Übach-Palenberg: Anwohner kritisieren Planung Baugebiet Thornstraße

Seniorenwohnanlage Thornstraße : „Erhebliche Probleme bei Planung und Erschließung“

Die Stadtverwaltung Übach-Palenberg meint, sie habe alles getan, um die Einwände der Bürger beim neuen Baugebiet „Seniorenwohnanlage Thornstraße“ in Übach zu berücksichtigen. Einige Anwohner sind dennoch stinksauer, weil sie ihre Interessen nicht vertreten sehen. Sie stellen die Frage: „Wessen Interessen liegen der Stadtverwaltung näher, die eines Bauinvestors oder die seiner Bürger?“

Das Baugebiet „Seniorenwohnanlage Thornstraße“ entsteht größtenteils auf einem Gelände auf dem ehemals ein bäuerlicher Betrieb stand. Der Landwirt ist ausgesiedelt, hatte zunächst versucht, das Grundstück alleine zu vermarkten und hatte es schließlich an einen Heinsberger Investor verkauft. Derzeit ruhen die Bauarbeiten mehr, als das es vorangehen würde. Angelegt ist allerdings die Baustraße

Diese Baustraße ist sehenswert. Das Gefälle hat es in sich, von der hinteren Kante zu den Grundstücken an der Kollwitzstraße fällt die Baustraße dermaßen zur Thornstraße hin ab, dass man den Eindruck gewinnen kann, hier habe jemand eine Seifenkistenbahn oder Skipiste anlegen wollen.

Dr. Martin Kerkhoff und Klaus Reinartz haben ihre Häuser in diesem Wohnviertel, auch „Malerviertel“ genannt, das in den 1970er Jahren gewachsen ist und das neue Baugebiet umschließt. Sie haben sich mit einem Brief an den Bürgermeister der Stadt Übach-Palenberg, Wolfgang Jungnitsch, und die im Rat der Stadt vertretenen Fraktionen gewandt, um auf die „erheblichen Probleme“ in Bezug auf die Planung und Erschließung des Baugebietes „Seniorenwohnanlage Thornstraße“ hinzuweisen. Sie sind derzeit in der Nachbarschaft unterwegs, um über eine Unterschriftenaktion deutlich zu machen, dass die Anwohner hinter ihrem Anliegen stehen. „Es haben sogar Anwohner unterschrieben, von denen ich es zunächst gar nicht erwartet hätte“, sagt Martin Kerkhoff. Derzeit haben sich schon 50 Einwohner in die Liste eingetragen.

Die Ursache für die Probleme sei die bereits angelegte Baustraße, argumentieren Kerkhoff und Reinartz. „Sie liegt deutlich über dem natürlichen Geländeprofil, und zwar um mindestens 0,70 Meter auf Seiten der Thornstraße, mindestens 1,70 Meter auf Seiten der Kollwitzstraße. Dieser Höhenversatz nimmt weder Rücksicht auf die Interessen der Anlieger, noch entspricht er einer umweltbewussten Bauplanung“, heißt es im Schreiben. Da die Baustraße extrem über dem Geländeniveau liege, müssten die 16 rund 300 Quadratmeter großen Bauparzellen in dem etwa 6000 Quadratmeter großen Baugebiet aufgefüllt werden.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Baugebiet liegt der Spielplatz Kollwitzstraße. Foto: Dettmar Fischer

Die beiden gehen davon aus, dass tausende Kubikmeter neues Erdreich eingebracht, verdichtet und durch massive Stützmauern abgesichert werden müssen. Die Anwohner würden genötigt, Sichtschutzmaßnahmen für ihre Grundstücke und Häuser zu ergreifen. Klaus Reinartz und Martin Kerkhoff befürchten zudem, dass bei Starkregen durch die völlig neue Gefällesituation das Oberflächenwasser aus der Seniorenwohnanlage in die tiefer gelegenen benachbarten Grundstücke abfließen wird. Sie schreiben: „Das alles bedeutet für die jetzigen Anwohner eine erhebliche Wertminderung ihres Eigentums.“

