Geilenkirchen: Trinkwasserversorgung in Geilenkirchen: Mit Enwor naht ein Ende

Geilenkirchen : Trinkwasserversorgung in Geilenkirchen: Mit Enwor naht ein Ende

Wenn es nicht um eine an unangenehmen Wendungen so reiche Geschichte ginge, könnte man sich wohl zurücklehnen und würde gar nicht erst auf die Idee kommen, dass da überhaupt unangenehme Wendungen dräuen könnten.

Wohl weil die Vergabe der Übach-Palenberger Wasserkonzessionen sich aber eben nicht ganz so unkompliziert gestaltet hat, wie man Anfang 2015 annahm, als das Thema erstmals in den öffentlichen Fokus rückte, ist bei den Akteuren aktuell noch eine gewisse Zurückhaltung zu spüren, die Verwaltung beantwortete Fragen zum Thema diese Woche einsilbig. „Dem Tagesordnungspunkt ‚Wasserkonzession — Vergabe‘ ist zu entnehmen, dass eine Vergabe-(Entscheidung) ansteht“, wurde erklärt. Ach, so ist das.

In jedem Fall steht kommende Woche die Vergabe der Wasserkonzessionen und damit wohl der Schlussakt in dem dreieinhalbjährigen Drama auf der Tagesordnung des Übach-Palenberger Stadtrats. Dieser wird mitten in der Sommerpause zusammengetrommelt, um das abzusegnen, was man schon lange will, aber nicht vollenden konnte. Die Entscheidung fällt am Dienstag, 14. Oktober, ab 18 Uhr in nicht-öffentlicher Sitzung. Geht nun also endlich alles klar zwischen der Stadt und Enwor?

Dass die Abstimmung ein drittes Mal stattfinden muss, ist die direkte Konsequenz aus der Entscheidung des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG) von Mitte Juni. Die Richter hatten der Verwaltung aufgegeben, die Bewertung der im Zuge des Ausschreibungsverfahrens eingegangenen Angebote besser zu begründen. Weil dies die Prämissen ändert, auf deren Basis der Rat im Oktober 2016 seine Entscheidung zur Konzessionsvergabe fällte, muss der Rat seine Entscheidung nunmehr bestätigen. Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU) hatte schon kurz nach der OLG-Entscheidung gesagt, dass eine Sondersitzung einberufen werden könnte.

Am politischen Willen dürfte die Konzessionsvergabe an Enwor kaum scheitern. Die Fraktionen sind sich einig, dass die Gründung einer gemeinsamen Wasserversorgungsgesellschaft sowohl mit dem Augenmerk auf den Finanzen als auch mit dem Ohr am Bürger der beste mögliche Weg ist.

Eine ganz andere Fraktion, wenngleich keine politische, will allerdings noch verhindern, dass die Dinge diesen Gang gehen: die Übach-Palenberger Ärzte. Ihre Sorge bezüglich der Vereinbarungen mit Enwor wurde in der Vergangenheit schon häufiger artikuliert und lässt sich so zusammenfassen: Wenn es in Belgien zu einer Atomkatastrophe kommt, könnte das Eifeler Oberflächenwasser, das Enwor liefert, radioaktiv verseucht werden. Das Brunnenwasser anderer Anbieter hingegen wäre, was dies betrifft, geschützt.

Neu ist, dass die Ärzte diese Sorgen nunmehr in Form einer Anregung in den Haupt- und Finanzausschuss tragen, der unmittelbar vor dem Rat (17 Uhr) öffentlich tagen wird: „Sorgen Sie dafür, dass die 24.000 Einwohner im Falle einer atomaren Katastrophe durch radioaktiv versuchtes Trinkwasser nicht noch zusätzlich gesundheitliche Schäden erleiden und spätestens nach Verbrauch ihrer eingelagerten Wasservorräte ihre Heimat verlieren“, schreiben sie an Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch und die Stadtverordneten. Das Dokument wurde von 24 Ärzten unterschrieben, als Wortführer ist in der Vergangenheit Dr. Winfried Schulte-Sperlich aufgetreten.

Dass er und seine Kollegen mit ihrem Ansinnen Gehör finden, darf als unwahrscheinlich gelten. Nichtsdestotrotz hat die Enwor auf die Bedenken der Ärzte mit einer Stellungnahme reagiert. Das Unternehmen verweist darauf, dass es über sechs Talsperren verfüge, eine gleichzeitige Kontaminierung sei auch im Falle eines Atomunfalls „sehr unwahrscheinlich“. Ohnehin aber könne die Enwor neben dem Talsperrenwasser im Notfall auch auf sechs Grundwasseraufbereitungsanlagen zugreifen, also auf von den Ärzten selbst als sicher eingestuftes Brunnenwasser.

Ferner hätten Studien, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl veranlasst wurden, gezeigt, dass nach einem Fallout nur ein Prozent der Radioaktivität über das Trinkwasser aufgenommen werde. „Bevor das Trinkwasser zum Problem für die Einwohner wird, haben Atemluft und Nahrung schon lange für Schädigungen gesorgt.“

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