Tag der offenen Tür im Darmkrebszentrum Geilenkirchen

10 Jahre Darmkrebszentrum Geilenkirchen : Kann die Medizin den Darmkrebs besiegen?

Zehn Jahre Darmkrebszentrum in Geilenkirchen: Chefarzt Dr. Haselow ist davon überzeugt, dass in Zukunft wenige Menschen daran sterben. Viele informationen gibt es am Tag der offenen Tür.

Die Zahl ist immer noch erschreckend: „60.000 Menschen erkranken pro Jahr in Deutschland an Darmkrebs“, sagt Dr. Günter Haselow, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeralchirurgie und Proktologie. Doch wenn er in die Zukunft blickt, stimmt ihn das optimistisch: „Seit Jahren schon sinkt das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, jährlich um zwei Prozent.“

Vorsorgeuntersuchungen

Der Chefarzt ist davon überzeugt, dass in Zukunft  „nur sehr wenige Menschen an Darmkrebs sterben, wenn sie frühzeitig zur Vorsorge gehen“.  Einerseits seien die Menschen aufgeklärter als früher, gingen öfter zur Vorsorgeuntersuchung, so dass die Krebserkrankung oft in einem frühen Stadium erkannt würde. Die Patienten würden heute oft in einem frühen Stadium operiert, aber auch  die technischen Voraussetzungen auch die Operationsmethoden würden immer besser: „18 Prozent der Enddarmkrebspatienten werden bundesweit laparoskopisch operiert, in unserem Hause sind es sogar 74 Prozent“, sagt der Chirurg nicht ohne Stolz.

Weniger Schmerzen und schnellere Erholung seien die Folgen dieser minimal-invasiven, im Volksmund besser als „Knopflochchirurgie“ bekannten Operationsmethode. Der Chefarzt selbst liebt und beherrscht die kleinen, genauer gesagt nur einige Millimeter großen Schnitte. Seit etwa 30 Jahren operiert er laparoskopisch. Die großen Operationen wurden dadurch komplikationsärmer, sicherer, schneller und zuverlässiger. Doch in der Darmchirurgie wird die minimal-invasive Chrirurgie erst seit zehn Jahren eingesetzt. „Wir waren von Anfang an dabei“, sagt Haselow, der seit 18 Jahren die Chirurgie im St.-Elisabeth-Krankenhaus leitet.

Oberärztin Dr. Julia Faber und Chefarzt Dr. Günter Haselow freuen sich auf den Tag der offenen Tür. Foto: ZVA/Udo Stüßer

2500 Operationen, größtenteils laparoskopisch,  stehen bei den Geilenkirchener Chirurgen – zu Haselows Team gehören fünf Oberärzte und sieben Assistenzärzte – pro Jahr auf dem OP-Plan. Unter den Patienten sind jährlich durchschnittlich 80 neu an Darmkrebs Erkrankte.  Die hervorragende Arbeit in der Darmchirurgie führte dazu, dass die Geilenkirchener Klinik im Dezember 2009 von der Deutschen Krebsgesellschaft als zertifiziertes Darm krebszentrum anerkannt wurde. Diese Anerkennung wird jährlich von der deutschen Krebsgesellschaft überprüft und ist im Kreis Heinsberg einmalig.

Von der Deutschen Krebsgesellschaft ist eine Mindestfallzahl von jährlich 50 erstbehandelten Fällen vorgesehen. Diese Fallzahlen werden vom St.-Elisabeth-Krankenhaus Geilenkirchen mit rund 80 Fällen mehr als erfüllt.

Zehn Jahre zertifiziertes Darmkrebszentrum Geilenkirchen wird mit einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 15. September, 13 bis 19 Uhr, gefeiert. „Das ist kein Tag mit langen Vorträgen. Wir suchen das persönliche Gespräch und den Kontakt zu den Menschen. Unsere Experten stehen an diesem Tag für eine Beratung zur Verfügung, wobei es sich natürlich nur um eine erste Beratung handeln kann“, sagt Oberärztin Dr. Julia Faber.  An diesem Tag können Besucher  nicht nur Kontakte zu den Ärzten knüpfen: Sie dürfen eine 21 Meter lange Reise durch den Dickdarm des Menschen antreten, wenn der größte begehbare Darm Europas der Burda-Stiftung  ausgestellt wird

. In diesem Darm sind dann die verschiedensten Stadien des Darmkrebses und seine Vorstufen  anschaulich dargestellt. OP-Begehungen mit  Kurzvorträgen, Life Demo in der Endoskopie, moderne Anästhesie, Narkose und Schmerztherapie und Infos zur Krankenhaushygiene stehen auf dem Programm. Experten informieren über künstlichen Ausgang und Stomaversorgung und laden zum Imbiss mit Tipps und Anregungen zur gesunden Ernährung ein. Mit Kinderschminken und Hüpfburg gibt es an diesem Tag auch ein Rahmenprogramm für die Kleinen.

Ständige Herausforderung

Auch wenn zehn Jahre zertifiziertes Darmkrebszentrum Geilenkirchen für das Krankenhaus ein Grund zum Feiern sind, ist es für das Ärzteteam um den Leiter des Zentrums,  Dr. Günter Haselow,  seinem Stellvertreter, Dr. Joachim Zeidler, Leitender Arzt für Hämatologie und Onkologie, und Dr. Julia Faber, Oberärztin und Darmzentrumskoordinatorin, eine ständige Herausforderung: „Die Anerkennung als von der deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Darmkrebszentrum wird jährlich überprüft. Und die Anforderungen werden in jedem Jahr größer“, sagt Haselow.

So wird die Operationsqualität der Chirurgen in jedem Jahr von einem unabhängigen Pathologen bewertet. Er lässt sich den operierten Patienten entnommene Präparate zeigen und benotet im Nachhinein die Qualität der Schnitte des Operateurs. Da wird aber nicht nur die Exaktheit der Schnitte bewertet, da werden auch Akten gewälzt: Wurden alle erforderlichen Voruntersuchungen vorgenommen? Wurde die richtige Operationsmethode angewendet? Hat der Patient die richtige Beratung erfahren? Wurde der Fall in den Tumorkonferenz vorgestellt? Wie verlief die Nachbehandlung? „Die Überlebenschance eines Darmkrebspatienten liegt heute bei über 70 Prozent, in zertifizierten Darmkrebszentren bei 80 Prozent“, sagt Haselow während Faber in die Zukunft blickt: „Die Technik wird immer weiter verfeinert.“

Das A und O ist aber nach wie vor die Vorsorge. Beide Mediziner raten Menschen ab 50 Jahre zur Vorsorgeuntersuchung. Dies gelte besonders für Risikogruppen, die familiär vorbelastet seien. Sie sollten auch frühzeitig schon den Weg zum Internisten antreten.

Mehr von Aachener Nachrichten