Übach-Palenberg: Theater über Kinder im Konzentrationslager am CMG

Theater am CMG : Schüler bringen ein aufwühlendes Thema eindrucksvoll auf die Bühne

Das Theaterstück „Doch einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen“ handelt von Überlebensstrategien von jüdischen Kindern in Konzentrationslagern. Schüler des CMG bringen es sensibel und eindrucksvoll auf die Bühne.

„Miray Akyüz – Jana Blunk – Meret Cormann – Robin Demmler – Jessica Dylong – Annika Einerhand – Jan Engels – Sarah Jürgens – Maximilian Kubicki – Kristin Langemeyer“, wären dies die Namen von jüdischen Kindern in einem Konzentrationslager, müssten sie sie beim allmorgendlichen Zähl-Appell laut ausrufen, und sicherlich auch angsterfüllt. Es handelt es sich bei den obigen Personen aber um die jungen Schauspieler des Literaturkurses Q1 des Carolus-Magnus-Gymnasiums Übach-Palenberg, die sich jedoch intensiv mit der Geschichte von Kindern im Konzentrationslager auseinandergesetzt haben.

Unter der sensiblen Leitung von Sandra Terodde brachten sie das berührende Theaterstück „Doch einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen“ von Lilly Axster mit technischer Unterstützung von Jan Schlebach, Felix Schreinemacher und Niklas Görigk auf die Bühne des Pädagogischen Zentrums. Das Stück handelt von Aufzeichnungen jüdischer Kinder im KZ. Die jungen Darsteller gaben so einen Einblick in die Schrecken der damaligen Zeit aus Sicht der Schwächsten der Gesellschaft.

An den Bühnenwänden hingen Kopien von Kinderzeichnungen, die ebenfalls in Konzentrationslagern angefertigt wurden. Auch sie legten Zeugnis darüber ab, welche Gedanken und Träume die Jungen und Mädchen hatten. Doch wie konnten diese das Eingepferchtssein überhaupt lange überstehen? Das erfuhren die Zuschauer des Theaterstücks in anderthalb Stunden und bekamen einen Einblick in Unvorstellbares. Ein Klavier untermalte zudem mit traurigen Klängen die Geschehnisse.

Diese begannen bei völliger Dunkelheit und Stille im Saal, was allein schon bei vielen Anwesenden ein beklemmendes Gefühl auslöste. Auf der Bühne klagte verzweifelt ein Elternpaar: „Der Schuh, den wir in der Hand halten, ist das einzige Überbleibsel unserer Tochter...“

Mit Taschenlampen gingen vom Saal aus zwei Akteure an die Bühne und versuchten, diese zu erklimmen, was jedoch nicht klappte. So visualisierten sie einen Ausbruchsversuch über die Mauer eines KZ, der fatal endete: „Sie wurden von Kugeln durchsiebt!“ Andere Kinder versuchten ebenfalls, im Schutz der Dunkelheit zu fliehen – ohne Erfolg.

Nichtsdestotrotz entwickelten die Sprösslinge unermüdlich Überlebensstrategien. Vor allem brauchten sie Essen, das sie von Wärtern kaum bekamen. Und selbst um das Wenige, das sie erhielten, mussten sie kämpfen: „Wenn man sein Brot nicht festhält, wird es einem nachts von anderen Kindern weggenommen“, flüsterte eins von ihnen.

Da die Kinder wegen der schlechten Ernährung dünn waren, konnten sie sich manchmal durch einen Kanalschacht zwängen und an einen Platz schleichen, wo es Konserven gab, die sie ins Ghetto schleppten und so ihr Überleben ermöglichten. Auf dem Kanalwasser ließen sie Papierschiffchen gleiten und träumten davon, mit ihnen ans Meer zu schwimmen.

Die Jungen und Mädchen schrubbten den Bühnenboden – Arbeiten, wie sie sie auch im KZ verrichten mussten. Und immer wieder gab es schreckliche Zwischenfälle, etwa wenn Aufseher ein Kind mit Schäferhunden an einen elektrischen Zaun hetzten, wo es starb. Kein Wunder, dass der Aufenthalt in solch menschenunwürdiger Umgebung Spuren hinterließ: „Niemand von uns konnte weinen – wir haben uns verändert.“

Kinder wollen spielen und ahmen dabei oft Erwachsene nach. Doch die Spiele in den Ghettos unterschieden sich deutlich von denen außerhalb: Sie imitierten Grausamkeiten der Aufseher oder spielten „Leichen in eine Grube werfen“. Selten waren sie unbefangen – beispielsweise, wenn sie einen Sack Kleidung erhaschten und sich verkleiden konnten. Und fröhlich kletterten sie in die Waggons, wenn ihnen gesagt wurde, es ginge aufs Land zu Blumen und Schmetterlingen – statt dessen wurden sie irgendwo erschossen.

Sichtlich beeindruckt erhielt die junge Truppe reichlich lang anhaltenden Applaus, und viele dachten wohl wie Annemarie Jürgens aus Mönchengladbach: „Die Höhen und Tiefen dieses schwierigen Themas haben die Schüler äußerst eindrucksvoll dargestellt!“

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