Geilenkirchen: Türsteher-Prozess: Einige Zeugen treten nicht an

Geilenkirchen: Türsteher-Prozess: Einige Zeugen treten nicht an

Ein 31-jähriger Türsteher aus Baesweiler und ein 42-jähriger Mitarbeiter eines Dürener Sicherheitsdienstes aus Heinsberg stehen weiter im Fokus der Justiz. Zum sechsten Verhandlungstag wurden acht Zeugen gehört.

Einige Zeugen waren nicht erschienen und sollen zu kommenden Anhörungen nötigenfalls durch die Polizei vorgeführt werden. Der vor knapp zwei Monaten begonnene Prozess gegen die sechs Angeklagten zieht sich länger hin als. Aufgrund einer neuen von Richter Thomas Schönig verkündeten Nebenklage werden neun Plädoyers zum Schluss der Prozess-Serie erwartet. Staatsanwalt Hubert Herwartz teilte mit, dass auf einen der Angeklagte noch ein Strafverfahren wegen räuberischer Erpressung hinzukomme.

Jetzt wurden Vorfälle aus dem Jahr 2011 behandelt, die sich gegen einen 19-Jährigen aus Geilenkirchen gerichtet hatten. Dieser war mit drei Freundinnen morgens aus der Diskothek gegangen und hatte draußen auf den Boden gespuckt. Ein Türsteher soll ihn aufgefordert haben die Spucke wieder aufzulecken. Das hatte der Diskothekengast aber nicht gemacht, und so war es zu einer Auseinandersetzung gekommen, in dessen Verlauf ein Türsteher dem jungen Mann eine „Backpfeife“ verpasst haben soll. Der 19-Jährige habe die Polizei anrufen wollen, woraufhin ihm ein Türsteher das Handy aus der Hand geschlagen habe.

Nach damaliger Aussage des Opfers und einiger Zeugen wurde der 19-Jährige weiter auf den Parkplatz geschubst, wo er schließlich von Türstehern geschlagen und am Boden liegend getreten worden sein soll. Mehrere Zeugen bestätigten die Aussagen des 19-Jährigen weitgehend, beim vorigen Verhandlungstag gab es größere Erinnerungslücken bei verschiedenen Zeugen, insbesondere bei den vorgeladenen Türsteher-Kollegen der beiden Angeklagten. So sagte ein 35-jähriger aus Paustenbach aus, dass sie den 19-Jährigen nach dem Spucken aufgefordert hätten, das Gelände zügig zu verlassen. An weiteres konnte er sich nicht erinnern. „Ich weiß nicht, wer geschlagen hat, wir nicht“, so der 35-Jährige. Er habe in dieser Hinsicht nichts gesehen.

„Es gibt schon mal solche Sachen, es kommt immer mal wieder vor“, sagte der Zeuge im Rückblick auf verschiedene Geschehnisse. Ein weiterer 28-jähriger Zeuge und Türsteher aus Aachen konnte sich an den Ablauf gar nicht erinnern. „Erst als der Vater von dem Gast kam, gab es Ärger, es wurde ziemlich laut“, so der Aachener.

Richter Thomas Schönig hielt dem Zeugen dessen Aussage der ersten Vernehmung vor. Demnach habe der 28-Jährige damals noch angegeben, dass die Security-Mitarbeiter dem Gast einen Platzverweis erteilt und ihn dann weg geschoben hätten. Zwei 19-jährige Frauen waren sich sicher, dass das Opfer von den Türstehern Opfer aus dem zu erfassenden Bereich der Überwachungskameras auf den Parkplatz gezogen worden ist. Dort sei der junge Mann geschlagen und auch getreten worden. Danach habe der 19-Jährige ein geschwollenes Gesicht gehabt. Unklar blieb auch nach den Aussagen der beiden Frauen, wie viele Türsteher daran beteiligt waren und wer im Einzelnen geschlagen habe.

Der zweite Vorfall, der behandelt wurde, hatte sich im Dezember 2011 ereignet. „Ich wollte mit Freunden in der Diskothek feiern, aber die Türsteher haben uns nicht rein gelassen“, erzählt ein 28-jähriger Geilenkirchener. Dann habe man sich ins Auto gesetzt und mit einer Taschenlampe in Richtung Türsteher geleuchtet, um diese zu provozieren. Die Jungs hätten auf eine Freundin gewartet, die schließlich aus der Diskothek kommend zu ihnen ins Auto gestiegen sei. Als das Auto dann anfuhr, hätten plötzlich drei bis vier Türsteher gegen den Wagen geschlagen und getreten. „Das rechte Fenster war runtergedreht, und deshalb bekam mein Freund auch noch einen Schlag ab“, so der 28-Jährige.

Der 32-jährige Beifahrer aus Aachen bestätigte die Aussage. „Russen kommen hier nicht rein“, hätte ein Türsteher gesagt und die Gruppe abgewiesen. Dann sei alles so schnell gegangen, und er habe nicht sehen können, wer geschlagen oder getreten hat. Fest steht jedenfalls, dass das Auto Dellen davontrug. „Es war alles vorbei, als ich raus kam“, sagte ein 35-jähriger auch als Türsteher agierender Chemiker aus Alsdorf aus.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich ebenfalls im vergangenen Jahr. Dabei ging es um eine junge Frau, die von dem 42-jährigen Türsteher aus Heinsberg drastisch beschimpft und beleidigt worden sein soll. Dem 35-jährigen Türsteher aus Paustenbach fehlte aber jegliche Erinnerung, so dass es nicht zu einer belastenden Aussage gegen seinen Kollegen kam. „Ich weiß nichts, ich kann da nichts zu sagen. Ich habe einen Gast rausgeworfen“, waren die Worte eines 37-jährigen Security-Mitarbeiters aus Köln auf die Frage nach einem ebenfalls verhandelten Geschehen in einer Dürener Diskothek. „Ich habe Gewalt anwenden müssen, um ihn rauszubringen und bin dann wieder reingegangen“, sagt der Mann weiter. Der Gast sei betrunken gewesen oder habe unter Drogen gestanden und sich schlecht benommen. Von einer möglichen Schlägerei wisse er nichts. Die Prozesse gegen die Türsteher werden fortgesetzt.

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