Übach-Palenberg: Shorts-Verbot: Ü-Bad in der Vorreiterrolle?

Übach-Palenberg: Shorts-Verbot: Ü-Bad in der Vorreiterrolle?

Sabine Maas hat die Welle, die mediale Welle, die in diesen Tagen über das städtische Ü-Bad schwappte nicht wirklich überrascht. Das Verbot von Badeshorts im Übach-Palenberger Nass macht im Lande Schlagzeilen.

„Wissen Sie”, sagt die Schwimmmeisterin gelassen, „wir sind beileibe nicht die erste Kommune in Deutschland, die ein derart rigoroses Bekleidungsreglement hat. Ähnliche Vorschriften gibt es in vielen anderen Bädern schon längst. Und auch da war die öffentliche Resonanz sehr groß.”

Das Verbot gilt seit vergangenem Freitag, also seit fünf Tagen. Sabine Maas lässt ihren Blick kontrollierend über das Freibad-Becken schweifen und stellt zufrieden fest: „Das Wasser ist klar und sauber. So muss das sein.” Dabei ist noch längst nicht jede flatternde Badeshorts aus dem Becken verbannt. Das liegt aber nicht daran, dass der Träger des corpus delicti den Argus-Augen des Badepersonals entgangen ist. Die Badverantwortlichen wollen nicht von heute auf morgen den Hebel umlegen.

„Wir gewähren unseren Badegästen eine gewisse Übergangszeit. Zunächst einmal wollen wir die Besucher bereits beim Ticketkauf an der Kasse über die neuen Vorschriften informieren und aufklären.” Auch wer das falsche Badetextil dabei hat, wird nicht gleich nach Hause geschickt. Er oder sie darf sogar ins Wasser - ausnahmsweise, und natürlich ohne Unterhose drunter.

Bei „Wiederholungstätern” aber, so Sabine Maas, werde man etwas deutlicher. Aber in aller Regel, betont die Aufpasserin, werde beim Folgebesuch die eng anliegende Hose beim Eintauchen ins kühle Nass angezogen.

Das Argument, die Anschaffung einer regelkonformen Schwimmtracht könne so mancher finanziell nicht schultern, will Sabine Maas nicht gelten lassen: „Eine normale, eng sitzende Badehose kostet gerade mal fünf Euro, eine Shorts ist weitaus teurer.”

Das Shortsverbot, in der Region das einzige seiner Art, stößt erwartungsgemäß bei Jugendlichen auf wenig Verständnis. „Die Erwachsenen, 40 Jahre und älter, haben keine Probleme und akzeptieren die Badeordnung zugunsten einer besseren Hygiene.”

Sauberkeit und Hygiene sind vor allem ein Thema, wenn der Sommer den Bädern eine brummende Saison und Besucherschwärme beschert. „Allein im Juli hatten wir 17.000 Besucher, selbst aus Aachen, aus Düren und den Niederlanden”, resümiert Sabine Maas. Ein Traummonat, der Geld in die defizitäre Kasse des Ü-Bades spült.

Die Kehrseite des Massenansturms indes benennt die Schwimmmeisterin auch: „An einem der vergangenen sonnigen Sonntage zählten wir 3250 Besucher. Erfahrungsgemäß über die Hälfte mit Badeshorts. Rein rechnerisch tragen davon 400 bis 500 Leute eine Unterhose drunter.”

Dieser missliche Zustand habe Badepersonal und viele Badegäste gleichermaßen geärgert. Als dann noch das Kreisgesundheitsamt Heinsberg sich eingeschaltet habe, habe man Nägel mit Köpfen gemacht. „Natürlich haben wir schon lange vorher versucht, die jugendlichen Shortsträger für dieses Problem zu sensibilisieren, doch vergebens”, erklärt Maas. Der Appell zur Freiwilligkeit sei ungehört verhallt.

Noch keine verlässlichen Zahlen

Noch befinde man sich in einer „Testphase”, sagt Sabine Maas. Da schon über verlässliche Zahlen zu reden, sei zu früh. An einen Besucherschwund, an ein Abwandern zu Schwimmbädern mit legerer Badeordnung, glaubt sie aber nicht: „Ich denke aber, die Jugendlichen könnten von Übach-Palenberg nach Merkstein gehen, dafür könnten junge Familien von dort nach hier wechseln. Es könnte eine Umschichtung des Publikums geben.”

Wer wisse schon, wie lange es dauere, bis andere Kommunen nachziehen. Übach-Palenberg in der Vorreiterrolle? „Warum nicht? Auch in anderen Bädern werden die Shorts als störend empfunden. Hygienisch wie wirtschaftlich sind sie überall ein Problem.”

Die Stadt Übach-Palenberg könne jedenfalls künftig die Betriebskosten niedriger halten - mit der angenehmen Konsequenz: Die Eintrittspreise dürften stabil bleiben.