Staatsanwalt fordert zwölf Jahre Haft: DNA an Klebeband bekräftigt Besitz von fünf Kilo Heroin 

Staatsanwalt fordert zwölf Jahre Haft : DNA an Klebeband bekräftigt Besitz von fünf Kilo Heroin 

Der junge Niederländer schüttelt ungläubig den Kopf. Soeben hat er vernommen, was die Staatsanwaltschaft für ihn fordert: Zwölf Jahre und vier Monate Haft. Der 26-Jährige soll Kopf einer Bande gewesen sein, die in großem Stil Drogen in Deutschland verkauft hat.

Ursprünglich hatten deswegen seit April 2018 vier Männer und eine Frau im hessischen Darmstadt vor Gericht gestanden. Zwei Angeklagte sind bereits verurteilt, der Niederländer wird der dritte sein. Das Verfahren gegen ein einstiges Paar aus Übach-Palenberg läuft noch.

Der Verteidiger des Angeklagten hat in seinem Plädoyer „nicht mehr als sieben Jahre“ sowie die Unterbringung des Heerleners in einer Entzugsklinik gefordert. Sein Mandant habe ein Geständnis abgelegt, sitze seit Sommer 2017 in Untersuchungshaft, sei selbst drogenabhängig und garantiert kein Chef gewesen. Dies müsse strafmildernd berücksichtigt werden.

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Der 26-Jährige habe das Sagen gehabt, Fahrzeuge für den Transport der Rauschmittel, darunter Heroin und Kokain, organisiert und mit seinem inzwischen ebenfalls in Hessen inhaftierten Bruder sogar Drogen aus den Niederlanden nach Deutschland geschmuggelt. Er bestimmte, welcher Kunde wann Drogen erhielt und nahm das Geld ein. Zudem habe er gezielt Mitstreiter angeworben, die für ihn weiterverkauften.

Die Aussage des Angeklagten, er habe auf Weisung Dritter gehandelt, bei denen er Schulden gehabt habe, hält sie für erfunden: „Hintermänner gab es nicht.“ Aus Telefonüberwachungen hätten sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben.  „Der Angeklagte handelte mit erheblichem Gewinnstreben, während alle anderen mit wenig abgespeist wurden“, so die Staatsanwältin.

Mehr als fünf Kilo Heroin

Besonders bitter dürfte für den Niederländer jedoch sein, dass die Staatsanwaltschaft ihm mehr als fünf Kilo Heroin zurechnen möchte, die erst nach der Durchsuchung eines Hauses in Übach-Palenberg „aufgetaucht“ waren. Das Haus habe als Lager für die Drogen gedient.

Der Heroin-Fund hatte kurz nach Prozessbeginn Aufruhr verursacht. Zwar hatten Polizisten aus Heinsberg eigenen Angaben zufolge das Haus „gründlich“ durchsucht, dennoch waren rund drei Monate später die Drogen im Keller gefunden worden – ausgerechnet vom mitangeklagten Ex-Partner der Hausbesitzerin.

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Dieses Heroin hatte der Niederländer dort abgelegt. Der aber beteuert seit Prozessbeginn, davon nichts zu wissen. Diese Drogen müssten erst nach seiner Inhaftierung von anderen, vielleicht sogar dem Mitangeklagten, versteckt worden sein.

Doch auch dieser Behauptung schenkt die Staatsanwältin keinen Glauben: „Die Durchsuchung durch die Beamten dauerte lediglich eine Stunde und 20 Minuten und der Keller war vollgerümpelt.“ In dieser kurzen Zeit habe man in dem Unrat gar nicht gründlich suchen können, die Drogen hätten bereits dort gelegen und seien übersehen worden. Außerdem: Auf dem Klebeband, mit dem eines der Päckchen umwickelt war, fand sich DNA des Heerleners. Er habe bei anderer Gelegenheit das Klebeband angefasst, andere hätten dann damit später das Paket umwickelt, hatten er und sein Anwalt argumentiert.

DNA-Fund am Klebeband

Wieder hält die Anklägerin dagegen: „Die DNA fand sich an einer Stelle, an die sie nicht durch zufälliges Anfassen hinkommen konnte“, zitiert sie einen Sachverständigen, der ein Gutachten zu dieser Frage erstellt hatte. Zudem habe sich der Niederländer am Telefon mit der Angeklagten aus Übach-Palenberg über die Drogen unterhalten.

Dabei war von elf Paketen die Rede, von denen sich die Frau etwas „zum Eigenbedarf“ habe abzwacken dürfen. „Und genau elf Pakete wurden gefunden, bei denen exakt die Menge fehlte, die sich die Mitangeklagte nehmen durfte“, so die Staatsanwältin. Die Beweislage sei eindeutig. Der Verteidiger des Heerleners gibt zu bedenken, dass die DNA ohnehin nur an einem der Pakete sichergestellt worden war. Wenn überhaupt, dürfe dem Angeklagten dann auch nur das eine Päckchen zugerechnet werden.

Das Urteil soll am 25. Februar fallen.

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