20-jährige Nico Einmahl geht für die SPD Übach-Palenberg ins Rennen

Gegen den Trend in der Politik aktiv : „Ich will der Jugend eine Stimme geben“

Während es andere junge Menschen mit 20 Jahren raus aus dem Dorf und rein in die Großstadt zieht und sie die Wochenenden in Clubs durchfeiern, sitzt Nico Einmahl konzentriert an seinem Schreibtisch, befasst sich intensiv mit den neusten Sitzungsunterlagen und arbeitet an seinem Plan für den bald anstehenden Wahlkampf.

Der 20-Jährige ist nämlich sachkundiger Bürger der SPD in Übach-Palenberg und wird im kommenden Jahr einen Wahlkreis für die Sozialdemokraten übernehmen.  Dies hatte SPD-Chef Alf-Ingo Pickartz jüngst in einem Interview verraten.

„Ich will den jungen Menschen im Stadtrat eine Stimme geben, Ansprechpartner für sie sein und zeigen, dass nicht alle Jugendlichen politikverdrossen sind“, erzählt Nico Einmahl. Schon immer war der 20-Jährige sehr am politischen Geschehen interessiert.

Im Schülerprojekt gestartet

Sein Weg in die Lokalpolitik startete mit dem Planspiel „Kids“. „In der elften Klasse an der Gesamtschule habe ich erst Sascha Derichs von der SPD und dann Heinz- Josef-Frings von der UGW über die Schulter schauen dürfen“, erinnert sich der junge Übach-Palenberger, der seit einem Jahr eine Ausbildung als Fachkraft für Schutz und Sicherheit im Forschungszentrum Jülich absolviert.

Mit diesem Einblick wurde endgültig sein politisches Engagement geweckt. Er hatte Blut geleckt.  „Die Grundwerte und Themen der SPD entsprechen am meisten meiner politischen Grundeinstellung“, erklärt Einmahl seine Parteiwahl. „Soziale Gerechtigkeit und Steuergerechtigkeit sind mir wichtig.“ Mit diesem Bekenntnis war er schon im Planspiel recht alleine: „Viele junge Menschen können sich mit den großen Volksparteien nicht mehr so gut identifizieren. Auch die SPD muss für junge Leute ansprechbar und attraktiv bleiben.“ Dabei will Nico Einmahl der SPD Übach-Palenberg helfen. Seiner Einschätzung nach würde es vielen Jugendlichen leichter fallen, mit ihren Sorgen und Nöten einen jungen Politiker anzusprechen.

„Die SPD hatte mein Interesse bemerkt und sprach mich zum Projektende an“, erinnert sich Einmahl. Seinen Eintritt in die Partei hat er nicht bereut. „Die Themen Stadtentwicklung und Sicherheit sind mit besonders wichtig“, führt er aus. Daher arbeite er auch gerne als stellvertretendes Mitglied im Bauausschuss mit. „Übach-Palenberg braucht mehr bezahlbare Mietwohnungen. Wir können nicht nur immer weiter Einfamilienhäuser bauen“, kommt Nico Einmahl auf ein Thema zu sprechen, für das er sich auch im Rat stark machen würde. Durch seinen Beruf hat er weiterhin einen besonderen Bezug zum Thema Sicherheit. „Wir brauchen keinen privaten Sicherheitsdienst. Es wäre besser, zwei weitere Mitarbeiter im Ordnungsamt einzustellen“, findet das aktive Juso-Mitglied.

Auch das Thema Schulen hat sich Nico Einmahl auf die Fahnen geschrieben. „Da ich noch nicht so lange aus der Schule raus bin, habe ich einen besseren Bezug dazu“, erklärt er. Seiner Meinung nach müssten die Prioritäten geändert werden: „Es heißt immer nur, dafür haben wir kein Geld, aber die Schüler müssen realistisch auf die Arbeitswelt vorbereitet werden.“ Neben dem Zustand der Gebäude sei daher die technische Ausstattung der Schulen wichtig: „Und die Medienkompetenzen auf Seiten der Lehrer. Es kann nicht sein, dass Schüler ihren Lehrern den PC erklären müssen.“ Darüber hinaus will er sich für Aufenthaltsplätze für Jugendliche einsetzen. „Die Jugend braucht einen Rückzugsort zum Treffen“, weiß Einmahl. Auch generell seien die Freizeitmöglichkeiten in der Stadt, trotz des Engagements des Jugendtreffs, noch ausbaufähig.

Welchen Wahlkreis Nico Einmahl im kommenden Jahr übernehmen wird, steht noch nicht fest. „Aber es wird ein wohnortnaher Wahlkreis werden“, verrät der leidenschaftliche Fahrradfahrer, der aktuell noch bei seinen Eltern wohnt. Nico Einmahl schmiedet allerdings bereits  Auszugspläne: „Nach Jülich werde ich aber nicht ziehen. Ich bleibe auf jeden Fall in Übach-Palenberg.“ Auch sollte es ihn noch einmal an die Uni ziehen - Sicherheitsmanagement oder Jura sind mögliche Studiengänge - will Nico Einmahl in seiner Heimat wohnen bleiben. „Ich werde mir auch weiterhin Zeit für die Politik nehmen. Die Freizeit steht dafür hinten an, aber ich kann etwas bewegen“, betont der SPDler. Denn eines steht für ihn fest: „Junge Menschen sind wichtig in der Politik.“ Ihnen würden andere Themen am Herzen liegen. „Sie bringen neue Blickwinkel ins Spiel und sind mit jugendlichem Optimismus dabei“, so Einmahl. In Kombination mit der Erfahrung der älteren Politiker könne man Großes bewirken.

Trotz seines Alters musste Nico Einmahl bisher nicht mit Vorurteilen kämpfen. „Im Gegenteil. Meine Parteikollegen hören mir aufmerksam zu und sind offen und neugierig auf meine Meinung“, berichtet der 20-Jährige.

„Nico Einmahl ist ein gutes Beispiel für den Erfolg des von unserer Partei initiierten Kids-Programms und eine Bereicherung für unsere Fraktion“, sagt Alf-Ingo Pickartz. Das  Programm gehe jetzt schon in die dritte Runde. „Aktuell liegt das Durchschnittsalter der SPD-Mitglieder bei ungefähr 60 Jahren“, weiß Pickarzt. „Damit ist die SPD allerdings Durchschnitt und unterscheidet sich keineswegs von allen übrigen Parteien.“ Einhergehend mit dem Verlust von Mitgliedern sei die mangelnde Bereitschaft eine Aufgabe in der kommunalen Politik zu übernehmen. „Gesellschaften, Wählerschaften und logischerweise auch Parteien sind aber einem kontinuierlichen Veränderungsprozess unterworfen“, meint der SPD-Chef.

Veränderungen stellen

Das erkläre auch den Bedeutungsverlust der politischen Parteien. „Die Zukunft kann aber nur gewonnen werden, wenn die Politik diesen Veränderungsprozess aufnimmt“, betont Pickarzt, „Dies setzt aber voraus, dass man die Meinungsvielfalt aufnimmt und die Jugend für die Politik begeistert.“

Die Kommunalpolitik sei dafür wie geschaffen. „Sie ist ungemein spannend und die Kommune ist ein kleiner Mikrokosmos. Veränderungen sind dort sichtbar und bestärken jedwedes Engagement“, findet Pickarzt.

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