Geilenkirchen: Stellwerk: Schon sieben Jahre Verspätung und kein Ende in Sicht

Geilenkirchen: Stellwerk: Schon sieben Jahre Verspätung und kein Ende in Sicht

Mit Verspätungen kennen die Bahn und ihre Fahrgäste sich aus. Dass der Faktor Zeit im Kosmos des Großkonzerns nicht nur bei den Ankunftszeiten von Zügen für Verärgerung sorgt, zeigt unter anderem das alte Stellwerk in Geilenkirchen. Hier geht es allerdings nicht um eine Verspätung von einigen Minuten oder Stunden, sondern von nunmehr rund sieben Jahren.

Aus gegebenen Anlass haben wir einen Blick in unser Archiv gewagt und nachgesehen, wann das Stellwerk Thema war. Im Folgenden ein chronologischer Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Auch für die Stellwerkshäuschen in Lindern (links) und in Übach-Palenberg war einmal der Abriss vorgesehen. Auch sie stehen noch. Allerdings sind sie auch nicht an ganz so hochfrequentierten Orten platziert, wie das Exemplar in Hünshoven. Foto: Mönch/Bienwald

Ausgabe vom 25. Oktober 2007: Unsere Zeitung berichtet über das kurz vor der Vollendung stehende elektronische Stellwerk Grevenbroich, das am 5. November in Betrieb genommen werden soll: „Die vollautomatische Technik hat zur Folge, dass es keine Stellwerkswärter mehr geben wird und die bisherigen, rund um die Uhr mit DB-Personal besetzten Stellwerkshäuser, so auch in Geilenkirchen, Lindern und Übach-Palenberg, überflüssig werden“, heißt es in dem Text. Dann wird es interessant, denn ein Bahn-Sprecher wird mit den Worten zitiert: „Zunächst bleiben die Stellwerkshäuser stehen, werden gesichert und später einmal abgerissen.“ Dass „zunächst“ so viel bedeutet wie „mindestens sieben Jahre“, ahnte damals aber niemand. Übrigens stehen auch die Linderner und Übach-Palenberger Pendants des Geilenkirchener „Schandflecks“ noch.

Ausgabe vom 18. Januar 2012: Mehrere Jahre war es ruhig um das Thema, als die Geilenkirchener Grünen auf den Plan treten. „Grüne fordern Abriss des Stellwerks“ lautet an diesem Tag die Überschrift. Der Fraktionsvorsitzende Jürgen Benden hat Kontakt zur Bahn aufgenommen. Er spricht von einem Schandfleck. Auch Franz-Willi Jansen, Inhaber der benachbarten Nikolaus-Becker-Stube, kommt zu Wort. Er träumt bereits von Parkraum, den er durch die bei einem Abriss frei werdenden Quadratmeter womöglich gewänne. Träumen ist schließlich erlaubt. Ein Ingenieur der Bahnflächen-Enwicklungsgesellschaft (BEG) in Essen verspricht derweil: In vier Wochen gibt es klare Informationen darüber, was passieren wird. Aus den vier Wochen sind mittlerweile weit über 100 Wochen geworden — da soll noch mal einer sagen, die Zeit vergehe wie im Flug.

Ausgabe vom 16. Februar 2012: Ein Leserbriefschreiber äußert sich kritisch und in Reimform zu der Forderung der Grünen. Der Mann, offenbar von der Muse geküsst, schlägt vor, das Gebäude nicht abzureißen, sondern einer anderen Nutzung zukommen zu lassen: „Liebevolle Renovierung und Nutzungsänderung/Stellwärters Haus fände neue Verwendung/Als Aussichtsturm, Denkmal, vielleicht mit Gastronomie/passt es wieder gut in die Hünshovener Peripherie.“ Heute weiß man: Auch mit Gedichten ist dem leidigen Thema nicht beizukommen.

Ausgabe vom 23. Juni 2012: „Der Abriss des alten Stellwerks rückt näher“, lautet nun die Schlagzeile. Streng genommen ist das nicht falsch. Allerdings rücken auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar, die Vollendung der Energiewende und der 1000. Jahrestag der Wiedervereinigung näher — ohne dass dies beträchtliche Wartezeiten ausschließt. Zum Inhalt: Die Stadtverwaltung zeigt sich mittlerweile ratlos. Jürgen Benden beklagt, dass die Pflege des Baus offenbar eingestellt wurde. Ein Bahn-Sprecher teilt mit, dass „zurzeit in Abstimmung mit der Stadt Geilenkirchen der Abriss des Stellwerks geprüft“ werde.

Ausgabe vom 24. April 2013: Beim sogenannten Stadtgespräch, zu dem die Grünen in die Nikolaus-Becker-Stube eingeladen haben, wird es konkret. Dachte man damals. „Der Abriss erfolgt in diesem Jahr“, verspricht hoch und heilig ein Bahn-Angestellter. Kommentar überflüssig.

Ausgabe vom 8. Februar 2014: Mittlerweile ist offensichtlich, dass das Versprechen des Bahn-Mitarbeiters nicht gehalten wurde. Nachfragen unserer Zeitung bei der Bahn ergeben, dass der Antrag auf Abriss erst im Anschluss an die Veranstaltung in der Nikolaus-Becker-Stube gestellt wurde. Der damals anwesende Bahn-Mitarbeiter teilt nun mit, dass man „aktiv“ auf das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) zugegangen sei, „um den aktuellen Arbeitsstand zu erfragen“.

Ausgabe vom 11. Februar 2014: Die Aussage seitens des EBA zum Arbeitsstand ist ernüchternd. Denn es gibt keinen Arbeitsstand. Es gibt überhaupt keine Arbeit. Stattdessen teilt das Amt mit, dass der Antrag auf Abriss, den die Bahn Ende April 2013 gestellt hat, unvollständig war. Dies habe man der Bahn auch umgehend mitgeteilt. Danach habe man nichts mehr gehört.

Fortsetzung folgt. Bestimmt.

(jpm)