Mehr Senioren engagieren sich im THW 

Aktiv im Ruhestand : Mehr Senioren engagieren sich im THW

Immer mehr ältere Menschen können und wollen nach dem Berufsleben aktiv bleiben. Davon profitieren ehrenamtliche Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk (THW) sehr. Der Ortsverband Übach-Palenberg freut sich über jedes Mitglied.

Der demografische Wandel stellt ehrenamtliche Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk (THW) vor neue Herausforderungen: Die Konkurrenz um die Jugend ist groß. Aber auch immer mehr ältere Menschen können und wollen nach dem Berufsleben aktiv bleiben und suchen nach einer sinnvollen Beschäftigung für den Ruhestand.

Das THW bietet dieser wachsenden Bevölkerungsgruppe deshalb gleich mehrere Möglichkeiten, sich einzubringen – als Helfer im THW-Ortsverband oder im Bundesfreiwilligendienst. Bundesweit sind nach der Jugend die am schnellsten wachsende Gruppe im THW: die Senioren. Waren es Ende 2017 noch rund 5.100 Helfer über 60 Jahre, sind es heute bereits mehr als 5.500.

Diese Entwicklung spürt auch der Ortsverband Übach-Palenberg. „Viele Menschen sind im Alter heute körperlich und geistig noch sehr fit“, hat Ortsbeauftragter Hans Engels beobachtet. „Sie verfügen über viel Lebenserfahrung – dieses Potenzial gilt es zu nutzen.“ Gleichzeitig hätten Rentner auch  mehr Zeit als beispielsweise ein frischgebackener Familienvater.

„Auch wir haben neuerdings zwei Seiteneinsteiger im Team, der eine ist 58 Jahre alt, der andere 47“, erzählt Stephan Frambach, stellvertretender Ortsbeauftragter. Weiterhin hat der Ortsverband einige Bewerbungen von Menschen jenseits der 50 Jahre auf dem Tisch liegen: „Die Seiteneinsteiger nehmen zu. In den vergangenen fünf Jahren haben wir so sieben neue ehrenamtliche Helfer gewonnen.“ 

Das älteste Mitglied im Verband sei aktuell 73 Jahre alt. Anders als in der freiwilligen Feuerwehr gibt es beim THW keine Altersgrenze. „Und das ist auch gut so. Mit einer Altersgrenze fällt viel Know-how einfach weg“, findet  Hans Engels. In NRW ist die Obergrenze für den aktiven Einsatzdienst in der freiwilligen Feuerwehr bei 67 Jahren, bereits ab 60 Jahren ist der Übertritt in die Ehrenabteilung  möglich. Bis 2017 musste man in der freiwilligen Feuerwehr noch  mit 63 Jahren in Rente gehen. Doch um flexibler auf die Nachwuchssorgen reagieren zu können, wurde die  Verordnung für die Wehren geändert.

„Wir haben früher komplett auf die Jugend gebaut. Das hat uns auch gerettet, als die Wehrpflicht weggefallen ist“, blickt Engels zurück. Doch Fakt sei: Viele Jugendliche ziehen für ein Studium oder eine Ausbildung weg. „Wir haben den Eindruck, dass wir Jugendliche nur halten können, wenn wir sehr viel Wert auf eine hohe Qualität in der Ausbildung legen.“ Teilweise gelinge es auch, die Eltern über ihre Kinder für den THW zu begeistern.

Der Ortsverband Übach-Palenberg vom THW übt regelmäßig für den Ernstfall. Eine sogenannte „Leonardo-Brücke“ gehörte dabei dazu. Foto: Markus Bienwald

„Wir machen bisher keine gezielte Kampagne, um ältere Menschen für uns zu gewinnen“, so Frambach. „Diese Menschen kommen von sich aus auf uns zu.“ „Oftmals haben sie den Wunsch, nach dem Berufsleben der Gesellschaft etwas Gutes zu tun und etwas zurückzugeben“, fügt Engels hinzu, der seit seinem 16. Lebensjahr im THW aktiv ist.

In der Ausbildung für den Einsatzdienst werde dabei nicht nach Alter getrennt. „Alle machen die Grundausbildung zusammen“, sagt Frambach, der sich im Jahr 2000 für einen Einsatz beim THW und gegen die Wehrpflicht entschied.

In 120 Unterrichtsstunden befassen sich die THW-Neulinge mit den Grundlagen in Theorie und Praxis „Wir sind eine THW-Familie. Da wird nicht nach dem Alter getrennt“, betont auch der 59-jährige Dienststellenleiter. Er sei noch im aktiven Dienst dabei:  „Ich schätze Seiteneinsteiger in einem gewissen Alter sehr. Sie bringen Ruhe und einen Ausgleich in die Gruppe – das ist für beide Seiten eine Win-win-Situation.“ Nach der Grundausbildung folge dann die Fachausbildung. „Dabei wird über ein Jahr lang das Wissen erweitert und vertieft, beispielsweise im Bereich der Motorsäge“, erklärt Frambach.

Auch wer gesundheitlich nicht mehr 100 Prozent fit und somit nicht mehr einsatzfähig ist, wandert beim THW nicht aufs Abstellgleis. Die Ortsgruppe Übach-Palenberg verfügt neben dem technischen Zug noch über einen Zug für Führung und Kommunikation. Diese Fachgruppe dient der Führung von THW-Einheiten sowie der technischen Unterstützung von Einsatzleitungen.

Sie übernimmt die Kommunikationsaufgaben, die zur Führung der Einsatzkräfte und für die Verbindung zum Bedarfsträger erforderlich sind.  Außerdem gibt es in der Ortsgruppe noch den OV-Stab, die Leitungs- und Verwaltungsabteilung, die sich um  die administrativen Aufgaben in der Verwaltung kümmert. „Wenn jemand beispielsweise nicht mehr schwer heben kann, gibt es noch immer sehr viele Möglichkeiten für ihn, sich einzubringen“, betont Frambach. „Arbeit gibt es bei uns mehr als genug.“

Neben dem ehrenamtlichen Engagement als Helfer bestehe im THW auch die Möglichkeit, sich als Rentner über den Bundesfreiwilligendienst einzubringen. „Aktuell haben wir keinen Bufdi, aber wir könnten zwei aufnehmen. Die Schulungen finden dann in Mönchengladbach statt“, so Engels. „Viele wissen es nicht, aber auch für Bufdis gibt es keine Altersgrenze.“

Die Ortsgruppe sucht immer neue Mitglieder. Interessierte können über die Internetseite des THW Übach-Palenberg (www.thw-uebach.de) sowie über Facebook und Instagram, jeweils „@thw.uebach“, Kontakt aufnehmen.

Neue Helfer willkommen

Außerdem ist das THW jeden  Mittwoch ab 19 Uhr in seinem Sitz in der Werkstraße 3 in Übach-Palenberg anzutreffen.

„Da kann man gerne vorbeischauen“, ermutigt Hans Engels. Wer Mitglied werden möchte, muss gesundheitlich fit sein. „Es gibt einen Check-Up, aber die Hürde ist nicht sehr hoch“, führt der Dienststellenleiter aus. Wichtig sei der Impfstatus, aber auch da würde das THW die eventuell anfallenden Kosten für Impfungen übernehmen.

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