Übach-Palenberg: Sicherem Weg für die Kinder droht Gefahr

Übach-Palenberg: Sicherem Weg für die Kinder droht Gefahr

Der Weg ist das Ziel. Das sehen 19 Familien im Siedlungsgebiet Boscheln-Süd im Gegensatz zu Konfuzius eher pragmatisch. Oder ganz deutlich: Ihr Ziel ist es, den Weg zu behalten, der ihnen und vor allem ihrem Nachwuchs das gefahrlose Erreichen des Kindergartens St. Fidelis oder der Linden-Grundschule ermöglicht.

Gefühlt ist diese Verbindung zwischen dem Holunderplatz und der Römerstraße ein Geschenk. Juristisch betrachtet genießen die Anrainer der um 1998 entstandenen Siedlung lediglich ein Wegerecht über den Grund eines anderen Eigentümers. Und dieser möchte den Pfad wieder einzig und allein unter seine Aufsicht gestellt wissen. Das versucht er sogar mit Hilfe der Gerichte und findet Zustimmung bei der Judikativen.

Eigentümer Josef Jaschinski hat Haus und Grundstück vor mehr als drei Jahren gekauft. Da lag das Wegerecht bereits auf dem 41 Meter langen Pfad, den die Stadt Übach-Palenberg ausgebaut hat mit grauem Ziegel und Laternenbeleuchtung. Hintergrund der ungewöhnlichen Situation ist die dortige Lage einer früheren Gaststätte, deren Platz für die Kegelbahn über das Grundstück hinausging.

„Der Eigentümer hat das Recht auf Löschung dieses Wegerechts“, sagt Rechtsanwalt Paul Schmitz-Kröll, der die Familie Jaschinski vertritt. Aber davon ist die Stadt Übach-Palenberg nicht mehr allein betroffen. Als Ende der 1990er Jahre das Wohnbaugebiet Weidenstraße entwickelt wurde, zerfiel das Flurstück 231 in eine Vielzahl kleiner Parzellen für die neuen Bewohner auf rund 2300 Quadratmeter; die Stadt behielt 1729 qm Fläche.

An die Verwaltung wurde auch die Löschung des Wegerechts herangetragen. Der Stadtrat beschloss die Vorlage einstimmig, „aber der Beschluss ist nicht umgesetzt worden“, so Anwalt Schmitz-Kröll. Als Eingaben im Rathaus keinen Erfolg zeigten, klagten die Eigentümer. Das Amtsgericht Geilenkirchen gab ihnen — verkündet am 4. Januar dieses Jahres — Recht. „Es gab keine Berufung“, sagt Paul Schmitz-Kröll, „das Urteil ist rechtskräftig.“ Anwaltspost haben Ende November die 19 Eigentümer bekommen, die im beschriebenen Flurstück eines unregelmäßigen Vierecks Flächen gekauft haben.

Bei diesem Akt wurde ihnen die „Grunddienstbarkeit“ für den gut kinderwagenbreiten Pfad mitgegeben. Darauf sollen sie nun verzichten. Warum und wie erläuterte Anwalt Schmitz-Kröll ausführlich, klärte sogar über die zu erwartende Kostenlage beim Schritt vor den Notar auf. Soweit sind die Anwohner aber noch nicht. „Das ist ein kurzer und sicherer Weg für unsere Kinder in Schulen und Kindergärten“, erinnert Rene Serf an diesen Vorteil im Baugebiet, in dem — rund um Grünflächen und Spielplatz — rund 500 Menschen leben. Das Gässchen ist ihnen als Nutzweg vertraut geworden. „Sonst müssen unsere Kinder über die Roer­monder Straße runde 500 Meter Umweg laufen“, hat der 36-jährige Rettungsassistent ermittelt. Yvonne Serf, die mit ihrem Mann Rene zwei Söhne (7/5) hat, weiß um die Gefahren der Trasse. „Der Gehweg ist unterbrochen, es gibt laufend Querungen und geparkte Fahrzeuge, die die Sicht nehmen.“

Rene Serf appelliert in Abstimmung mit seinen Nachbarn an die Stadt, das Allgemeinwohl höher zu stellen als ein Privatinteresse und eine Lösung herbeizuführen. Josef Jaschinski dagegen hat andere Argumente: „Oft wird mit Mopeds durch den Weg gesaust. Dann fliegen sogar Flaschen auf mein Grundstück. Eine Rollade ist schon kaputt. Manchmal hat man Angst, hier zu wohnen.“ Die Eheleute Jaschinski wollen deshalb nach Löschung des Anliegeranspruchs den Weg sperren. Für alle.

Das Problem ist der Stadt Übach-Palenberg wohlbekannt, nicht nur durch den verlorenen Prozess. Helmut Mainz, Fachbereich Stadtentwicklung, muss die Verfügungsgewalt des Eigentümers akzeptieren, wie er sagt. Und als zu gefährlich kann er den „Umweg“ zur Schule und Kita auch nicht erkennen: „Die Kinder müssen die Bundesstraße nicht queren.“ Rene Serf und Nachbarn haben jetzt Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch auf das Problem angesprochen. Man trifft dazu sich Mitte Januar. Dieser Weg ist schon mal gefunden.

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