Geilenkirchen: „Tag der Kinderbetreuung“ macht auf Arbeit in Kitas aufmerksam

Geilenkirchen : „Tag der Kinderbetreuung“ macht auf Arbeit in Kitas aufmerksam

Wenn die Erzieherinnen und Erzieher der zwölf Geilenkirchener Kindertagesstätten am kommenden Montag wie gewohnt ihre Arbeit aufnehmen, wartet auf viele eine Überraschung. Der kommende Montag ist der bundesweite „Tag der Kinderbetreuung“, den die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung im Jahre 2012 ins Leben gerufen hat.

Mit Geschenken und Aktionen, mit einem gemalten Bild oder mit Gebasteltem wollen an diesem Tag Kinder und Eltern Danke sagen. „Viele Eltern sind dankbar, denn ohne die Erzieherinnen und Erzieher, Tagesmütter und -väter hätten sie nicht die Möglichkeit, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren“, erklärt Katja Wegner-Hens, Vorsitzende des Jugendamtselternbeirates.

Beatrix Pelzer, Jessica Hoffmann, Christine Pannhausen, Ingrid Grein und die Auszubildende Christina Schulz (hinten von links) lieben ihren Beruf, obwohl die Anforderungen in den vergangenen Jahren ständig gestiegen sind. Foto: Udo Stüßer

In dieser Funktion vertritt sie die Interessen der Eltern gegenüber dem Jugendamt und den Trägern der Einrichtungen. Sie ist aber auch Mitglied des Elternbeirates der AWO-Kita Stadtmitte, beratendes Mitglied im Jugendhilfeausschuss und Vorstandsmitglied im Landeselternbeirat NRW. „Mit solch einem Aktionstag wollen wir den Beruf der Erzieherinnen aufwerten und deutlich machen, was sie Tag für Tag leisten. Es ist nicht nur ein Behüten, sondern es steht auch ein pädagogisches Konzept dahinter“, sagt Wegner Hens.

Sie will auf den Stellenwert der Erzieher und Erzieherinnen in der Gesellschaft hinweisen: Katja Wegner-Hens. Foto: Udo Stüßer

Was die pädagogischen Kräfte in den Kitas am Montag erwartet, will sie nicht verraten. Schließlich soll es eine Überraschung werden.

Einer, der sich über solch einen Aktionstag freut, ist der 34-jährige Mike Schmidt, Erzieher und verhaltenstherapeutischer Trainer in der Bauchemer Kita Triangel, Träger der integrativen Kindertagesstätte ist die Lebenshilfe. „Ich freue mich über solch ein Dankeschön. Es ist ein Ausdruck von Wertschätzung“, sagt er.

Doch warum ein „Tag der Kinderbetreuung“? Warum dankt man nicht anderen Berufsgruppen für ihre geleistete Arbeit? Vielleicht mit einem „Dankeschöntag für Handwerker?“ Mike Schmidt hat dafür eine einfache Erklärung: „Natürlich sind wir auch Dienstleister. Wenn ich aber einen Maurer beauftrage, eine Mauer zu errichten, muss ich ihn nicht mögen. Ich muss keine Bindung eingehen. Mich interessiert nur, dass die Mauer steht. Das unterscheidet uns von anderen Dienstleistern.“

Schmidt erklärt, warum diese Bindung so wichtig ist „Ohne Bindung gibt es keine Bildung. Die Kinder brauchen einen sicheren Hafen, um von dort aus wachsen zu können. Deshalb müssen wir Erzieher uns auf die emotionale Ebene des Kindes einlassen.“ Das Kind müsse sich in der Kita wohl fühlen, damit es sich von der Mutter lösen und lernen könne. „Schließlich ist eine Kita eine Bildungseinrichtung“, sagt er.

Seit neun Jahren arbeitet Schmidt mit Leib und Seele in der Kita „Triangel“. Die Begeisterung für den Beruf teilt er mit vielen anderen Erzieherinnen und Erziehern. Beispielsweise mit Beatrix Pelzer, seit 1981 Erzieherin in der AWO-Kita Stadtmitte, oder mit Ingrid Grein, der Leiterin dieser Einrichtung. Sie übt diesen Beruf mittlerweile seit 44 Jahren aus.

„Ich bin immer noch von meinem Beruf begeistert, weil die Aufgaben sehr vielfältig sind und im Laufe der Jahre immer neue Aufgaben dazu gekommen sind“, sagt Beatrix Pelzer und weist auf die im Laufe der Jahre immer größer gewordene Bedeutung der Sprachentwicklung hin. Aber auch Dokumentation und pflegerische Arbeiten gehören heute zum Berufsalltag. „Früher waren die Kinder mindestens drei Jahre alt und sauber, heute sind viele jünger und müssen gewickelt werden“, sagt Ingrid Grein.

Wie wichtig es für die ganze Familie ist, wenn sich das Kind in der Kita wohl fühlt, weiß auch Christine Pannhausen, Erzieherin im Geilenkirchener Kindergarten St. Ursula. „Viele Eltern sind berufstätig und froh, wenn sie wissen, dass ihr Kind bei der Erzieherin gut aufgehoben ist. Wenn sie wissen, dass sich die Erzieherin Zeit nimmt, haben sie ein gutes Gefühl.“

Ihre Kollegin Jessica Hoffmann, ebenfalls Erzieherin in der St.-Ursula-Kita, meint: „Und dabei erwarten die Eltern, dass wir ihre Kinder fit für das Leben machen müssen.“ Zumindest fit für die Schule sollen sie sein, sagt Ingrid Grein. Sie hat im Laufe der Jahre festgestellt, dass der Beruf anspruchsvoller und professioneller geworden ist. „Für die meisten Eltern ist es heute selbstverständlich, was wir in unseren Kitas leisten, die Erwartungshaltung ist größer geworden. Das war früher nicht so sehr der Fall“, sagt Grein.

Individuelle Fähigkeiten

Dabei stehen die pädagogischen Kräfte der Bauchemer Kita Triangel noch vor ganz anderen Herausforderungen: Sie wird von 61 Kindern mit und ohne Behinderung besucht. Schmidt macht auf das Motto dieser Kita aufmerksam: „Es ist normal verschieden zu sein.“

Unter diesem Wahlspruch erweitern Kinder ab zwei Jahren wie in jedem anderen Kindergarten ihre sozialen Fähigkeiten, erleben Toleranz und Akzeptanz, lernen zu teilen und zu streiten, erlernen kulturelle Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben, und das immer nach ihren ganz individuellen Fähigkeiten. In zwei heilpädagogischen und drei inklusiven Gruppen werden die Mädchen und Jungen von 35 Erzieherinnen, Erziehern und Therapeuten mit unterschiedlichen Fortbildungen und Schwerpunkten gefördert.

In dem zertifizierten Bewegungskindergarten wird auch jeweils der individuelle Förderbedarf eines Kindes ermittelt. Dazu sagt Katja Wegner-Hens: „In der Öffentlichkeit muss deutlich gemacht werden, wie komplex, anspruchsvoll und wichtig dieser Beruf ist. Wir müssen nachhaltig zeigen, welchen Stellenwert Erzieher in der Gesellschaft haben.“

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