Jugendlichen sehen sich auf dem Kieker : Demokratiekurs will Badepersonal im Ü-Bad begleiten

Jugendlichen sehen sich auf dem Kieker : Demokratiekurs will Badepersonal im Ü-Bad begleiten

In dieser Freibadsaison sind im Ü-Bad in Übach-Palenberg testweise lockere Badeshort erlaubt. Jüngst hatte unsere Zeitung nach einem Zwischenfazit gefragt, und es wurde seitens der Verwaltung von einem zunehmen der Verstößen gegen die Badeverodnung, zum Beispiel dem fehlendem Abduschen vor dem Sprung ins Wasser und dem Tragen einer Unterhose unter den Badeshorts, berichtet.

„Es scheint einen Zusammenhang zwischen der Lockerung der Badeverordnung und dem Verhalten der Gäste zu geben“, so Bauamtsleiter Peter Steingass.

Die Badeverordnung wurde auf Anregung des Demokratiekurses des Carolus-Magnus-Gymnasium Übach-Palenberg testweise ausgesetzt. Die Verwaltung hatte angeregt, dass die Jugendlichen das Badepersonal aushilfsweise gegen ein kleines Entgelt unterstützen.

„Zwei aus unserem Kurs wollen das nun in den Ferien für einen Tag machen“, erzählt Sophie Flach. „Da wir dafür allerdings nicht ausgebildet sind, haben wir rechtliche Bedenken wenn dann etwas passiert.“ Daher wollen die Schüler das Personal begleiten, aber nicht wie vorgeschlagen beispielsweise alleine die Rutschen-Aufsicht führen.

Sorgen wegen Haftung

„Viele von uns haben keine Erste-Hilfe-Ausbildung. Das wäre zu riskant“, findet auch Brianna Zilgens. Die Jugendlichen wollen nicht verantwortlich sein, falls etwas passieren sollte.

Allerdings wollen die Schüler auf die Anregung aus dem Rathaus eingehen und sich das Geschehen einmal aus der Perspektive des Badepersonals anschauen. Als Besucher seien sie seit der Änderung schon häufiger im Freibad gewesen. „Ich war zu den Familientagen da. Da war es sehr voll, aber alles war entspannt“, berichtet Vincent Bücher. Er fand die Atmosphäre sogar besser als in den Vorjahren, und auch die Wasserqualität habe sich nach seiner Laien-Einschätzung nicht verschlechtert.

„Man zieht mit der Änderung der Badeverordnung vielleicht ein anderes Publikum an, aber das heißt ja noch lange nicht, dass diese Besucher aggressiver sind“, betont Sophie Flach. Auch würden nicht nur Jugendliche würden zu den lockeren Badeshorts greifen, so ihre Beobachtung: „Junge Familienväter tragen sie ebenfalls.“

Außerdem sei den Schülern aufgefallen, dass das Badepersonal gezielt Jugendliche anspreche. „Wenn ein älterer Besucher sich vor dem Baden nicht abduscht, interessiert das nicht““, so Sophie Flach Beobachtung. „Aber das war vorher auch schon so. Das Personal hat die Jugend auf dem Kieker“, fügt Vincent Bücher hinzu.

Im Herbst findet eine Auswertung zur Aussetzung der Badeverordnung statt. „Wir werden dann wieder im Ausschuss anwesend sein und bekommen hoffentlich die Möglichkeit, unseren Standpunkt zu vertreten“, sagt Sophie Flach. Schließlich sei es wichtig, dass in einer Demokratie beide Seiten Gehör finden. Der Demokratiekurs hofft, dass die Politik dann dauerhaft das Tragen von lockeren Badeshorts erlaubt.

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