Geilenkirchen: Traumhaftes Klavier-Duo auf dem Podium

Geilenkirchen : Traumhaftes Klavier-Duo auf dem Podium

Mit dem Klaviersommer geht es Schlag auf Schlag weiter: Am dritten Tag sorgte das Klavierduo „PETROF“ für einen weiteren Höhepunkt. In der Aula der Realschule demonstrierten Anatoly Zatin und Vlada Vassiliewa die hohe Kunst des vierhändigen Spieles mit Werken vom Barock bis zur Spätromantik.

Das international berühmte Duo konzertiert regelmäßig in der New Yorker Carnegie Hall und der Royce Hall in Los Angeles und errang 2017 eine hohe Auszeichnung beim Globe Music Awards. Der aus der Ukraine stammende Anatoly Zatin ist außerdem Professor an der University of Colima in Mexico, auch seine aus Russland gebürtige Klavierpartnerin ist dort inzwischen als Dozentin tätig.

Zu Beginn des Konzertes erklang eine vierhändige Bearbeitung der Sopranarie „Schafe können sicher weiden“ aus der Jagdkantate BWV 208 von Johann Sebastian Bach. Auf interessante Art und Weise wurde hier barocke Kantabilität romantisch umgedeutet. Die vorliegende Fassung wurde übrigens vom „PETROF“-Duo selbst erstellt — dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Anatoly Zatin auch als Dirigent tätig ist und sich als Komponist einen anerkannten Namen gemacht hat.

Kühne und rebellische Töne

Von Bach ging es weiter zu Beethoven, der an diesem Abend mit den acht Variationen über ein Thema des Grafen Waldstein vertreten war. In diesem Frühwerk, das einerseits noch spürbar der Tradition verhaftet war, aber schon bemerkenswerte individuelle Züge trug, wurden die beiden Interpreten schon wesentlich stärker technisch gefordert. Bedenkt man, dass die Variationen in der Zeit der französischen Revolution entstanden sind, ist es kein Wunder, wenn man in der Musik kühne und rebellische Töne heraushört.

Die nachfolgende Fantasie in f-moll op. 103 von Franz Schubert war für viele Zuhörer ein „alter Bekannter“, denn dieses Werk aus dem Todesjahr des Komponisten konnte man in der Vergangenheit schon mehrfach in Geilenkirchen hören. Insofern wäre es zu wünschen, wenn in Zukunft auch andere (musikalisch ebenso interessante) vierhändige Schubert-Werke vorgestellt würden. Gleichwohl war auch diese Darbietung wieder ein besonderes Erlebnis, zumal man in der beklemmend fahlen Einleitung des vierteiligen Werkes durchaus Todesahnungen verspüren konnte.

Dem pathetischen zweiten Teil folgte ein umfangreicher Scherzo-Satz von halbherziger Fröhlichkeit, während das Finale zunächst das Eingangsthema wieder aufgriff und dann in eine mächtige Doppelfuge ausmündete, was auf die Beschäftigung des späten Schuberts mit der Polyphonie Bachs verweist. Bekanntlich hat sich der Komponist noch zwei Wochen vor seinem Tode bei dem berühmten Wiener Theorielehrer Sechter als Schüler angemeldet, um Unterricht im Kontrapunkt zu nehmen.

Abschluss mit Andante und Allegro

Der russische Spätromantiker Sergej Rachmaninow erfreut sich nicht ohne Grund bei den Pianisten großer Beliebtheit: Seine ebenso geistreichen wie gefühlstiefen Werke sind publikumswirksam gestaltet und bieten reichlich Gelegenheit, die eigene Fingerfertigkeit zu zeigen. Schöne Beispiele dafür waren auch Barcarolle und Scherzo aus dem Zyklus op. 11, worin das „PETROF“-Duo prächtige Aufgaben zu lösen hatte.

Den krönenden Abschluss des Abends aber bildeten Andante und Allegro assai op. 92 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. In diesem anfangs schwärmerisch-romantischen, dann von mitreißender Dynamik erfüllten Stück brannten Anatoly Zatin und Vlada Vassilieva ein wahres Feuerwerk an Virtuosenkunst ab, das mit minutenlangen Ovationen bedacht wurde und natürlich noch eine Zugabe erforderlich machte.

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