Übach-Palenberg: Streuobstwiese in Übach-Palenberg muss Haus weichen

Übach-Palenberg : Streuobstwiese in Übach-Palenberg muss Haus weichen

Zuerst waren da plötzlich diese Pflöcke. Dann verschwanden die Bäume. Und binnen weniger Tage war am Bucksberg in Übach-Palenberg helle Aufregung entstanden. Um das Fazit vorwegzunehmen: Mit ein wenig besserer Kommunikation hätte sich wohl zumindest ein Teil des Ärgers vermeiden lassen. Doch der Reihe nach.

Am Bucksberg, Ecke Conneallee, liegt eine schöne, von vielen Anwohnern lieb gewonnene Streuobstwiese. Sie ist rund 9000 Quadratmeter groß. Bekannt war außerdem, dass die Wiese als Ausgleichsfläche angemeldet ist, weshalb man in der Nachbarschaft davon ausging, dass keine Gefahr dahingehend besteht, dass die Wiese einmal überbaut werden könnte. Dass die Anwohner damit falsch liegen könnten, deutete sich an, als Ende vergangener Woche Vermessungsarbeiten stattfanden und besagte bunte Pflöcke in den Boden gehämmert wurden.

Auch Nabu-Vorsitzender Hubert Schippers und seine Stellvertreterin Doris Linden-Mahr waren am Montagabend am Bucksberg.

Eilig wurden der Nabu und auch unsere Zeitung informiert, Nabu und Zeitung wandten sich wiederum an die Stadt, doch noch bevor von dort eine Auskunft zu bekommen war, waren die Bäume innerhalb des markierten Areals auch schon Geschichte: Am Montagmorgen machte die Säge Kleinholz.

Diese beiden Kinder waren nach der Fällaktion ein bisschen traurig, ließen sich aber dennoch einige Äpfel schmecken.

Ein Problem für das Apfelfest

Kein Wunder, dass Anwohner und Nabu nun erst recht zornig waren. Am Montagabend konnte man Hubert Schippers, den Nabu-Vorsitzenden, vor Ort antreffen. „Man wird hier schneller verarscht als man gucken kann“, brummte er. Auf der Wiese waren Kinder zu sehen, die aus den gefällten und in Stücke gesägten Überresten der Bäume nach nicht-zermatschten Äpfeln suchten. Die herumschwirrenden Wespen waren da weniger wählerisch.

Ein Anwohner sagt: „Erst verzockt die Stadt unser Geld bei irgendwelchen Schweizer Börsenspielen, und dann werden die Grundstücke verschachert, um das Geld wieder reinzuholen.“ Man muss wissen, dass besonders die Anwohner der Conneallee gewissermaßen vorgeschädigt sind, seit man ihnen das Baugebiet Beyelsfeld vor die Nase gesetzt hat. Es soll östlich davon auch ein Beyelsfeld II geben und womöglich sogar ein Beyelsfeld III, und dass man ihnen nicht einmal die verhältnismäßig kleine Streuobstwiese lässt, stößt umso mehr auf Ärger.

Der Zorn des Nabu-Vorsitzenden Schippers ist auch damit zu erklären, dass demnächst das Apfelfest ansteht, das Nabu und Mehrgenerationenhaus seit Jahren am benachbarten Mehrgenerationenspielplatz veranstalten. Es ist zwar erst am 3. Oktober, 13 Uhr, wieder so weit. Doch die Äpfel hätten bei einer großen Pflückaktion mit dem Awo-Kindergarten geerntet werden sollen, just am Donnerstag. Auch die Tatsache, dass die Obstbäume ja nur zum Teil abgeholzt wurden, vermochte Hubert Schippers am Montag kaum zu besänftigen.

Auch in den sogenannten sozialen Netzwerken wird in den folgenden Tagen gewaltig über den Vorgang geschimpft. Und zwar offenbar so sehr, dass der Investor sich schließlich entscheidet, einige Dinge geradezurücken. Beziehungsweise „zu objektivieren“, wie er am Dienstag bei einem Anruf in unserer Redaktion sagt. Es handelt sich bei dem Investor nicht um die S-Bauland und auch nicht um einen Fitnessstudiobetreiber, wie zwischenzeitlich kolportiert wurde, sondern um einen lokalen Unternehmer aus der metallverarbeitetenden Industrie.

In der Zeitung lesen will er seinen Namen lieber nicht, da er nicht wünscht, dass sein Unternehmen mit dem privaten Bauvorhaben, um das es am Bucksberg geht, durcheinander gebracht wird. „In den vergangenen Tagen ist unheimlich viel Blödsinn verbreitet worden“, sagt er. „Weder betreibe ich Sportstudios noch kontrolliere ich die Stadt.“ Das Grundstück und die Wiese, die gehörten aber tatsächlich ihm, seit rund vier Jahren schon.

Bauhausstil mit viel Glas

Der Unternehmer gibt zu, dass er in den vergangenen Monaten auf Nachfragen der Anlieger nicht mehr reagiert habe. Die Kommunikation scheint aber auch aus der anderen Richtung nicht jederzeit geglückt zu sein. Am Montagmorgen nämlich, berichtet der Unternehmer, habe er die eingeschlagenen Pflöcke aus dem Boden gezogen und zertreten vorgefunden. Habt ihr eine Säge dabei?, fragte er seine Leute, mit denen er vor Ort war. Dann wurden Tatsachen geschaffen, die Bäume kamen weg. Mittelfristig wäre es natürlich ohnehin so gekommen.

Nun wird ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen entstehen, im Bauhausstil und mit viel Glas. Eine der Wohnungen will der Unternehmer selbst beziehen, die anderen vermieten oder verkaufen, das ist noch offen. In der zweiten Septemberhälfte soll mit dem Tiefbau losgelegt werden. Der Rest der Wiese, immerhin noch 7600 Quadratmeter, würden nicht überbaut, das sei ihm auch vertraglich gar nicht gestattet, sagt er. Wie die Stadt außerdem mitteilt, muss die Ausgleichsfläche an anderer Stelle ersetzt werden.

Auch Hubert Schippers vom Nabu zeigt sich am Mittwoch schließlich besänftigt. Auch bei ihm hat der Unternehmer sich gemeldet. Schippers hat nun das Gefühl, dass man mit ihm ganz gut auskommen könnte, hinsichtlich der verbleibenden Streuobstwiese und auch sonst.

Manchmal ist eben alles eine Frage der Kommunikation. Vielleicht verhilft diese ja auch noch zu einer guten Nachbarschaft.