Übach-Palenberg: Am Tag des Denkmals ist die Via Belgica das Thema

Beim Tag des offenen Denkmals dabei : Zeugen einer lebendigen Geschichte an der Via Belgica

Schnatternd drehen die Enten verspielt ihre Kreise auf dem See. Die Sonne wärmt ihre Federn. Kinder schlendern mit ihren Eltern am Ufer des Gewässers im Palenberger Naherholungsgebiet entlang, während so manches Mädchen und so mancher Junge das erste Radfahrtraining genießt.

Senioren freuen sich über die Schönheiten der Natur, Hundebesitzer über die große Auslauffläche für ihre treuen Vierbeiner. Worauf an diesem Nachmittag kaum einer achtet, sind die alten Steine, genauer gesagt die fast 2000 Jahre alten Steine, die am Uferrand eine Ruine bilden.

Was 1988 im Laufe der Jahre bei der Entwicklung des Naherholungsgebietes freigelegt wurde, präsentiert sich heute mit Graffiti beschmiert und teilweise mit Unkraut überwuchert. Die Ruine ist der Rest eines römischen Badehauses, das auch etwa 2000 Jahre nach seiner Errichtung  noch erhalten ist. Im Auftrag der Stadt Übach-Palenberg wurde nach der Freilegung unter Aufsicht des Amtes für Bodenkmalpflege im Rheinland der historische Fund konserviert, so dass sich auch nachfolgende Generationen noch eine Vorstellung von dem 13 mal sechs Meter großen Badehaus mit Auskleideraum, beheiztem Baderaum und beheiztem Schwitzraum direkt am Ufer der Wurm machen können.

Einer der sich in der Geschichte seiner Heimat und besonders der Römerzeit in Übach-Palenberg bestens auskennt, ist Matthias Zavratak vom Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Seit seinem 18. Lebensjahr beschäftigt er sich mit archäologischen Funden, war mit dem in ganz Deutschland bekannten Übach-Palenberger  Heimatforscher Richard Riediger befreundet. „Ihn habe ich mit Schlapphut und Fahrrad in der Heide gesehen, mit ihm habe ich mich angefreundet und habe dann 40 Jahre mit ihm zusammen heimatgeschichtlich gearbeitet“, blickt Zavratak, mehr als zehn Jahre Vorsitzender und heute zweiter Vorsitzender der Denkmalpfleger, zurück.

Funde in einer Panzerstraße

Riediger hatte bereits 1943 in einer Panzerstraße im Wurmtal Reste eines Gutshauses gefunden, zu dem auch etwa zehn Nebengebäude und das Bad gehörten. „Das Wasser für das Badehaus kam aus einer Quelle in Zweibrüggen, wurde über den heutigen Friedhof in Palenberg geleitet, im Badehaus genutzt und dann als Abwasser in die Wurm geleitet“, weiß Zavratak. Die Reste des Haupthauses unter dem Panzergraben wurden wieder zugeschüttet und gerieten in Vergessenheit. Bis auf ein paar Fußboden- und Dachziegel aus Ton, die der mittlerweile verstorbene Riedeiger in seiner Sammlung hatte.

13 mal 6 Meter groß war das römische Badehaus mit Auskleideraum, Baderaum und Schwitzraum. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Matthias Zavratak hat viel zu erzählen über die römische Geschichte in unserer Heimat und von den zehn bis 15 Gutshäusern in unserer Region an den Ufern der Wurm. Am Tag des offenen Denkmals , der am Sonntag, 8. September, bundesweit von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert wird, ist die römische Heerstraße Via Belgica sein Thema. Sie führte von Köln, beginnend in der heutigen Aachener Straße, über Jülich, Baesweiler, Rimburg, Tongern nach Boulogne sur Mer an der französischen Küste.

Ein fünf Kilometer langes Teilstück verlief über das heutige Stadtgebiet von Übach-Palenberg.  Im Gegensatz zum römischen Leben entlang der Wurm, das durch die Ruine des Badehauses dokumentiert wird, ist von der Via Belgica, die durch Felder und Waldgebiet bei Rimburg führte, heute nichts mehr sichtbar.

Treffpunkt auf der Wurmbrücke

Auch wenn Matthias Zavratak keine sichtbaren Reste zeigen kann, so kann er doch am Sonntag, 8. September, 15 Uhr, auf der Wurmbrücke bei Rimburg, Treffpunkt am Friedensmal Rimburg, anschaulich über das Leben auf der Via Belgica berichten. „100.000 Kilometer Heerstraßen haben die Römer in ihrem Reich gebaut“, weiß der pensionierte Polizeibeamte.

Er hat am Tag den Denkmals viel über die Via Belgica zu erzählen: Matthias Zavrtak. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Zwei Heerstraße erster Ordnung beginnen seiner Schilderung nach in Köln. Eine, die Via Agrippa beginnt in Köln  und führt nach Trier, die zweite, die Via Belgica von Köln nach Nordfrankreich. Dabei ist die Via Belgica unabhängig von den römischen  Siedlungen im Wurmtal zu sehen, liegt sie doch etwa eineinhalb Kilometer entfernt. Von Köln aus, so berichtet Zavratak, setzten die Römer „frische“ Legionen nach Nordfrankreich in Bewegung, die nach England übersetzten, um dort lange stationierte Soldaten abzulösen. Diese marschierten dann über die Via Belgica zurück nach Köln. „Eine Legion umfasste damals 6000 bis 7000 Soldaten, manche nahmen Frau und Kinder mit, so dass Trupps in einer Stärke von 10.000 Menschen unterwegs waren“, sagt der Heimatforscher.  

30 bis 50 Kilometer am Tag legten sie zurück. Entlang der Via Belgica entstanden kleinere und größere Dörfer, wie Rimburg, Heerlen und Tongeren. Acht Meter breit war die Via Belgica, die im ersten Jahrhundert nach Christus gebaut wurde. Das war allerdings nur die in Kies gelegte Fahrbahn für Pferde und Kutschen. Beiderseits der Bahn befanden sich etwa 1,50 Meter breite Wege für die marschierenden Fußtruppen, daneben gab es reichlich Platz für Viehherden. „Entlang der Heerstraße befanden sich Wachtürme, auf der Straße selbst patrouillierten Sicherheitskräfte“, berichtet der Heimatforscher, der am Sonntag, 8. September, sicherlich noch viel Interessantes über das Leben auf der Via Belgica berichten kann.

Entlang der Via Belgica liegen viele Sehenswürdigkeiten, unter anderem Schloss Rimburg. Foto: ZVA/Udo Stüßer
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