Übach-Palenberg: Übach-Palenberg fehlen Häuser der gehobenen Kategorie

Übach-Palenberg: Übach-Palenberg fehlen Häuser der gehobenen Kategorie

Das landesweit agierende Aktionsbündnis „Impulse für den Wohnungsbau NRW“ schlug jüngst Alarm. Es herrsche ein deutlicher Mangel an preisgünstigen und barrierefreien Sozialwohnungen in Nordrhein-Westfalen, kritisiert die Initiative. Wie sieht die Situation in Übach-Palenberg aus?

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch stand Rede und Antwort.

In Übach-Palenberg gibt es viele Menschen, die sogenannte Transferleistungen erhalten. Lässt sich daraus folgern, dass es vor Ort auch das beschriebene Problem mit Sozialwohnungen gibt?

Jungnitsch: Überhaupt nicht. Denn wir stellen fest, dass immer mehr Transferleistungs-Empfänger dahin tendieren, sich in anderen Städten nach Wohnraum umzusehen, weil sie offensichtlich glauben, dort deutlich besser ausgestattete Wohnungen vorzufinden. Auch das Jobcenter hat unsere Stadt verlassen. Leistungsempfänger werden ihm möglicherweise folgen. Im Gegenzug besteht beim Wohnraum mit gehobenem Standard inzwischen eine derart hohe Nachfrage, dass wir diese derzeit leider nicht decken können. Man kann sagen: Der Wohnungsmarkt in Übach-Palenberg läuft gegen den Landestrend.

Wenn wir von gehobenem Standard reden, welche Mieterklientel meinen Sie denn damit?

Jungnitsch: Durch die Industrieansiedlungen und Erweiterungsmaßnahmen der vergangenen Jahre werden in Übach-Palenberg zunehmend Wohnungen und Häuser gesucht, die klar dem anspruchsvollen Segment zuzurechnen sind. Mietpreise von zehn Euro und mehr pro Quadratmeter würden gerne gezahlt, wenn das Angebot entsprechend sei, sagen die eingeschalteten Makler unisono. Auch die exzellente Lage im Grünen, die gute Nahversorgung, die unmittelbare Nähe zu Aachen mit der sehr guten Bahnanbindung sowie die Nähe zu den übergeordneten Straßen wie zum Beispiel Autobahnen spielen eine wichtige Rolle.

Also das bedeutet: Es stehen auf der einen Seite immer mehr Sozialwohnungen leer, und auf der anderen Seite fehlt Wohnraum der gehobenen Kategorie. Die Stadt liebäugelt offenbar mit dem Zuzug von einkommensstarken Bürgern, etwa von Technikern aus der Schokofabrik, Akademikern und Ausgründungen aus Aachen.

Jungnitsch: Die einen möchten wegziehen, die anderen wollen zu uns kommen. Und mit Letzteren geht der Stadt, aber auch den Vermietern vor Ort Woche für Woche eine wichtige Mieterklientel verloren, die gerne in Übach-Palenberg wohnen, leben, arbeiten und einkaufen möchte. Wenn nur die entsprechenden Immobilien vorhanden wären.

Das Problem ist offenbar erkannt. Was gedenkt die Stadt zu tun?

Jungnitsch: Mehr Bauland muss für diese Interessengruppe ausgewiesen und erschlossen werden. Die Stadt vertraut darauf, dass Investoren hier die einmalige Chance erkennen. Aber auch Besitzer von älteren Immobilien sollten mit spitzem Bleistift einmal nachrechnen, ob und inwieweit sich eine Investition lohnt, die der Qualitätssteigerung des Wohnraums dient. Die Erfahrungen zeigen doch, dass weitsichtige Hauseigentümer, die bereits umgedacht haben, sich keine Sorgen um Leerstände oder Renditeeinbußen mehr machen müssen.