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Spenden für TeilBAR: Viele bedürftige Menschen müssen mit leeren Händen gehen

Spenden für TeilBAR : Viele bedürftige Menschen müssen mit leeren Händen gehen

Die Regale sind leer. Eine ältere Dame, die gerade die TeilBAR am Familienzentrum Meragel in Frelenberg verlässt, hat das letzte Brot ergattert. Sie ist froh, etwas bekommen zu haben. Das ist nicht immer so. Wenn das Geld knapp wird, finden Menschen in der TeilBAR Hilfe. Doch der Bedarf ist größer als das Angebot. Viele Menschen gehen täglich mit leeren Händen wieder nach Hause.

Die TeilBAR hat montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Jeden Tag kommen rund 25 Menschen, die hier vor allem nach Lebensmitteln suchen. „Das sind nicht nur Familien, die auch unser Familienzentrum besuchen“, weiß Andrea Schmitz-Pauli, die Leiterin der Einrichtung. „Es sind auch Familien aus der Umgebung, die Leistungen beziehen, oder die gerade so auf der Schwelle zur Unterstützung stehen. Auch viele Senioren kommen, deren Rente einfach zu knapp ist. Und es gibt einige Alleinerziehende, die hier bei uns Hilfe bekommen.“

Andrea Schmitz-Pauli und Monika Echsler, die Familienunterstützende Mitarbeiterin des Familienzentrums, kommen mit den Kunden der TeilBAR oft und gerne ins Gespräch. „Wir hören, wo die Nöte der Menschen liegen. Wir wollen hinsehen und die Menschen nicht alleine lassen“, sagt auch Monika Echsler. „Wenn wir dann sehen, dass Menschen mit leeren Händen wieder gehen müssen, berührt uns das schon sehr.“

Die Spendenbereitschaft der Menschen ist zurückgegangen. Diese Erfahrung haben die beiden Organisatorinnen der TeilBAR gemacht. Woran das liegt? Monika Echsler: „Vielleicht an der Bequemlichkeit, dass man ja hierher kommen müsste, um etwas zu spenden. Dabei wird in so vielen Haushalten so viel weggeworfen, etwa vor dem Urlaub oder bei Fehlkäufen.“ Immer wieder müsse sie die TeilBAR auch Kritik gefallen lassen. Schmitz-Pauli: „Wir hören oft, dass wir dem Image des Stadtteils schaden würden, weil wir Frelenberg sozusagen den Armutsdeckel überstülpen. Aber es ist genau umgekehrt. Die Armut ist da, nur möchte das nicht jeder sehen. Wir sehen es aber jeden Tag. Und wir bemühen uns, etwas dagegen zu tun.“

Dass Menschen, die eigentlich gar nicht bedürftig sind, sich in der TeilBAR die Taschen vollstopfen würden, das komme hingegen nicht vor. Dafür sei das momentane Angebot auch ohnehin zu gering. „Was wir aber vor allem feststellen, ist die große Dankbarkeit, die uns hier entgegengebracht wird“, meint Andrea Schmitz-Pauli. „Wir bekommen handschriftliche Briefe, in denen steht: ‚Danke, dass ihr uns nicht vergessen habt‘. Menschen, die sich in einer Notsituation in der TeilBAR bedient haben, kommen außerdem wieder, wenn sie selbst einmal etwas übrig haben, um anderen zu helfen.“ Das seien zwar keine großen Mengen, manchmal etwas Obst oder Nüsse aus dem Garten, manchmal seien es auch zu klein gewordene Schuhe oder Kinderkleidung, aber jede Kleinigkeit könne helfen.

Die TeilBAR besteht in Frelenberg seit vier Jahren. Sie wurde eingerichtet vor dem Hintergrund, dass die Verarmung in den Familien immer weiter zugenommen hat. Monika Echsler: „Das haben wir hier im Familienzentrum festgestellt. Anfangs haben wir selbst versucht, zu helfen. Aber wir sind schnell an unsere Grenzen gestoßen.“ Darum sei die TeilBAR eingerichtet worden. Echsler: „Es gibt ein paar regelmäßige Spender, und wir haben eine Kooperation mit einer Bäckerei, die uns die Brote vom Vortag vorbeibringt. Aber es reicht vorne und hinten nicht.“ Das eigentliche Konzept, dass jeder anonym Lebensmittel bringen und jeder anonym Lebensmittel mitnehmen kann, soll für die TeilBAR auch weiterhin bestehen bleiben. „Aber wir würden uns auch sehr über Geldspenden freuen, damit wir die nötigsten Dinge zukaufen können.“ Ab und an sei der Erlös einer Benefizveranstaltung schon an die TeilBAR geflossen. „Das hat uns immer sehr geholfen. Aber es reicht einfach nicht.“

