Bürger protestieren gegen Seniorenwohnanlage Thornstraße

Seniorenwohnanlage Thornstraße : Kritiker protestieren und fordern Bürgerversammlung

Wer hätte gedacht, dass ein kleines Baugebiet wie das der „Seniorenwohnanlage Thornstraße“ in Übach solch einen Wind verursachen würde? Mehr als 100 Unterschriften zeugen davon, dass den Bewohnern des umliegenden „Malerviertels“ ihr Wohngebiet alles andere als egal ist

Die Liste mit den gesammelten Unterschriften, die nun an den Bürgermeister der Stadt Übach-Palenberg, Wolfgang Jungnitsch, und die Ratsfraktionen gesandt wurde, ist mit einem Appell versehen. Dr. Martin Kerkhoff und Klaus Reinartz, die die Unterschriftenaktion durchführten und sich, wie berichtet, bereits in einem Schreiben an den Bürgermeister sehr kritisch zur Entwicklung des Baugebietes „Seniorenwohnanlage Thornstraße“ im Speziellen und zur Stadtentwicklung allgemein geäußert hatten, fordern von der Stadtverwaltung im Namen der Unterzeichner die Einberufung einer Bürgerversammlung.

Im Begleitschreiben zur Unterschriftenliste schreiben sie: „Die Anwohner sind nicht grundsätzlich gegen das neue Baugebiet, wenn dessen Durchführung sachgerecht und für alle Beteiligten erträglich gestaltet wird. Das trifft auf die Seniorenwohnanlage Thornstraße in keiner Weise zu.“ Bereits die von der Stadt Übach-Palenberg genehmigte eineinhalbgeschossige Bebauung wecke Zweifel am Charakter des Baugebietes. Für die Anwohner bedeute seniorengerechtes Bauen ein ebenerdiges, barrierefreies Bauen. „Wenn anfangs niemand Einspruch gegen die ausgelegten Baupläne eingelegt hat, dann nur, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, ein unter demographischen Aspekten durchaus sinnvolles Bauvorhaben torpedieren zu wollen. Die Situation hat sich seit Jahresbeginn grundlegend geändert.“

Die entstandene Baustraße führe den Begriff des seniorengerechten Wohnens völlig ad absurdum, denn sie schaffe eine dritte Hausebene in Form eines Kellers oder Souterrains. Falls dagegen an der ursprünglich geplanten eineinhalbgeschossigen Bebauung festgehalten werden solle, erzwinge der jetzige Straßenverlauf massive Eingriffe in das bisherige Geländeprofil. Weiter heißt es im Schreiben zur Unterschriftenliste: „Auf die neuen Grundstücke müsste dann Erdreich teilweise bis zu einer Höhe von 1,70 Meter aufgebracht, verdichtet und durch Stützmauern abgesichert werden. Die Anwohner sind darüber mehr als aufgebracht.“

Zum einen sähen sie den Wert ihres Eigentums beeinträchtigt, zum anderen erschließe sich ihnen der Sinn der gesamten Bauplanung nicht mehr. Bei der geforderten Bürgerversammlung sollen sowohl die Stadtverwaltung als auch der Bauinvestor darstellen, wie sie gewährleisten wollen, dass das Baugebiet „Seniorenwohnanlage Thornstraße“ den Titel „Seniorenwohnanlage" verdient und wie die weiteren Bauarbeiten möglichst umweltschonend und ohne unnötige wirtschaftliche Schädigung der Anwohner verlaufen können.

Auch der benachbarte Spielplatz Kollwitzstraße soll thematisiert werden. Die Anwohner im „Malerviertel“ seien durchaus gesprächsbereit. „Durch das bisherige Verhalten von Stadtverwaltung und Bauinvestor aber sehen sie sich an der Nase herumgeführt. Alle sind sich einig, dass die Zeit für eine Stadtentwicklung, die ökologische Aspekte völlig außen vor lässt, lange abgelaufen ist.“ Stattdessen würden sich die Anrainer für die Seniorenwohnanlage eine Bauleitplanung, die das Ziel eines klima- und umweltverträglichen Bauens konsequent umsetzt, wünschen.

Nun ist das Bauvorhaben „Seniorenwohnanlage Thornstraße“ bereits durch alle Instanzen des Rates abgesegnet worden. Der Bauinvestor kann guten Gewissens an die Vermarktung der Grundstücke herangehen. Die Situation ist also nicht gerade einfach zu regeln für die Stadtverwaltung, wenn sie denn den Willen von mehr als 100 Bürgern ernst nehmen will. Auch die Ratsfraktionen sind gefordert, ihre Wähler anzuhören.

Nach wie vor ist unklar, inwieweit bereits bei der Offenlegung der Bauplanung im Zuge des Genehmigungsverfahrens der seltsame Verlauf der Baustraße, der einer Skipiste ähnelt und die befürchteten hohen Stützmauern zu den Nachbargrundstücken erzwingen könnte, erkennbar war. Im Bebauungsplan zur „Seniorenwohnanlage Thornstraße“ ist die „Skipiste“ aufgrund fehlender Vergleichshöhen ohne Weiteres nicht zu erkennen.

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