Wahlkampf: Alf-Ingo Pickartz steht als Kandidat bereit

Wahlkampf : Alf-Ingo Pickartz steht als Kandidat bereit

Alf-Ingo Pickartz, dem Vorsitzenden der SPD Übach-Palenberg, ist es ernst mit seiner Vision von einem grünen und ökologischen Übach-Palenberg. Wer sich davon überzeugen möchte, muss nur einmal einen Blick in seinen Garten werfen.

Zahlreiche kleine Insekten schwirren auf einer Blühwiese herum, ein kleiner Teich bietet weiteren Arten einen Lebensraum, heimische Obstbäume spenden Schatten, und auf dem gesamten Grundstück finden sich Insektenhotels und Igelhäuser. „Ich würde mich freuen, wenn Übach-Palenberg zu einer richtig tollen Stadt wird“, erklärt Alf-Ingo Pickartz im Gespräch mit unserer Zeitung. Bisher sieht er allerdings viel Verbesserungspotenzial und auch Fehlentwicklungen unter dem aktuellen Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch. Führt der Weg dahin also mit ihm als Bürgermeister?

„Ich komme an dieser Frage gar nicht vorbei“, so Pickartz. Schließlich rücken die Kommunalwahlen mit großen Schritten immer näher: „Meine Partei wünscht sich, dass ich als Bürgermeisterkandidat antrete, und sie würde sich auch wünschen, dass wir einen eigenen Kandidaten aufstellen.“ Auch wenn der Zeitgeist eher dazu hingehe, gemeinsame Kandidaten zu suchen und vielleicht auch Kandidaten, die noch gar keine Bindung zur Politik hätten.

„Die SPD ist da sehr traditionell aufgestellt“, sagt der Parteichef. „Sie sieht sich gerade in Übach-Palenberg, wo wir historisch gesehen sehr stark waren, immerfort als die Partei, die natürlich versuchen muss, die Mehrheit zu kriegen und den Bürgermeister zu stellen.“ Daher suche er nach guten Lösungen für alle, „auch was die Zusammenarbeit, wahrscheinlich mit den Grünen, anbelangt“. Er habe seiner Partei versprochen, sie nicht im Stich zu lassen: „Ich muss mich natürlich damit auseinander setzten und stehe bereit.“

Von seiner Antwort scheint Alf-Ingo Pickartz selbst ein wenig überrascht und nimmt erst einmal einen großen Schluck Wasser: „So ausführlich und ehrlich habe ich diese Frage noch nie beantwortet. Sie treibt mich wirklich um.“ Früher habe er zwei Autohäuser gehabt, heute sei er selbstständig und entwickle Immobilien. „Ausgelastet bin ich auf jeden Fall, und die Politik ist nicht  gerade das, was immer die gute Laune nach Hause trägt“, weiß Pickartz.

Bereits lange und fortwährend gebe es Gespräche zur Zukunft mit den Grünen. „An den vielen gemeinsamen Anträgen sieht man deutlich, dass es schon längst eine intensive Zusammenarbeit gibt“, führt Pickartz aus. Bei fast allen Entscheidungen würden die beiden Parteien auf einer Linie liegen: „Nur bei Wohnraumansiedlung und Straßenbau sind die Grünen pauschal dagegen, während wir immer den Ausgleich suchen und ganzheitlich die Entwicklung der Stadt sehen.“ Er sieht zwischen der CDU und den Grünen in Übach-Palenberg keine Gemeinsamkeiten, wohl aber zwischen der SPD und den Grünen. „Wir sind eine starke Organisation, und die Grünen brauchen eigentlich einen Partner, um wirklich groß erfolgreich zu sein. Das nehme ich uns jetzt mal zu Gute.“ Seiner Einschätzung nach wünscht sich die Mehrheit der Grünen auch keinen gemeinsamen Wahlkampf mit der CDU.

Die Konfrontation im Rathaus zwischen Alf-Ingo Pickartz und dem Bürgermeister hat in den vergangenen Monaten zugenommen, immer öfter kam es zum verbalen Schlagabtausch. „Aber diese Spitzen sind immer ein Teil der Ratsarbeit. Im Wahlkampf würde ich darauf gänzlich verzichten“, stellt Pickartz klar. „Es erscheint immer alles sehr persönlich, ist es aber nicht. Allerdings muss man sich Gehör verschafften und die Dinge auf den Punkt bringen.“ Natürlich überspitze er in dem Moment schon einmal, aber das seien dann keine haltbaren Dinge, die er öffentlich verwenden würde.

Er weiß um die Beliebtheit von Wolfgang Jungnitsch und sehe auch teilweise erkennbare Glanzlichter seines Konzeptes aus Konsolidierung und Weiterentwicklung der Stadt durch private Investoren. „Aber insgesamt könnte vieles deutlich besser laufen“, meint er.  „Die gesamte Entwicklung der Stadt, sowohl ökologisch wie auch städtebaulich, könnte deutlich schneller gehen.“ Dafür müsse die Verwaltung allerdings besser und breiter aufgestellt werden, damit sie die Möglichkeit hätte, Dinge zu entwickeln: „In den vergangenen zehn Jahren hat die Stadt nichts selber auf die Beine gestellt.“

Pickartz weiß um die Vorteile für Unternehmen in Übach-Palenberg – günstige Grundstücke, gute Infrastruktur und eine niedrige Gewerbesteuer: „Doch die stehen nun einmal nicht jeden Tag in der Zeitung.“ Daher will er aktiv auf Unternehmen zugehen und für die Stadt werben.

Seine zentralen Themen sind eine ökologische Stadtentwicklung, die Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft sowie die bessere Ausstattung der Schulen und die Beschäftigung von Schulsozialarbeitern an allen Schulen in der Stadt.

Für Pickartz muss die entscheidende Frage im Wahlkampf sein:  Was passiert in den nächsten fünf bis 25 Jahren, und was soll es für einen Grund geben, in Übach-Palenberg zu leben? Mit dem Grundsatz der CDU, alles brav beim Alten zu belassen, komme man angesichts des Klimawandels und der Zuwanderung nicht weiter.

So sei die Stadt in den vergangenen zehn Jahren beispielsweise deutlich von Grün befreit worden „Jetzt hat die CDU sich bekehrt und verschenkt Wildblumensamen. Die gleiche Partei hat aber in den vergangenen Jahren alles an Grün entfernt und die Flächen mit pflegeleichteren Platten versiegelt“, so Pickartz. Dadurch sei die Stadt vielleicht ordentlicher, aber sicher nicht ökologischer geworden. „Und all das, was jetzt als Geist in dem CDU-Antrag mit den Grünen zum Schutz des  Klimas mitschwingt, wird ad absurdum geführt, weil sie eigentlich die Grundvoraussetzung vernichtet haben.“ Das sei typisch für diese Politik.

Eine weitere Fehlentwicklung sieht Pickartz im Wohnraum. Der Bürgermeister habe hier ausschließlich auf Einfamilienhäuser gesetzt. Mit dem Ergebnis, dass obwohl in den vergangenen fünf Jahren 1600 neue Arbeitsplätze in Übach-Palenberg geschaffen wurden, die Bevölkerung trotzdem um 50 Menschen gesunken ist. Alle anderen Städte im Kreis würden hingegen wachsen: „Da muss man sich schon die Frage stellen, was macht Übach-Palenberg so elementar falsch?“ Nur 50 Prozent der Menschen würden heute in einem Eigenheim leben, dies gelte es bei der Planung zu berücksichtigen.