Auch die regionale Armuts- und Arbeitsmarktkonferenz (RAAK) hat es sich zum Ziel gemacht, auf die wachsende und sich weiter verfestigende Armut im Kreis Heinsberg aufmerksam zu machen. Mitglieder der RAAK waren kürzlich auch in Übach-Palenberg unterwegs und besuchten hier das fairKauf-Haus der Caritas. Das fairKauf-Haus des regionalen Caritasverbandes existiert seit 2008 und hat wie die übrigen Sozialkaufhäuser in der Region das Ziel, langzeitarbeitslosen Menschen über die Beschäftigung in diesen Läden wieder eine Perspektive zu geben. In Übach-Palenberg gibt es zwei Ladenlokale. Gebrauchte Kleidung, Geschirr, Bücher und Spiele, aber auch Dekorationsartikel sind hier zu kleinen Preisen erhältlich. Geschäftsleiterin Yvonne Monßen berichtete den Mitglieder der RAAK, dass das Thema Armut im fairKauf-Haus einen sehr hohen Stellenwert einnehme. „Wer einmal in Armut lebt, für den ist es kaum mehr möglich, aus dieser Situation wieder herauszukommen.“

Gottfried Küppers, Geschäftsführer des regionalen Caritasverbands sieht in Übach-Palenberg auch einen Unterschied zur Heinsberger Einrichtung: „Hier spürt man die Bedürftigkeit noch stärker!“

Eine private Initiative, die zwar weniger darauf abzielt, bedürftige Menschen zu unterstützen, ist der FairTeiler im Bürgertreff Geilenkirchen. Er ist entstanden aus der Facebook-Aktion „Foodsharing in Geilenkirchen“ und steht für mehr Nachhaltigkeit und gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. In einer Facebook-Gruppe können Menschen, die zu viel gekocht oder zu viel eingekauft haben, ihre Lebensmittel untereinander weitergeben. Es soll kein Geld fließen, niemand soll daran verdienen, es geht lediglich um die Nachhaltigkeit. Da ein zentraler Ort für die Verteilung der Lebensmittel fehlte, wurde im Dezember der FairTeiler im Bürgertreff eingerichtet. Nicole Wilms ist die Organisatorin des Projekts: „Jeder kann vorbeischauen und etwas mitnehmen, natürlich in haushaltsüblichen Mengen. Niemand muss etwas erklären, jeder ist willkommen.“

Über mangelnde Spenden kann sich Nicole Wilms eigentlich nicht beschweren. Das liegt vor allem daran, dass sie durch eine WhatsApp-Gruppe sehr gut vernetzt ist und von den Kontakten zur Dachorganisation Foodsharing profitiert: „Vom Botschafter des Projektes, Wilhelm „Matt“ Körfer aus Rurich, werden oft Spenden von Supermärkten weitergeleitet oder solche, die die Tafeln aus irgendwelchen Gründen nicht annehmen konnten. Ich und meine Mitorganisatoren fahren dann durch die Gegend und holen die Sachen ab.“ Vernetzten und die Kontaktpflege seien deshalb das A und O des Projektes. Ganz aktuell wurde im Bürgertreff sogar ein gemeinsames Frühstück mit den Mitglieder der WhatsApp-Gruppe organisiert – natürlich hat jeder etwas mitgebracht, Foodsharing eben.

Eine Konkurrenz untereinander oder zu den Tafeln sehen alle drei Einrichtungen nicht. Die Tafeln haben in der Regel Kooperationen mit den großen Geschäften. Ein Konzept, ähnlich dem FairTeiler in Geilenkirchen wäre aber auch für Übach-Palenberg durchaus denkbar. Nicole Wilms ist gerne bereit, Andrea Schmitz-Pauli und Monika Echsler zu unterstützen.