Blick ins Zeitungsarchiv: Tierische Schlagzeilen in der GVZ vor 50 Jahren

Blick ins Zeitungsarchiv : Tierische Schlagzeilen in der GVZ vor 50 Jahren

Morde bilden Gott sei Dank nur selten den Hintergrund für Schlagzeilen im Lokalteil der Geilenkirchener Zeitung. Am Samstag, 15. Februar 1969, aber löste ein solcher Fall tierischer Art folgende Überschrift aus: „Tausend Mark Belohnung für die Ergreifung eines Tiermörders“.

Im Gangelter Hochwild-Freigehege, das sich damals noch im Aufbau befand, war ein junger Bock verendet aufgefunden worden. Schnell stellte man fest, dass das Damwild mit einem Flobert angeschossen worden war, dessen Kugel im Leib des Tieres steckengeblieben war. Das hatte dessen qualvollen Tod zur Folge gehabt.

Die Gangelter Bevölkerung war bestürzt. Würde der Tierquäler noch einmal zuschlagen? Die ausgelobte Belohnung sollte für Abhilfe sorgen.

Während man im Gangelter Freigehege Angst vor der Dezimierung des Bestandes hatte, füllte sich die Löwensafari im benachbarten Tüddern zunehmend. Am zweiten Februar-Wochenende 1969 machten sich vom Geilenkirchener Bahnhof aus zwei Elefanten mit ihrem Pfleger per pedes auf den Weg in das neue Großwildgehege an der holländische Grenze. Sie waren mit dem Zug aus Dänemark gekommen.

Auch im WIldpark Gangelt gab es 1969 Schlagzeilen. EIn Wildbock wurde von einem Unbekannten erschossen. Foto: Kirsten Barth

Über Gillrath, Stahe, Gangelt und Süsterseel trotteten die beiden Dickhäuter, umtanzt von dicken Schneeflocken, in ihre neue Heimat, wo sich die Löwen, an sich auch Bewohner der Savanne, schon mit der ungewohnten weißen Pracht im 200.000 Quadratmeter großen Freigehege arrangiert hatten.

Die Schaffung von besuchbaren Gehegen für heimische und wilde Tiere steigert definitiv den Freizeitwert und damit auch die Wirtschaftskraft einer Region. Das aber trifft zweifelsfrei auch auf die Stationierung von Militär zu, sorgt sie doch für Bevölkerungs- und Kaufkraftzuwachs. Am Samstag, 1. Februar 1969, titelte die Geilenkirchener Volkszeitung „Raketen-Artillerie-Schule des Heeres kommt nach Niederheid. Am 1. Mai dieses Jahres wird die Stadt Geilenkirchen Garnison“.

In Tüddern waren die Löwen im Safari-Park damit beschäftigt, sich an die ungewohnt großen Schneemassen zu gewöhnen. Foto: Kirsten Barth

Schon im August 1968 war der Flugplatz Teveren Standort des mit Pershing I/IA-Raketen ausgerüsteten Flugkörpergeschwaders 2 der Luftwaffe und des zur Unterstützung angegliederten 85th US Army Field Artillery Detachment geworden.

Beleuchtung für neues Wohngebiet

Am Montag, 24. Februar, konnte man die wirtschaftliche Bedeutung der Belegung der Niederheider Kaserne und des Flugplatzes schon im Bild sehen. „Ein neues, ideales Wohngebiet entsteht zur Zeit im Norden der Stadt Geilenkirchen (in unmittelbarer Kasernennähe). Eine moderne Straßenbeleuchtung taucht neuerdings abends den Berliner Ring zwischen Heinsberger und Randerather Straße in eine Fülle von Licht.“ Gute Zeiten also für den Wohnungsbau.

Narretei im Schnee: Hochradfahrer beim Karnevalszug in Gillrath. Foto: Kirsten Barth

Zu wenig Englisch-Lehrer

Schulpolitik ist ein Dauerbrenner und immer eine Schlagzeile wert. Während heute Grundschul- und Sekundarstufe 1-Lehrer sowie Mint-Fächer-Pädagogen Mangelware sind, fehlten vor 50 Jahren vor allem Lehrer für das Fach Englisch, das seit Mitte der 60er Jahre auch an den Real- und Hauptschulen erste Fremdsprache war. Erste Abhilfe sollte eine Vereinbarung von NRW-Kulturminister Holthoff mit der Englischen Stiftung „British Centre“ bringen, die für Sommer 1969 „100 Lehrer aus England für Gymnasien in NRW“ avisierte.

„Die fahrbaren Zweigstellen gleichen rollenden Panzerwagen“ titelte die GVZ vor 50 Jahren. Heute scheint man zu diesem Modell zurückkehren zu wollen. Foto: Kirsten Barth

Auf ein Angebot, das schon im Februar 1969 von der Kundschaft gut angenommen, aber zwischenzeitlich eingestellt worden war, besann sich kürzlich die Kreissparkasse Heinsberg. Ab Mai 2019 wird wieder, wie schon vor 50 Jahren, eine fahrbare Zweigstelle im Kreis unterwegs sein. Sie soll Anlaufstelle für die Kunden in den Dörfern werden, in denen die stationären Geschäftsstellen zum ersten April geschlossen werden.

Aber auch der Spaß kam nicht zu kurz im Februar 1969: Natürlich wurde auch Karneval gefeiert. Wie das aussah, sieht man beim Karnevalszug in Gillrath: Zwei Hochradfahrer, geschützt durch nicht wirkliche taugliche Regenschirme, schieben ihre lustigen Vehikel durch den Schnee. Der Freude am Feiern tat das Wetter kaum einen Abbruch.

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