Geilenkirchen: St. Josef Kirche in Bauchem: Abriss für Sozialzentrum

Geilenkirchen: St. Josef Kirche in Bauchem: Abriss für Sozialzentrum

Der Denkmalschutz muss sich noch eine abschließende Meinung bilden. Wenn die so ausfällt, wie Gemeinde und Franziskusheim GmbH es sich vorstellen, wird der Bagger kommen und St. Josef weichen. Und doch: die Kirche bleibt in Bauchem. Auf diese Feststellung legen Franziskusheim-Geschäftsführer Hanno Frenken und der Aufsichtsratsvorsitzende Pfarrer Peter Frisch allergrößten Wert.

Gemeint ist wohlgemerkt die Institution Kirche — nicht das Gebäude. „Die gelebte Kirche, die bleibt erhalten“, betonen Frisch und Frenken unisono.

Die Idee, den 70er-Jahre-Sakralbau abzureißen, ist nicht neu. Auch dass erste — mögliche, mitnichten verbindliche — Pläne für das geplante Sozialzentrum vorgestellt wurden, liegt schon geraume Zeit zurück. Dass ein Kirchenabriss immer eine emotionale Sache ist, dass es Kritiker geben würde, das war Frisch und Frenken natürlich von Anfang an klar. Schon bei einer Podiumsdikussion Ende 2013 wurde teils durchaus heftig diskutiert, Anfang des vergangenen Sommers machten Unterschriftenlisten die Runde, deren Urheber sich geradeheraus gegen die Idee aussprachen: die Kirche soll bleiben.

Die politischen Gremien brachten zwar weiter eine breite Mehrheit für das Sozialzentrum auf. Doch auch hier gab es durchaus Diskussionen. Frisch und Frenken respektieren die Einwände und Vorbehalte. Doch im Laufe der Zeit, das ist ihr Eindruck, hat sich die Stimmung in Teilen der Bevölkerung in eine Richtung gedreht, die der Sache Unrecht tut.

Am allerwenigsten auf sich sitzen lassen wollen sie — auch mit Blick auf zahlreiche Ehrenamtler — die Behauptung, es gehe nur ums liebe Geld. Dabei verweisen Frenken und Frisch auf das kleine, aber wichtige g in gGmbH. Denn dieses steht für gemeinnützig. Richtig ist zwar, dass auch eine solche gGmbH nach den Kriterien betriebswirtschaftlicher Vernunft wirkt.

Richtig ist weiter, dass auch eine gGmbH Rücklagen bildet. Der entscheidende Unterschied zu einer GmbH aber ist, dass diese Rücklagen wieder dem Zweck zukommen, durch den sie erwirtschaftet wurden. Anders als bei einer GmbH ohne kleines g gibt es keine Gewinnausschüttungen. Oder salopp ausgedrückt: Da steht niemand im Hintergrund, der sich durch den Abriss von St. Josef, falls es denn wirklich dazu kommt, die Taschen vollmacht.

Von der monetären Seite ganz abgesehen, rufen Frenken und Frisch in Erinnerung, wie und aus welchen Beweggründen heraus die Pläne seinerzeit überhaupt entstanden seien. „Es ist ja nicht so, dass wir abreißen wollen, damit wir das Sozialzentrum bauen können“, stellt Hanno Frenken klar. Für ein solches gebe es in Geilenkirchen sicherlich auch andere Orte. Vielmehr sei die Idee aus der Situation heraus entstanden, dass St. Josef ins Alter gekommen, also sozusagen ein architektonischer Pflegefall ist.

Und man habe sich so nach und nach immer dringlicher mit der Frage konfrontiert gesehen, wie die Kirche — die Institution — bleiben kann, obwohl die Kirche — das Gebäude — gehen muss. Frisch: „Die Alternative wäre gewesen, dass wir hier irgendwann eine Ruine mitten in Bauchem stehen haben.“ Sicherlich seien bis zur Brandstiftung Anfang des Jahres noch Gottesdienste abgehalten worden. Das war es aber auch. Das geplante Sozialzentrum, da ist Frisch sicher, käme dem Gedanken gelebter Kirche im Sinne eines sozialen Mittelpunkts erheblich näher als eine sporadisch genutzte Kirche.

Auch wenn es keinen Kirchturm mehr gibt. Frisch: „Manche sagen: ‚Lasst doch zumindest den Turm stehen‘.“ Und den Gedanken versteht er gut. Denn so ein Turm prägt schließlich den Ort wie kein anderes Bauwerk, nicht nur in Bauchem. „Das geht aber nicht so einfach.“

Zusätzlich zu der ohnehin großen Emotionalität wurde die Geschichte verkompliziert, als der Denkmalschutz auf den Plan trat. Erst kam im Frühjahr die sogenannte vorläufige Unterschutzstelung, dann wurde St. Josef vor einigen Wochen tatsächlich zum Denkmal, abgerissen werden soll aber trotzdem. Klingt reichlich verworren und widersprüchlich. „Es ist schwer, den Leuten das zu erklären“, sagt auch Hanno Frenken. Dabei ist Denkmalschutz nicht immer gleichbedeutend mit einer Garantie auf Erhalt.

Der Kirche soll auch erst dann zu Leibe gerückt werden, wenn der erste Teil des Sozialzentrums schon steht. Denn im ersten Bauabschnitt sind dann bereits ambulanter Pflegedienst mit betreuten Wohnungen (Frenken: „Das Selbstbestimmte ist in unserem Konzept essentiell“), ein öffentlicher Platz, ein Begegnungszentrum und ein Gottesdienstraum (der möglichst viele Erinnerungsstücke aus St. Josef beherbergen soll, etwa Kreuz, Marienbild oder vielleicht auch ein Modell des Gebäudes) verwirklicht worden. Erst für den zweiten Bauabschnitt soll St. Josef abgerissen werden. Dieser soll weitere Wohnungen bieten.

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