Geilenkirchen/Übach-Palenberg: Übach, Beeckfließ und Rodebach: Bäche mit bewegter Vergangenheit

Geilenkirchen/Übach-Palenberg: Übach, Beeckfließ und Rodebach: Bäche mit bewegter Vergangenheit

Die Wasserwirtschaft in den Stadtgebieten von Übach-Palenberg und Geilenkirchen wird unbestritten durch die Wurm bestimmt, die beide Ortschaften von Süden nach Norden durchquert. Ausgehend vom Aachener Stadtwald nimmt sie ihren Weg durch ein tief eingeschnittenes Tal und fließt dann durch flaches Land in Richtung Heinsberg, wo sie bei Kempen in die Rur mündet.

Neben der Wurm aber gibt es in Übach-Palenberg und Geilenkirchen noch weitere kleinere Gewässer. Es lohnt durchaus, sie zu Fuß oder per Fahrrad zu erkunden, denn sie werden von abwechslungsreichen Landschaften gesäumt. Sie gaben ganzen Dörfern und Ortsteilen ihren Namen und haben zuweilen eine bewegte Vergangenheit.

Heute nur noch ein Rinnsal: Seitdem die Quellen des Übaches aufgrund des Bergbaues versiegten, dient er meist nur zur Ableitung überschüssigen Regenwassers. Foto: Johannes Gottwald

Kleines Rinnsal, große Schäden

Das bekannteste Beispiel ist der Übach, der früher bei Merkstein entsprang. Er trug in der Vergangenheit auch andere Namen wie Herbach, Palenbach oder Mühlbach. Durch tektonische Verwerfungen infolge des Bergbaus wurden die Quellen jedoch immer schwächer und versiegten um 1930 endgültig — mit der Folge, dass vom Übach heute nur noch eine kleines Rinnsal übrig geblieben ist. Oft liegt er gänzlich trocken, aber sein Lauf ist zwischen der Übacher Badeanstalt und dem Rathaus noch zu sehen. Dann verschwindet er in der Stadtkanalisation und taucht erst hinter dem Werksgelände von Schlafhorst wieder auf. Er begleitet den Heidberg, unterquert die Straße nach Frelenberg, und mündet hinter dem Sportplatz des SV Marienberg in die Wurm.

Dass aber auch solch ein unscheinbares Rinnsal große Schäden anrichten kann, zeigte sich am 18. Mai 1982, als der Übach nach heftigen Regenfällen über die Ufer trat und den Rathausplatz mitsamt seiner Umgebung unter Wasser setzte — an der Carolus-Magnus-Straße stand das Wasser stellenweise über einen Meter hoch. Die Stadtväter sahen sich durch diesen Vorfall dazu veranlasst, umfangreiche Ausbauarbeiten im Hinblick auf Hochwasserschutz vorzunehmen.

Nicht alle Bäche aus dem Bereich Geilenkirchen und Übach-Palenberg münden übrigens in die Wurm. So orientiert sich der Rodebach, der von einem Wehr bei Siepenbusch seinen Ausgangpunkt nimmt, konsequent nach Westen. Seit dem Wiener Kongress 1815 bildet er ab Gangelt über weite Strecken die Grenze zu Holland. Bei Isenbruch passiert er den westlichsten Punkt Deutschlands und wechselt dann in die Niederlande, wo er bei Susteren in den wesentlich größeren Geleenbeek mündet, der dann hinter Echt in die Maas fließt.

Auch der Rodebach war früher kein Rinnsal, sondern ein ziemlich ansehnliches Gewässer. Wer heute bei Grotenrath oder in Gillrath das meist trockene Bachbett betrachtet, kann sich kaum noch vorstellen, dass im 18. Jahrhundert allein zwischen Gillrath und Tüddern nicht weniger als 14 Wassermühlen betrieben wurden. Dies hängt damit zusammen, dass die Quellen des Rodebaches einst in der Teverener Heide lagen, wo sich bekanntlich im Mittelalter große Sumpfgebiete befanden. Sie speicherten die üppigen Niederschläge über dem Selfkant wie ein Schwamm und sorgten so für eine reichliche Wasserführung. Heute sind die Moore bis auf kleine, streng geschützte Relikte trocken gelegt. Damit wurde dem Rodebach regelrecht das Wasser abgegraben — selbst an seinem Unterlauf bei Millen könnte heute keine Mühle mehr arbeiten.

Ein schmaler, wenig bekannter Bach hat in Geilenkirchen-Rischden seinen Ursprung. Er verläuft durch ein baumbestandenes Tal hinter Uetterath, das den Namen „Kötteler Schar“ trägt. Sein weiterer Weg führt — meist unterirdisch - durch Dremmen, wo ihn nach nur neun Kilometern die Wurm aufnimmt.

Attraktiver Unterlauf

Im Stadtgebiet von Geilenkirchen findet man heute nur noch einen einzigen Bach mit ganzjähriger Wasserführung — das Beeckfließ. Es hat seinen Ursprung auf dem Stadtgebiet von Baesweiler und wurde mit Beginn des Bergbaues zum Gruben- und Brauchwasserkanal der Grube Carl Alexander ausgestaltet. Mit dem Ende der Sümpfung im Jahr 1994 endete die Wasserzufuhr, seitdem ist auch das Beeckfließ infolge tektonischer Absenkungen bis Apweiler häufig wasserlos. Dies ändert sich erst mit der Einmündung des Gereonsweiler Fließes, dass heute maßgeblich durch die Settericher Kläranlage gespeist wird.

Danach führt das Beeckfließ durch den Ortsteil Beeck, dem es seinen Namen gab, und schlängelt sich als idyllischer Bach durch Leiffarth, über die Felder nach Honsdorf, lässt Flahstraß links liegen und mündet schließlich an der Gemeindegrenze von Geilenkirchen in die Wurm. Vor allem am Unterlauf des Beeckfließes lohnt sich aufgrund der landschaftlich reizvollen Umgebung eine Fahrradtour. Keineswegs versäumen sollte man aber auch einen Abstecher nach Nierstraß, wo unmittelbar an der Durchgangsstraße ein kleines Steingehäuse mit einer ständig sprudelnden Quelle zu sehen ist.

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