Jugendliche wollen Beirat in Übach-Palenberg gründen

Frischer Wind in Übach-Palenberg : Jugendliche wollen Beirat gründen

Für frischen Wind im Übach-Palenberger Rathaus: Drei junge Männer haben beschlossen, einen Jugendbeirat zu initiieren. Los gehen soll es bereits im kommenden Frühjahr. Jeder ist willkommen.

Als Yunus Benli, Marco Thielscher und Max Winkowski ihren gemeinsamen Antrag mit den Grünen zur „Attraktivitätssteigerung des Freizeitangebotes für Jugendliche und junge Erwachsene der Stadt Übach-Palenberg“ mit ihrer Anwesenheit im Ausschuss unterstützen wollten, waren die drei Jugendlichen von der Altersstruktur ihrer gewählten Vertreter schockiert. Nur zwei Politiker seien ihnen durch ihr junges Alter zwischen den ansonsten überwiegend älteren Männern aufgefallen.

„Die Politik hat keinen Bezug zur Jugend“, ist der 21-Jährige Max Winkowski  (Linke) überzeugt. „Junge Leute sind sehr stark unterrepräsentiert in Übach-Palenberg.“ Aus diesem Grund haben die drei jungen Männer beschlossen, einen Jugendbeirat für Übach-Palenberg zu initiieren. Dieser soll sich in der Kommune für die Interessen der Jugend stark machen, ihre Projekte nach vorne bringen und generell für frischen Wind sorgen.

„Eine Person alleine kann nicht das Sprachrohr einer ganzen Generation werden“, sagt der 22-jährige Marco Thielscher (Grüne) und spielt damit auf eine Aussage von Nico Einmahl an. „Dafür braucht es einen Jugendbeirat mit gewählten Vorsitzenden.“ Der junge SPD-Politiker Einmahl wird im kommenden Jahr einen Wahlkreis für seine Partei übernehmen und hatte in einem Interview mit unserer Zeitung angekündigt, den jungen Menschen in der Stadt eine Stimme geben zu wollen.

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch steht dem Engagement der Jugendlichen positiv gegenüber. Er möchte deren „lobenswerte Initiative, sich politisch zu engagieren, unterstützen“, heißt es aus der Presseabteilung der Stadtverwaltung.

Konflikt zur Vorgehensweise

Um dies zu unterstreichen, hat es dazu in der vergangenen Woche ein Gespräch mit den Jugendlichen, dem Bürgermeister und Vertretern der Verwaltung im Rathaus gegeben. „Hierbei wurden verschiedene Möglichkeiten der Jugendbeteiligung besprochen und Hilfestellungen seitens der Verwaltung angeboten“, berichtet Pressesprecherin Lea Pannhausen.

Um die Partizipation von Jugendlichen zu fördern, gebe es bereits eine Satzung, die die Gründung eines Jugendforums vorsieht. Hieraus können die Mitglieder sodann einen Jugendbeirat wählen und sich selbst eine Geschäftsordnung geben: „Sofern Interesse seitens der Jugendlichen besteht, könnte die Verwaltung zeitnah zu einer Gründungsversammlung einladen, und der Jugendbeirat könnte bereits in Kürze seine Arbeit aufnehmen.“

Aufgrund der Sitzungstermine des Rates und der Ausschüsse könnte eine Änderung der bestehenden Satzung oder Erlass einer neuen Satzung frühestens im Februar 2020 erfolgen, so dass ein Jugendbeirat sodann erst mit Beginn des Frühlings seine Arbeit aufnehmen könnte, führt Pannhausen weiter aus.

„Vor unserem Termin mit dem Bürgermeister haben wir uns mit den Jugendbeiräten in Herzogenrath und  Roetgen ausgetauscht und deren Satzungen angeschaut“, berichtet Max Winkowski. Auch haben sich die Initiatoren bereits mit dem Demokratiekurs am Carolus-Magnus-Gymnasium in Verbindung gesetzt.

