Übach-Palenberg: Open-Air-Boxen feiert erfolgreiche Premiere

Open-Air-Boxen : Martin Houben lässt im Ring die Fäuste sprechen

Das erste Open-Air-Boxen in Übach-Palenberg soll im kommenden Jahr eine Wiederholung bekommen. Das zumindest sagten Organisatoren und Sponsoren am Samstag Abend am Rande des Ringes zu. Die Zuschauer sahen spannende Kämpfe auf dem Rathausvorplatz.

Ob sich die frühere Zechengemeinde und heutige Schokoladenstadt zur Box-Hochburg entwickelt, wie Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch es am Samstagabend prophezeite, bleibt wohl noch offen. Klar ist aber, dass die Premiere der unter freiem Himmel ausgetragenen Boxgala mit dem aufstrebenden Profiboxer Martin Houben kein „Einzelstück“ bleiben soll.

Zwar dürfte sich mancher Gast gewünscht haben, dass die Sonne etwas weniger von ihrer Kraft zeigte, aber das Format gefiel den Gästen. Sowohl der Verwaltungschef und Schirmherr des Tages als auch Sponsor Albert Spiertz vollzogen vor den Ohren hunderter Anwesender den Schulterschluss und sagten zu, dass sie Martin Houben auch 2020 gerne wieder Open Air auf dem dann neu gestalteten Rathausplatz boxen sehen wollen.

Houben, der nicht nur in Übach-Palenberg, sondern bei Boxinsidern ganz hoch gehandelt wird, sagte zwar „Ja“. Aber seine Bescheidenheit ließ ihn auch ergänzen, dass er erstmal abwarten wolle, was so die nächsten Jahre bringen. „Ich möchte mich aber bei allen bedanken, die hier sitzen“, sagte er mit klarer Stimme. Denn ohne, dass seine Sponsoren, die Aktiven vom VfR Übach-Palenberg, sein Promo-Team von „Vi-Co Boxpromotion“ mit Rainer Cossu an der Spitze, der Biergarten Übach und noch viele mehr an einem Strang gezogen haben, wäre das Event nicht zustande gekommen.

Wie es sich für den Boxsport gehört, sollte alles hochoffiziell schon am Freitagabend mit dem Wiegen der antretenden Boxprofis beginnen. Doch da gab es Komplikationen, einige Akteure konnten nicht erscheinen, und das Ganze wurde kurzerhand am Samstag weit vor Beginn der Veranstaltung wiederholt. Doch auch wenn sich freitags keiner der Waage stellen musste, eins war hier zu spüren: Die Verbundenheit der Boxsportler untereinander. Es schien fast greifbar, wie sich selbst Kontrahenten, die sich im Ring nach allen Regeln des Sports körperlich miteinander auseinandersetzten, respektvoll behandeln und wie eine Familie wirken. Das „Du“ ist da ebenso obligatorisch wie die Umarmung, die Älteren garnieren das Geschehen gerne noch mit ein paar augenzwinkernd angedeuteten Boxschlägen.

Dass hier aber auch Jeder auf den Nachwuchs setzt, ist deutlich zu spüren. Und so war es für Martin Houben, der sich als junger Profi schon einen Namen gemacht hat, kein Selbstzweck, diese Veranstaltung dem Boxnachwuchs in seiner Heimatstadt zu widmen. Denn ein Teil des Erlöses war für die Boxabteilung im VfR Übach-Palenberg bestimmt. Dort wurde das Talent Martin Houbens entdeckt, gefördert, ausgebaut. „Das ist ein Dankeschön für den Verein, dem ich so viel zu verdanken habe“, sagt Houben dazu.

Gleichzeitig produzierte er mit dieser für Übach-Palenberg einmaligen Veranstaltung auch ein Highlight im Jubiläumsjahr des VfR Übach-Palenberg, der just sein 100-jähriges Bestehen feiert. Natürlich durften in diesem Rahmen die Jugendlichen und ihr Trainer Detlef Dieckmann nicht fehlen. Er fieberte mit, als seine Jungs im Ring alles gaben, war im Ring in der Pause bei ihnen, stellte sie neu ein, kühlte sie mit der Wasserflasche ab. Und als die Jungs dann einen Gegner nach dem anderen besiegten, durften sie noch zur Belohnung und zum Spaß mit einer Sängerin zu mitreißenden Rhythmen tanzen.

Detlef Dieckmann ist es auch, der Martin Houben zum Boxsportler durch und durch geformt hat. Zu einem Sportler, der von Ringsprecher Thomas Bielefeld – nach der ersten Übach-Palenberger Boxnacht vor gut einem halben Jahr wieder mit von der Partie – als eins der größten Talente in Deutschland bezeichnet wurde. „Keine Schwätzerei“, sagte Bielefeld dazu, der sich sonst wieder durch eine extrem geschmeidige, vielwortige Mischung aus Fachkenntnis und flotten Sprüchen als exzellente Stimme des Frischluftboxens profilierte.

So angesprochen konterte Martin Houben nur kurz mit „Ich halte mich bescheiden“, und ließ später dann beim natürlich als Hauptkampf des Tages angesetzten Fight seine Fäuste sprechen. Behände, mit toller Technik, austrainiert bis in die letzte Faser trat er an, um sich gegen den starken Iraner Sajjad Mohammed Mehrabi bestens in Szene zu setzen. Vom Fleck weg führte Houben den Kampf, ließ dem Gegner keine Chance und gewann durch K.O. in der dritten Runde.

Neben den Punkten, die er dabei sammelte, und neben der Euphorie, die er damit entfachte, erfüllte er sich auch den Wunsch, sich nach diesem spannenden und langen Tag noch ein Bier zu gönnen. „Darauf habe ich mich schon gefreut“, meinte er nur, und jeder Anwesende gönnte es ihm von Herzen.

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