Hitzehauptstadt Geilenkirchen: Stolzer Rekordhalter, zumindest für einen Tag

Hitzehauptstadt Geilenkirchen : Stolzer Rekordhalter, zumindest für einen Tag

Geilenkirchen ist am die Hitzehauptstadt Deutschlands – aber nur kurz. Am Donnerstag stand das Telefon im Rathaus nicht mehr still. Zum Rekord gab es Eis für die ganze Verwaltung.

Ob Bürgermeister Georg Schmitz nun der „heißeste Bürgermeister Deutschlands“ oder doch nur der Bürgermeister der heißesten Stadt Deutschlands war, ist letztlich nur eine Wortspielerei – und war auch gerade mal einen Tag aktuell. Denn nachdem in Geilenkirchen am Mittwoch der Rekordwert von 40,5 Grad Celsius gemessen wurde, der höchste Wert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, wurde dieser am Donnerstag schon überboten. Lingen im Emsland meldete stolze 41,5 Grad.

Fest steht, dass am Donnerstag das Telefon im Rathaus kaum still stand. Und „Schorsch“ hetzte von Live-Schalte zu Interview zu TV-Dreh. An normale Arbeit war da kaum zu denken, „aber dafür ist es ja ohnehin zu heiß“, meint Schmitz, dem der Trubel sichtlich Spaß macht.

„Ich bin schon ein wenig stolz darauf, dass Geilenkirchen den Hitzerekord geknackt hat“, sagt er, „dadurch entsteht schließlich ein gewisser Ruhm für unsere Stadt.“ Doch er währte nur kurz...

Ein toller Job

Zu verdanken hat Geilenkirchen das Evrykleia Chatzi und Arnie Ciggaar, den Meteorologen der Nato-Air-Base, die den Hitzerekord am Mittwoch gemessen haben. Foto: ZVA/Simone Thelen

Arnie Ciggaar, Meteorologe auf der Nato-Airbase, war derjenige, der am Mittwoch den Rekordwert von 40,5 Grad Celsius gemessen hatte, und auch am Donnerstag blickte er gespannt auf seinen PC. „Ich habe einen tollen Job“, freut sich Ciggaar. „Ich bin echt glücklich, dass das hier passiert ist und ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.“ Im Büro von Arnie Ciggaar und seiner Kollegin Evrykleia Chatzi ist es kühl und klimatisiert, aber wenn man über die Rampe, also die Flugbahn, auf die Wetterstation zugeht, staut sich die Hitze. Am frühen Nachmittag lag die Bodentemperatur auf der Bahn schon bei über 52 Grad Celsius. Die Lufttemperatur wird an der Wetterstation in einer Höhe von zwei Metern gemessen. Sie liegt nicht auf dem Rollfeld, sondern etwas am Rande. „Die Hitze, die die Turbinen produzieren, spielt selbstverständlich keine Rolle für die Messwerte“, erklärt der Experte. Während er das erklärt, geht sein Blick gen Himmel. „Über dem südlichen Aachen ziehen Wolken auf. Da könnten auch ein Gewitter und Regen entstehen.“

Bisher ist die offiziell heißeste Stadt Deutschlands mit 40,3 Grad Celsius Kitzingen in Bayern gewesen. Kitzingens Oberbürgermeister Siegfried Müller zeigte sich am Donnerstag mit gemischten Gefühlen. Ein bisschen traurig sei er schon, wenn Kitzingen den Rekord verliere, „weil der Bekanntheitsgrad unserer Stadt weit über die Landesgrenzen von Bayern hinaus schon eine tolle Geschichte war“. In dieses Lied kann Georg Schmitz nun auch einstimmen.

Feuerwehrleiter Frank Büßelberg hat indes mit den Folgen der Hitze zu kämpfen: viele Flächenbrände. Foto: ZVA/Simone Thelen

Geilenkirchen stand schon öfter auf der Liste der heißesten Städte Deutschlands, allerdings bisher immer bezogen auf einen bestimmten Tag. 2017 hat die Stadt auch einmal den Rekord als trockendste Stadt Deutschlands gehalten. „Das war natürlich nicht ganz so erfreulich“, erinnert sich Schmitz, der ja auch Bürgermeister der „westlichsten Kleinstadt“ Deutschlands ist, ein weiterer Superlativ in Schmitz’ Sammlung.

In seinem eigenen Garten hatte Schmitz am Mittwoch in der Sonne stolze 47,5 Grad Celsius gemessen. „Ich bin zwar hohe Temperaturen durch meine Reisen nach Thailand gewohnt, aber da empfindet man das natürlich ganz anders.“ Bei seinen Außenterminen sei ihm jedenfalls „die Brühe so den Rücken runter gelaufen“, lacht er. Da bleibt er lieber im Büro, lässt die Rollos runter und setzt sich vor den Ventilator. „Nur nicht zu viel bewegen“, ist die Devise. „Wer heute Sport treibt, ist selbst schuld!“

Hitze und Trockenheit machen in diesen Tagen auch der Freiwilligen Feuerwehr Geilenkirchen zu schaffen. „Die Hitze bedeutet für uns mehr Einsätze und natürlich eine viel höhere Belastung für die Einsatzkräfte“, sagt Frank Büßelberg, Leiter der Feuerwehr. „Die Zahl der Flächenbrände ist in diesen Tagen besonders hoch. „Am Mittwoch mussten wir zu drei Fällen ausrücken. Und leider können wir im Einsatz nur bedingt auf die Schutzbekleidung verzichten“, was im Klartext bedeutet, die Feuerwehrleute müssen schwitzen. „Auch zwischen den Einsätzen können wir nicht in den Pool springen“, erklärt Büßelberg. „Wir sind ja Ehrenamtler und müssen ganz normal zur Arbeit.“

Umsicht ist gefragt

Auch am Donnerstag steht die Sonne hoch über dem Tower der Nato-Airbase. Foto: dpa/Caroline Seidel

Um Bränden möglichst vorzubeugen, mahnt Büßelberg zu mehr Umsicht im Umgang mit Feuer. „Eine achtlos weggeworfene Kippe kann einen großen Flächenbrand auslösen. Und auch das Unkraut in der Einfahrt sollte man in diesen Tagen nicht mit dem Gasbrenner abfackeln.“

Viel trinken ist natürlich ein allgemeiner Tipp, der nicht nur in der „heißesten Stadt Deutschlands“ angesagt ist. Georg Schmitz hat schon, als Anfang der Woche die Hitzewelle angekündigt wurde, für seine Mitarbeiter eine ganze Ladung Mineralwasser bestellt. Am Tag darauf entschied er, dass die Männer in kurzen Hosen zur Arbeit kommen können. „Die Frauen ziehen sich bei einem solchen Wetter ja auch eh luftiger an“, sagt er.

Natürlich wurde der Rekord im Rathaus auch gefeiert: Für die ganze Belegschaft gab es Eis, drei Kugeln, nacheinander, Amt für Amt.

„Alleine dafür hat es sich ja schon gelohnt“, meint Schmitz, „wenn auch nur für einen Tag. Und wer weiß, der August ist ja wie allgemein bekannt der heißeste Monat hier. Vielleicht können wir den Rekord ja dann noch einmal brechen.“

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