Im Gespräch mit dem Bürgermeister habe es einen Konflikt gegeben. „Die Verwaltung will gerne den alten Jugendbeirat reaktivieren und dann im nächsten Schritt die Satzung anpassen. Wir wollen es lieber richtig machen und einen neuen Jugendbeirat mit neuer Satzung gründen“, erzählt Marco Thielscher. Der alte Kinder- und Jugendbeirat sei nur für drei Jahre aktiv gewesen und habe sich an Jugendliche bis 20 Jahre gerichtet. „Viele Interessierte sind bei uns aber älter als 20“, sagt Yunus Benli (SPD), der mit seinen 20 Jahren als einziger der drei Initiatoren gemäß der alten Satzung noch  mitmachen dürfte.

„So ein Beirat hat mehr Gewicht, wenn die Jugendlichen der Stadt ihn gründen.“  Dazu gebe es zahlreiche Beispiele aus der Praxis.  „Wir wollen den sauberen und nicht den schnellen Weg gehen“, ergänzt Marco Thielscher. „Treffen mit Interessierten sind schließlich auch schon vor der Gründung möglich.“ Die Gründung werde voraussichtlich erst im kommenden Frühjahr erfolgen. Am 28. November sei die Gründung eines neuen Jugendbeirates erstmals Thema im Rat: „Der lange Zeitraum ist nicht schlimm, so können wir uns gut vorbereiten.“

Rund zehn weitere Jugendliche und der Demokratiekurs haben bereits ihr Interesse an einer Mitgliedschaft im Jugendbeirat bekundet. Bei der Altersgrenze wollen sich die Initiatoren noch nicht festlegen. Bis 30 Jahre sei  im Gespräch.

Altersgrenze noch offen

„Auf jeden Fall auch schon Jugendliche unter 16 Jahre, denn die Kommunalwahlen sind schließlich ab 16“, so Yunus Benli. Grundsätzlich sei erst einmal jeder willkommen, der in Übach-Palenberg wohnt oder durch Schule, Arbeit, Ausbildung oder Sportverein einen Bezug zur Stadt hat.

Beirat arbeitet parteineutral

„Es soll ein Gründungstreffen geben und da werden wir dann auch über die Satzung sprechen“, sagt Max Winkowski. Interessierte können eine E-Mail  an jugendbeirat-uep@gmx.de schicken.

Ganz wichtig ist den drei Initiatoren allerdings, dass der Beirat parteineutral ist. „Wir kommen alle drei aus verschiedenen Parteien. Das soll im Beirat keine Rolle spielen“, betonen  sie. Auch legen die Drei es nicht darauf an, den Vorsitz im Beirat zu übernehmen. „Unser primäres Ziel ist, dass der Jugendbeirat gegründet wird und der Stein ins Rollen kommen“, sagt Max Winkowski. Auch thematisch wollen sie daher keine Vorschriften machen, haben aber einige Ideen.

Bei den Freizeitmöglichkeiten gebe es ihrer Meinung nach starken Aufbaubedarf. „Das können ganz kleine Sachen wie ein paar Hängematten im Naherholungsgebiet sein“, so Marco Thielscher. Auch an dem einzigen Treffpunkt der Jugend, der Skaterbahn, müsse dringend etwas passieren: „Aber da bewegt sich ja schon etwas durch unseren Antrag.“

Trotzdem gebe es noch zu wenig Treffpunkte für junge Leute in Übach-Palenberg. Aus Mangel an Alternativen treffe man sich daher meist mit mehreren Autos auf einem Supermarkt-Parkplatz oder bei Mc Donalds. „Das Mehrgenerationenhaus tut sein Besten, um die Jugend zu erreichen.  Aber sie schaffen es nicht“, so Thielscher. Beispielsweise würden die Öffnungszeiten nicht den Wünschen der Jugendlichen entsprechen. „In solchen Punkten muss der Beirat dann den Dialog suchen“, findet Max Winkowski.