Josef Gülpers ist Vorsitzender des Künstler Forums Schloss Zweibrüggen

Spagat schaffen : Künstler Forum Schloss Zweibrüggen hat neuen Vorsitzenden

Dr. Josef Gülpers sammelt seit seinem 20. Lebensjahr Kunst. Sein Haus im Aachener Stadtteil Verlautenheide legt ein beredtes Zeugnis dieser nun schon 40 Jahre währenden Leidenschaft ab.

Ein Lucas Cranach hängt in der Küche, dort wo andere Zeitgenossen die beliebten Jahreskalender mit den Namenstagen hingehängt haben, nämlich hinter der Küchentür. „Noch schlimmer“ erging es Pablo Picasso.

Picasso an der Kellertreppe

Obwohl Josef Gülpers seine Dissertationsarbeit über Picasso schrieb, hat er eine Zeichnung des großen Meisters nur an der Kellertreppe platziert. Bei 2500 Kunstwerken im Haus müssen halt auch die ganz Großen des Gewerbes mal in die zweite Reihe treten. Ein Künstler, der sofort beim Betreten des Hauses auffällt, ohne dass man in den Keller hinabsteigt (machen wir nachher auch noch) ist der Übach-Palenberger Künstler Hermann-Josef Mispelbaum. Gleich im Eingangsflur und dann über die beiden zwei Etagen des Hauses verteilt findet der Besucher Mispelbaums teils mannshohe Skulpturen aus Abfallmaterialien und einige schöne frühe Gemälde.

Jeder große Sammler braucht ein Archiv. Dort hortet er die Schätze, die im Haus keinen Platz mehr finden. Foto: Dettmar Fischer

Hermann-Josef Mispelbaum schlägt die Brücke zum Anlass des Gespräches und zwar hinüber zum Schloss Zweibrüggen, wo Gülpers demnächst seine erste Rede als 1. Vorsitzender des Künstler Forum Schloss Zweibrüggen halten wird.

Studiert hatte Josef Gülpers Geschichte und Deutsch für das Lehramt und aus Neigung Kunstgeschichte. Gülpers hatte schließlich der Not gehorchend, wie er erzählt, die Selbstständigkeit dem Lehramt vorgezogen. Er betreibt seit Jahren eine kleine Musikschule und ist freiberuflich für Aachener Museen tätig. Beim Gang durch seine Schatzkammern berichtet Gülpers, wie sich seine Sammlung entwickelt hat.

Leidenschaftlicher Sammler

Mit einem Freund hatte er in jungen Jahren die belgischen Antikmärkte abgeklappert. Als das Haus sich mit alten Dingen wie sperrigen Grammophonen gefüllt hatte, war er zur Kunst gekommen. Er hatte in Auktionshäusern gekauft, Lucas Cranach und andere Klassiker.

Eine lebensgroße Holzskulptur von Gotthardt Walter behauptet ihren Platz auf dem Treppenabsatz.    . Foto: Dettmar Fischer

Gleich neben dem Cranach in der Küche hängt ein schönes, expressionistisches Portraitgemälde von Josef Scharl aus dieser frühen Sammelperiode. Über den Kunsthof in Stolberg-Vicht gelangte Josef Gülpers an das erste Kunstwerk eines zeitgenössischen Künstlers, den er auch persönlich kennen lernte, den legendären Maler Hartmut „Haki“ Ritzerfeld.

Josef Gülpers faste damals den Entschluss, seine Sammlung auf zeitgenössische, regionale Künstler auszurichten. „Ich kaufe am liebsten bei einem Künstler, der mir auch als Mensch gefällt“, sagt Josef Gülpers. „Beim Kauf ist das Bauchgefühl ganz wichtig.“ Die Präsentation seiner Sammlung im Haus wechselt ständig. Beim Gang in den Keller vorbei an Picasso und einem frühen Werk von Haki Ritzerfeld zeigt Gülpers sein Archiv: Bilder über Bilder, dazwischen eine Grablegung Christi in Holz geschnitzt. Einen ziemlich guten Platz im Treppenhaus zwischen Erdgeschoss und erstem Stock hat derzeit Tim Berresheim inne. Berresheim wurde in Heinsberg geboren, lebt in Aachen und gehört zu den Protagonist der zeitgenössischen bildenden, computergenerierten Kunst.

Ihn mal für eine Ausstellung im Schloss Zweibrüggen gewinnen zu können, wäre ein Zukunftswunsch des neuen Vorsitzenden des Künstler Forums.  Wie Gülpers berichtet, habe sich der neue Vorstand bereits auf ein Jahresprogramm 2020 einigen können. Fortgeführt werden soll die Gliederung der vier jährlichen Ausstellungen. Eine Gemeinschaftsausstellung von jeweils drei Künstlern des Künstler Forums wird weiterhin zum Programm gehören. Da viele der 41 Mitglieder selber künstlerisch tätig sind, soll jedem reihum einmal diese Ausstellungsmöglichkeit geboten werden. Auch die Jahresausstellung soll zukünftig wieder den Künstlern des Künstler Forums gehören. Während in diesem Jahr die Jahresausstellung unjuriert allen Künstlern des Forums ohne eine thematische Beschränkung offen steht, soll 2020 ein Thema, wie beispielsweise „Landschaft“, die Jahresausstellung bestimmen.

Zu den Künstlern des Forums sollen dann auch Gastkünstler eingeladen werden, die sich auf das jeweilige Jahresthema spezialisiert haben. Die Jahresausstellung 2020 soll bereits im Mai als Kunsttour ausgerichtet werden.

Weiterhin zwei Ausstellungen

Es bleiben zwei Ausstellungen, die frei zu besetzen sind. Josef Gülpers erzählt, man habe auch diese beiden Ausstellungen für 2020 schon so gut wie in trockenen Tüchern. Namen möchte er aber noch nicht nennen, da das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. „Das Programm wird gut“, so viel verspricht Gülpers.

Als 2. Vorsitzender und Geschäftsführer des Forums für Kunst und Kultur Herzogenrath, wo er eine vielbeachtete Ausstellung seiner Sammlung regionaler, zeitgenössischer Künstler 2017 zeigen konnte, und durch seine Arbeit in den Aachener Museen ist Gülpers mit der regionalen Kunstszene gut vernetzt.

„Ich möchte in nächster Zeit etwas experimentieren“, meint Josef Gülpers, „und sehen, was bei Publikum und unseren Künstler ankommt.“ Es sei ein Spagat, den er als Vorsitzender zu leisten habe. Das Künstler Forum Schloss Zweibrüggen habe in seiner Satzung stehen, dass die Künstler des Vereins zu fördern seien. „Es ist ein Künstlerverein.“

Zum anderen müssten aber auch neue Künstler gezeigt werden, um das Interesse des Publikums zu wecken. Dabei könnte es sich aber durchaus auch mal um eine posthume Ausstellung etwa  der Konzeptkunst des 2010 in Aachen verstorbenen Peter Lacroix handeln. Josef Gülpers: „Wenn ich eine schöne Mischung habe, wird der Betrachter unser Programm sicherlich würdigen.“