ist, noch kein konkreter Vorentwurf. Der übrige Teil des Plangebiets sowie die Kiesgrube könnten gemäß Haeses Ausführungen zu einem Naturschutzgebiet umgewidmet werden.

Als Korridore für die Tierwelt bliebe die Ausgleichsfläche am Waubacher Weg als Verbindung zwischen Wäldchen und Wurmtal erhalten, wenngleich kaum in der bisherigen Qualität. Ein weiterer Korridor bestünde südlich des ersten Bauabschnitts bei Valkerhof-stadt. Wie das funktionieren soll, wurde nicht ganz klar, schließlich befindet sich dort bereits Bebauung.

Außerdem haben die Niederländer irgendwann mal eine Kläranlage passgenau in den gezackten Grenzverlauf gekantet, die nunmehr in dem angenommenen Korridor läge. „Jede Bebauung ist erstmal ein Eingriff in Natur und Landschaft“, machte Haese deutlich. Er sagte aber auch: „Dass die Stadt sich um eine Bebauung bemüht, ist nachvollziehbar.“

Die Politik trägt die Bebauung des Marientals mittlerweile fast geschlossen mit. Inwieweit dies mit dem Druck zusammenhängt, den die Verwaltung zuletzt in diese Richtung ausgeübt hatte, ist unklar. Der Erste Beigeordnete Helmut Mainz hatte im Februar die Fraktionen mit einer als „vertraulich“ gekennzeichneten Mail darauf hingewiesen, dass das Baugebiet auch im Zusammenhang mit der „Steuerkraft“ der Stadt zu sehen sei. Die mögliche Höhe der Einnahmen, die durch Mariental für die Stadt generiert würden, hat die Verwaltung bislang allerdings ebenso wenig genannt wie mögliche Konsequenzen aus dem Ausbleiben dieser Einnahmen.

„Tiere sind anpassungsfähig“

Die einzige politische Fraktion, die sich noch komplett gegen eine Bebauung ausspricht, sind die Grünen. „Wir sehen uns in unserer Ansicht bestätigt, dass dort nicht gebaut werden sollte“, kommentierte Vorsitzender Frank Kozian die Ausführungen von Gutachter Haese. Die übrigen Oppositionsfraktionen, SPD und UWG, halten den Mix aus Bebauung und einer sozusagen im Gegenzug erfolgenden Aufwertung des verbleibenden Teils des Landschaftsschutzgebiets zu einem Naturschutzgebiet indes für eine verträgliche Lösung.

Alf-Ingo Pickartz (SPD) sprach von einer „logischen Konsequenz“, auch Wolfgang Bien (UWG), anfangs noch einer der größten Kritiker des Projekts, kann sich mit der aktuell in Rede stehenden Planung offenbar gut anfreunden. Und Herbert Mlaker (USPD) ergänzte die Ausführungen des Gutachters noch um eine eigene verhaltensbiologische Beobachtung: „Tiere sind anpassungsfähig. Ich habe bei mir im Garten auch Fledermäuse. Da muss man Essen zur Verfügung stellen.“

Welches Cardápio dazu geeignet ist, einer Fledermaus ein Wohngebiet in ihrem Lebensraum schmackhaft zu machen, wurde durch den Ausschuss nicht weiter vertieft.

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