Erneut Sicherheitsdienst vor Schulen in Übach-Palenberg

Nach Entlassung aus der Haft : Erneut Sicherheitsdienst vor Schulen in Übach-Palenberg

Ein Elternschreiben von der Gemeinschaftsgrundschule Palenberg sorgt auf Facebook für Verunsicherung, Aufregung und teils hitzige Diskussionen. In diesem Brief informiert Schulleiterin Martina Eichler die Eltern darüber, dass sich der Asylbewerber, „der in der Vergangenheit durch das unerlaubte Betreten von Grundschulen auffällig geworden ist“, ab Mittwoch, 11. September, wieder in Übach-Palenberg aufhalten wird.

„Da die Stadt Übach-Palenberg und die Polizei aus rechtlicher Sicht keine Handlungsmöglichkeiten haben, dem Mann zu helfen, hilft sie, indem sie wieder einen Sicherheitsdienst beauftragt, der für die Sicherheit der Kinder sorgen soll“, heißt es in dem Schreiben weiter. Der Sicherheitsdienst werde daher ab dem Mittwoch eingesetzt und kümmere sich darum, dass der Mann keinen Zugang zu Schulgebäuden und den dort lernenden Schülern hat.

Nicht unnötig verängstigen

„Unser erklärtes Ziel ist die Sicherheit aller Kinder“, so die Schulleiterin. Daher bittet sie die Eltern weiterhin, die Kinder nicht unnötig zu verängstigen. „Erzählen sie ihnen nur Dinge, die den Tatsachen auch wirklich entsprechen“, mahnt die Lehrerin. Außerdem sollen die Eltern ihrem Nachwuchs noch einmal sagen, dass er nicht mit Fremden mitgehen soll oder in deren Auto einsteigen darf. „Verdeutlichen Sie ihrem Kind, dass es nur dann mit anderen Menschen mitgehen darf, wenn Sie es ausdrücklich genehmigt haben“, schreibt Martina Eichler. Darüber hinaus solle mit dem Kind vereinbart werden, dass es darüber berichtet, wenn es zum Mitgehen oder Mitfahren aufgefordert wurde. „Bleiben Sie bitte ruhig und vermeiden Sie eine unnötige Panikmache zugunsten der Kinder“, mahnt die Schulleiterin zum Schluss eindringlich.

Auf Anfrage teilt die Stadt Übach-Palenberg mit: „Wie uns behördlich mitgeteilt wurde, wird sich die Person, die in der Vergangenheit durch das unerlaubte Betreten von Grundschulen auffällig geworden ist, ab dem 11. September wieder im Stadtgebiet aufhalten.“  Vor diesem Hintergrund habe die Stadtverwaltung als Schulträger den Schulleitungen der Grundschulen einen vorsorglichen Einsatz eines Sicherheitsdienstes an den Schulen ab dem 11. September angeboten.

Vor den Kindertagesstätten werde kein Personal postiert, da diese nicht in der Trägerschaft der Stadt Übach-Palenberg sind. „Die Stadt Übach-Palenberg erarbeitet gemeinschaftlich mit der Polizei Heinsberg sowie dem Kreis Heinsberg geeignete Lösungen“, so Pressesprecher Thomas de Jong weiter.

Im Dezember 2018 hatte der betreffende Asylbewerber über Wochen hinweg unerlaubt in mehr als zehn Fällen Schulen und Kitas betreten. Die  Verunsicherung  in Übach-Palenberg war damals groß. Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch hatte die Angelegenheit zur „Chefsache“ erklärt und an allen fünf Grundschulen der Stadt einen Sicherheitsdienst postiert.

„Der Mann war nach einem Gewaltdelikt, das er in Neuss begangen hatte, für mehrere Monate inhaftiert und wird nun aus dieser Haft entlassen“, gab der  Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Heinsberg, Karl-Heinz Frenken, auf Anfrage an. Der Asylbewerber wird seinen Wohnsitz wieder in Übach-Palenberg beziehen.

Fälle sollen sich nicht wiederholen

Aktuell würden entsprechende Vorbereitungen laufen. „Ziel ist es, dass es nicht mehr zu Fällen wie im Dezember 2018 kommen soll. Dabei arbeiten die Polizei, die Stadt Übach-Palenberg und der Kreis Heinsberg eng zusammen“, erklärt Frenken. Neben den durch die Behörden getroffenen Maßnahmen sei es sinnvoll, dass Eltern ihre Kinder weiterhin für das Thema sensibilisieren.

„Die Eltern sollten wissen, was los ist und sich nicht wundern, warum plötzlich ein Sicherheitsdienst vor der Schule steht“, erklärt Brigitte Wanzek, Konrektorin der Gemeinschaftsgrundschule Palenberg, die Beweggründe hinter dem Schreiben. Es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die Schule wolle keine unnötige Panik verbreiten, sondern sachlich mit dem Thema umgehen.  „Der Sicherheitsdienst wird vor dem Tor stehen und jeden ansprechen, den er nicht kennt oder wo nicht klar ist, ob er zur Schule gehört“, führt die Konrektorin aus. Reaktionen auf das Schreiben habe es an der Schule kaum gegeben: „Die meisten Eltern kennen das Vorgehen noch vom letzten Mal.“

Angelika Int-Veen vom Flüchtlingshilfeverein „Hand in Hand“ in Übach-Palenberg kennt den Asylbewerber persönlich. Sie hatte schon im Dezember 2018 betont, dass der Mann geistig verwirrt sei und dringend ärztliche Hilfe benötige. „Während seiner Zeit im Gefängnis hatten wir keinen Kontakt“, erzählt Angelika Int-Veen. „Ich halte ihn aber nach wie vor nicht für gefährlich oder aggressiv.“ Ihrer Meinung nach habe der Mann wahrscheinlich Schreckliches erlebt und sei traumatisiert. „Ich weiß nicht,  warum er in Schulen geht, aber einen sexuellen Hintergrund hat das nicht“, so  Int-Veen.

Mit Hilfe eines Dolmetschers habe sie erfahren, dass der Asylbewerber seine Tochter suche: „Vielleicht will er auch  wieder Schüler sein. Er ist einfach etwas neben der Spur.“ Int-Veens Erzählungen rund um den Mann erhärten diesen  Verdacht: So habe sich der Asylbewerber einmal spontan den Kopf kahl rasiert, eine Leggings angezogen und seine Unterhose darüber getragen – so sei er dann in die Stadt gegangen. „Eine  psychiatrische Behandlung wäre sinnvoller und billiger als jetzt die Sicherheitsdienste“, ist Int-Veen noch immer überzeugt.

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