Geilenkirchen: Trauernde Eltern: Projekt gegen Einsamkeit und Sprachlosigkeit

Geilenkirchen: Trauernde Eltern: Projekt gegen Einsamkeit und Sprachlosigkeit

Schmerz in seiner geballten Form müssen Eltern durchmachen, wenn der Tod ihr Kind aus dem Leben gerissen hat. Die Trauer hinterlässt tiefe Wunden in der Seele der Mutter, des Vaters und auch der Geschwister.

„Schneckenhaus und Sonnenstrahl” ist ein ökumenisches Projekt, das sich an trauernde Eltern richtet.

„Plötzlich war es still, und so bekam ein Teil meines Herzens Flügel”, beschreibt ein unauffälliges Plakat nur ein Gefühl, das die plötzliche Leere nach dem Tod des Kindes definiert. Die beiden evangelischen Pfarrer Anja Fresia und Sebastian Schade sowie Ingeborg Jansen, Petra Schulz und Gemeindereferentin Martina Steffens begleiten das Projekt und sind Ansprechpartner für betroffene Eltern.

Ingeborg Jansen trauert auch nach sieben Jahren um ihre Tochter, die 2003 im Alter von sieben Jahren starb. Am Weltgedenktag für verstorbene Kinder, der jedes Jahr im Dezember begangen wird, trat sie an Gemeindereferentin Martina Steffens von der katholischen Pfarre St. Mariä Himmelfahrt Geilenkirchen mit der Bitte heran, an diesem Tag einen Gedenk-Gottesdienst einzurichten.

2007 trafen sich betroffene Eltern zum ersten Mal in der Kapelle des St.-Elisabeth-Krankenhauses, und im vergangenen Dezember wurde der Gottesdienst erstmals mit dem fünfköpfigen Team auf ökumenischer Ebene durchgeführt. „Es fehlte damals an einem Angebot für trauernde Eltern”, blickt Sebastian Schade zurück.

In Pfarrbriefen sorgten Ankündigungen für Aufmerksamkeit, so dass immer mehr Eltern und Familien, denen der Tod ihr Kind genommen hat, das Angebot von „Schneckenhaus und Sonnenstrahl” annahmen. Einmal im Monat treffen sich die Trauernden - derzeit besteht der Kontakt zu sechs Elternpaaren aus dem Kreis Heinsberg - in der Oase, dem Pfarrheim neben der St.-Marien-Kirche im Herzen von Geilenkirchen.

Das nächste Gesprächsangebot ist auf kommenden Donnerstag, 20 Uhr, datiert. „Es geht darum, einen Raum für Trauer zu schaffen, mit anderen Betroffenen zu reden”, nennt Sebastian Schade die Intention. Wie können Betroffene mit der Trauer leben? Schade: „Wenn Kinder sterben, zerstört das einen Teil unseres Lebens.” Der biologische Rhythmus werde durcheinander gebracht, denn: „Ein Kind darf nicht vor einem Erwachsenen sterben.”

Ingeborg Jansen macht darauf aufmerksam, dass kein Wort aus den Treffen von „Schneckenhaus und Sonnenstrahl” nach draußen dringt. „Wir sind offen für neue betroffene Eltern”, bietet Anja Fresia trauernden Müttern und Vätern Hilfe an. Der Austausch mit Eltern, die auch ein Kind verloren haben, gleich welchen Alters, gleich welcher Konfession sei ein großer Trost bei der Trauerbewältigung.

Für betroffene Eltern aus dem ganzen Kreis Heinsberg sind Anja Fresia unter Telefon 02451 - 91 538 26 und Martina Steffens unter Telefon 02451 - 49 04 04 zu erreichen.

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