Übach-Palenberg: kein Ende in Sicht im Prozess um "Drogenbunker"

Kriminalität : Kein Ende in Sicht in Prozess um Übach-Palenberger „Drogenbunker“

Beim Darmstädter Prozess um den sogenannten Drogenbunker in Übach-Palenberg-Marienberg ist kein Ende in Sicht. Die Anwältin einer 58 Jahre alten Übach-Palenbergerin forderte nun, weitere Zeugen zu laden, die ihre Mandantin entlasten würden. Die Staatsanwaltschaft nahm ihr jedoch schnell den Wind aus den Segeln.

Dass Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Gerichtssaal nicht einer Meinung sind, ist eher die Regel als eine Ausnahme. Welche Reaktion ihr Beweisantrag bei der Anklagevertretung hervorruft, dürfte die Anwältin einer 58 Jahre Frau aus Übach-Palenberg jedoch überrascht haben.

Um belegen zu können, dass ihre Mandantin mehr Opfer als Täterin in einem Drogenprozess sei, hatte die Anwältin gefordert, dass in dem Verfahren weitere Zeugen gehört werden sollten. Soweit nicht ungewöhnlich. Allerdings lässt die Begründung des Antrags bei der Staatsanwältin mehr als nur ein Stirnrunzeln zurück – und das nicht, weil weitere Zeugen auch weitere Verzögerungen des ohnehin schleppend verlaufenden Verfahrens bedeuten.

In dem Prozess gegen eine mutmaßliche Bande von Drogenhändlern vor dem Landgericht im hessischen Darmstadt sind inzwischen Termine bis Januar festgesetzt. Vier Männer und eine Frau hatten sich dort seit Mai wegen bandenmäßigen Drogenhandels verantworten müssen. Darunter die Frau aus Übach-Palenberg, ihr 78 Jahre alter Ex-Partner sowie ein Niederländer aus Heerlen.

Zwei Angeklagte sind bereits verurteilt, für den Niederländer könnte das Verfahren vielleicht noch vor Weihnachten zu Ende gehen. Mehrjährige Haftstrafen drohen den drei Verbliebenen, auch wenn diese inzwischen kaum noch im zweistelligen Jahresbereich liegen dürften.

Dass dies bei Zutreffen der Anklage möglich sei, darauf hatte die Kammer zwar zu Prozessbeginn hingewiesen und nur bei „umfänglichen Aussagen“ geringere Haftstrafen in Aussicht gestellt. Aber Ermittlungspannen, zahlreiche, wenn auch teils kaum nachvollziehbare Krankheiten und die traurige Vergangenheit der Angeklagten sowie die aus Terminproblemen, diversen Anträgen, intensiven Zeugenbefragungen und anderen Unannehmlichkeiten resultierende lange Verfahrensdauer dürften sich für die Beteiligten im Fall einer Verurteilung dennoch strafmildernd auswirken – auch wenn sie nicht „umfänglicher“ aussagen.

Die Angeklagte soll gewusst haben, wer welche Drogen erhält und Geld entgegengenommen haben. Außerdem hat ihr Haus im Stadtteil Marienberg laut Anklage als Bunker für die Drogen aus den Niederlanden gedient. Auf abgehörten Telefongesprächen wirkt die 58-Jährige bestimmend und hinterlässt den Eindruck, als ob sie die Drogengeschäfte zumindest mitorganisiert habe. Das aber bestreitet sie vor Gericht. Sie habe nur auf Anweisung gehandelt. Unter anderem habe der 78-Jährige ihr eingeflüstert, was sie sagen solle.

Die Schwester der Angeklagten, ein guter Bekannter sowie der Ex-Ehemann der Frau „können bestätigen, dass die Angeklagte nur das am Telefon weitergegeben hat, was ihr aufgetragen worden war“, beginnt deren Anwältin ihren Antrag. Die Personen seien regelmäßig zu Gast im Haus ihrer Mandantin gewesen und hätten mitbekommen, wie etwa der mitangeklagte Ex-Freund ihr immer wieder etwas vorgesagt habe. Deswegen müssten sie gehört werden.

Die Staatsanwältin braucht nur wenige Sätze, um zu verdeutlichen, was sie von dem Antrag hält – und die Verteidigerin auflaufen zu lassen. Aus den abgehörten Telefonaten würden sich schlichtweg „keine Hinweise“ darauf ergeben, dass die Frau aus Marienberg „nur etwas weitergegeben“ habe, so die Anklägerin und legt nach: „Aber wenn diese Zeugen alles so genau mitbekommen haben, was der Angeklagten vorgesagt worden sein soll, dann ist es fraglich, ob nicht gegen diese Zeugen auch ein Verfahren eingeleitet werden muss.“

Die Verteidigerin wirkt perplex. Die Worte der Staatsanwältin haben offenbar gesessen. Denn: Wenn die Zeugen bestätigen könnten, dass die 58-Jährige lediglich Sprachrohr gewesen sei, hätten sie zwangsläufig alles andere mitbekommen. Folglich hätten sie auch wissen müssen, dass die Angeklagte womöglich in großem Stil mit Drogen handelte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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