Übach-Palenberg: Ausstellung "We, the six million" im CMG eröffnet

„We, the six million“ : Ausstellung zeigt Lebenswege von Opfern der Shoah

„We, the six million“ lautet der Titel einer Wanderausstellung für Schulen, die Studierende der RWTH Aachen mit Professor Dr. Guido Meyer vom Institut für Katholische Theologie erarbeitet haben.

Die Schau, die den Untertitel „Lebenswege von Opfern der Shoah aus dem westlichen Rheinland“ trägt, macht gerade Station im PZ Übach-Palenberg. Noch bis zum kommenden Freitag, 11. Oktober, können sich Gruppen über das Sekretariat des Carolus Magnus Gymnasiums anmelden, um die sehenswerte Ausstellung zu besuchen.

Zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung konnte Dr. Hans Münstermann, Leiter des Carolus Magnus Gymnasiums, auch die Macher der Ausstellung herzlich begrüßen, unter ihnen die Studierenden René Porgor und Alexander Hermert, die einst selbst Schüler des Übach-Palenberger Gymnasiums gewesen waren. Mit dem Lied „Die Gedanken sind frei“ eröffneten Schülerinnen und Schüler der Musikkurse unter der Leitung von Annemarie Steinmetz die Feier.

Schulleiter Münstermann verwies in seiner Rede auf die Bedeutung einer solchen Ausstellung gerade in einer Zeit, in der „so ein Volksverhetzer“ die Diktatur der Nationalsozialisten mit sechs Millionen Opfern als „Vogelschiss“ in der Geschichte Deutschlands bezeichne. Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch verwies darauf, dass die Ausstellung gerade für unsere Region einen hohen Stellenwert habe, denn sie veranschauliche Lebenswege von Opfern des Holocaust aus dem westlichen Rheinland und rufe deren Lebenswege ins Gedächtnis der Menschen von heute. Das CMG zeige wieder einmal, dass es das Zertifikat „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ als Arbeitsauftrag verstehe.

„Die Gedanken sind frei“ sangen Schüler des Übach-Palenberger Gymnasium bei der Eröffnung der Ausstellung „We, the six million“. Foto: Dettmar Fischer

Professor Dr. Guido Meyer berichtete den Gästen der Eröffnungsfeier über die Entstehung und den Sinn der Ausstellung. In einer Seminargruppe hätten seine Studenten begonnen, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie es zu Antisemitismus komme. Es hätten sogar noch Gespräche mit jüdischen Bürgern geführt werden können, die Konzentrationslager überlebt haben. So hätte eine 80-jährige Dame erzählt, wie sie einmal zusammen mit ihrer Mutter vor dem berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele gestanden habe und welches Leid ihr angetan worden sei.

„Wir müssen heute Bewusstseinsbildung betreiben“, forderte Guido Meyer. Dies geschehe auch mit dieser Ausstellung. Die Schau sei für 2019 ausgebucht, für 2020 seien ebenfalls fast alle Termine vergeben. Dann gehe sie in einer englischsprachigen Version in die Welt hinaus.

Hinter den Rollups der Ausstellung steckten viel professionelle Arbeit und zwei Buchpublikationen, erläuterte Meyer. Er machte deutlich, dass diese Ausstellung sich auch gegen den Geist der Politiker wende, die so tun, als seien die Verbrechen der NS-Zeit nichts weiter als ein „Vogelschiss“.

Meyer forderte die Ausstellungsbesucher auf, es nicht beim Anschauen zu belassen. „Die Stellwände sprechen zu Ihnen, machen Sie was draus. Machen Sie etwas, was bleibt.“ Lehrerin Gisela Birken, die die Ausstellung am Gymnasium betreut, hatte mit ihrer Klasse 9a eine eindringliche Performance vorbereitet. Unter dem Titel „Hätten wir…“ machten die Schüler anschaulich, was Zivilcourage bedeutet angesichts einer Diktatur, die sich mehr und mehr in das gesellschaftliche Leben ausbreitet, wie beim Aufruf der Nazis zum Boykott jüdischer Geschäfte im April 1933.

Wie hätte man sich selber in diesem Moment verhalten, fragten die Schüler nach. Zur Erinnerung an die Übach-Palenberger Juden, die Opfer des Nationalsozialimus wurden, verlasen Schüler deren Namen, während Mitschüler für jedes Opfer eine Sonnenblume in eine Vase am Bühnenrand stellten.

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