Um eine Stellungnahme gebeten, antwortete die Stadtverwaltung unserer Zeitung mit einem zweiseitigen Schreiben, in dem sie die Rechtmäßigkeit der Aufstellung des betreffenden Bebauungsplans erläutert. Es habe zwei öffentliche Auslegungen gegeben und zwar von Mai bis Juni 2014 sowie von Dezember 2017 bis Januar 2018. Während der ersten Auslegung seien Bedenken der Nachbarschaft unter anderem des Absenders des Briefes (Klaus Reinartz, Anm. der Redaktion) erörtert und auch der Planentwurf im Rahmen der Abwägung geändert worden. Die Verwaltung schreibt: „So wurden unter anderem die Höhen der künftigen Erdgeschossfußböden sowie die dazugehörigen Bezugspunkte in der neu anzulegenden Straße festgesetzt.“ Gerade auf die Höhenfestsetzungen im Bereich der neuen Häuser und der Straßenoberfläche sei in der veröffentlichten Sitzungsvorlage zu den Sitzungen dreier Ausschüsse, die im November 2017 tagten, ausdrücklich hingewiesen worden.

Zur zweiten Auslegung des Bebauungsplans (Dezember 2017 bis Januar 2018) habe es weder von den beteiligten Behörden, noch von den Bürgern Einwände gegeben. „Und wie gesagt, die Straßen- und Erdgeschossfußbodenhöhen der neuen Häuser wurden in diesem neuen Bebauungsplanentwurf ganz konkret und detailliert angegeben“, unterstreicht die Stadtverwaltung. Klaus Reinartz erklärt, er habe sich zu Beginn des Verfahrens, also während der ersten öffentlichen Auslegung, noch sehr intensiv mit den Planungen befasst. Von der höhergelegten Straße habe er aber erst Kenntnis erhalten, als sie vor seinem Garten angelegt worden sei.

Einen zweiten Punkt, der sich mit der Stadtentwicklung befasst, sprechen die beiden Briefschreiber exemplarisch mit dem an das Baugebiet angrenzenden Spielplatz Kollwitzstraße an. Der Spielplatz ist in die Jahre gekommen, hat aber einen Parkcharakter mit hohen Bäumen angenommen, den sie nicht missen möchten und für den bevorstehenden Generationswechsel im „Malerviertel“ erhalten wollen. Der komplette Park an der Kokoschkastraße sei bereits an einen ortsansässigen Unternehmer verkauft worden, warnen sie.

Bezüglich des Spielplatzes Kollwitzstraße, so die Stadtverwaltung, vertrete sie mit den Absendern die Auffassung, dass aufgrund des Generationenwechsels künftig eine verstärkte Nutzung möglich sei. Es gebe derzeit keine Planung, diesen Spielplatz einer Wohnbebauung zuzuführen.

Im Gespräch mit Klaus Reinartz und Dr. Martin Kerkhoff wird deutlich, dass es ihnen neben Baugebiet und Spielplatz auch um die ökologische Entwicklung ihrer Stadt geht, die sich mit der Schokoladenfabrik anstelle der Zechentürme ein neues Wahrzeichen gesetzt habe. Die Stadtverwaltung argumentiert, „die beiden Absender“ hätten wie alle anderen Bürger die Möglichkeit, sich über Anregungen und Bedenken im Verfahren oder anlässlich von Einwohnerversammlungen an der öffentlichen Meinungsbildung zu beteiligen.

Beim Baugebiet „Seniorenwohnanlage Thornstraße“ scheint der Versuch, sich am politischen Prozess zu beteiligen, allerdings gründlich schief gelaufen zu sein. Es wird sich zeigen, wie deutlich die Anwohner nun ihren Bedenken Ausdruck verleihen. Rechtlich dürfte nach der Baugenehmigung nicht mehr viel zu machen sein. Aber Politik ist ja auch Meinungsbildung und diese schafft Wahlergebnisse.

Mehr von Aachener Nachrichten